Die Puppe, die einer antisemitischen Karikatur gleicht, wurde öffentlich verbrannt.
Die Puppe, die einer antisemitischen Karikatur gleicht, wurde öffentlich verbrannt.
bild: Antonia Yamin (Europa-Korrespondentin für KAnN Israel)

Trotz Verbots: Polnische Gemeinde verbrennt wieder antisemitische "Judaspuppe"

23.04.2019, 14:50

Die katholische Kirche hatte es eigentlich verboten: Das sogenannte "Judasgericht". Der Karfreitagsbrauch aus dem polnischen Pruchnik fand am Karfreitag nach einer zehnjährigen Auszeit trotzdem wieder statt.

Mehrer isralische Medien berichteten schockiert über das Treiben. Auch die katholische Kirche erklärte laut Spiegel, nicht zu wissen, wer hinter der Initiative stecke.

Der jüdische Kongress sagte dazu:

"Juden sind tief verstört von dieser grässlichen Rückkehr des medienwirksamen Antisemitismus, der zur unvorstellbaren Gewalt und Leid führte."
WJC-Vizepräsident Robert Singer
2019

So lief das "Judasgericht" ab

Am Sonntag über mehrere Internetportale verbreitete Videoaufnahmen der Veranstaltung zeigen, wie eine mit den Worten "Judas 2019" und "Verräter" beschriftete Strohpuppe in einem rituellen "Judasgericht" zunächst auf einem Beleuchtungsmasten aufgehängt, durch Straßen gezerrt, mit langen Stöcken geschlagen und schließlich geköpft, angezündet und brennend in einen Bach geworfen wird.

Die Tradition stammt aus dem 18. Jahrhundert und war 2009 von der Kirche wegen ihrer antisemitischen Aggressivität verboten worden. Was Eltern im polnischen Bruchnik 2019 nicht daran hinderte, ihre Kinder dabei anzufeuern, eine sogenannte "Judaspuppe" zu verprügeln und zu verbrennen.

Das Aussehen der Puppe ähnelte dabei mit krummer Nase, orthodoxer Kopfbedeckung und Schläfenlocken stark antisemitischen Zeichnungen von Juden. Diese wurde besonders in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg von Nazis verbreitet, um das Ansehen der Juden zu beschmutzen und die Gewalttaten an ihnen zu rechtfertigen.

Zum Vergleich: Die antisemitische Darstellung eines Juden auf einem Buchcover von 1937.
Zum Vergleich: Die antisemitische Darstellung eines Juden auf einem Buchcover von 1937.
Bild: imago stock&people

Nach Informationen der "Gazeta Wyborcza" und der Regionalzeitung "Ekspres Jaroslawski", die die Veranstaltung filmte, soll es sich bei dem "Judasgericht" um einen schon im 18. Jahrhundert verbreiteten Brauch handeln. Dabei werde Judas für seinen in der Bibel beschriebenen Verrat an Jesus "bestraft".

Den antisemitischen Charakter dieser Zeremonie unterstreicht auch ein Post der Journalistin Antonia Yamin. Sie twitterte ein Foto, dass die Puppe zur Nazizeit mit Davidstern zeigt, den alle Juden zur Kennzeichnung tragen mussten:

Bis auf die Tatsache, dass die Puppe von 2019 keinen Stern trägt, hat sich die Tradition kaum verändert.

(hs/dpa)

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