Viele Spanier suchen aufgrund der Wetterwarnungen öffentliche Wasserquellen auf.
Viele Spanier suchen aufgrund der Wetterwarnungen öffentliche Wasserquellen auf.Bild: Juan Carlos Rojas / Juan Carlos Rojas
Klima & Umwelt

Warnungen und Verbote: Spanien und Frankreich in der Hitzewelle

13.06.2022, 19:16

Große Teile Spaniens werden in dieser Woche von einer für Juni ungewohnt heftigen Hitzewelle heimgesucht. Die höchsten Temperaturen wurden für Andalusien im Süden des Landes vorhergesagt. Dort rechnete das meteorologische Institut Aemet in Sevilla und Córdoba mit bis zu 43 Grad. Aber auch weiter nördlich, in der Hauptstadt Madrid oder in Saragossa, war es mit 38 bis 39 Grad nicht gerade kühl. Auf der beliebten Ferieninsel Mallorca im Mittelmeer wurden bis zu 35 Grad erwartet.

Auch nachts gibt es keine wirkliche Abkühlung, die Temperaturen sinken dann in weiten Teilen des Landes kaum auf 20 Grad ab - es sind sogenannte tropische Nächte. Eine leichte Entspannung könnte es ab dem Wochenende geben, wenn die Temperaturen im Süden wieder unter 40 Grad fallen.

Zunehmende Hitzeperioden und Unwetterwarnung

Hitzeperioden nehmen in Spanien nach einem Bericht der Zeitung "El País" zu. Sie setzten früher im Jahr ein, seien länger, die Temperaturen höher und die betroffene Landesteile immer größer. Der absolute Rekord wurde im vergangenen August in Montoro in Andalusien gemessen: 47,4 Grad. Zudem habe es zu wenig geregnet. Experten führen dies auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurück.

Bis zum 16. Juni rief das staatliche Wetteramt Spaniens daher in weiten Teilen des Landes die zweithöchste Unwetterwarnung aus. Wie das spanische Portal "Costa Nachrichten" berichtete, seien die Bürger vor langen Aufenthalten im Freien gewarnt. Besonders Kinder und ältere Menschen sollten die Sonne meiden und auf genügend Wasserzufuhr achten. Außerdem bestehe ein hohes Waldbrandrisiko. Erst vor wenigen Tagen gab es einen großflächigen Waldbrand an der Costa de Sol, der die Merkmale eines Brandes im Spätsommer erfüllte.

Wasserknappheit in Frankreich – und leere Pools

Auch Frankreich steht vor einer weiteren vorzeitigen Hitzewelle. Mehrere Wasserversorger haben daher zum Wassersparen aufgerufen. "Um nicht in eine schwierige Lage zu kommen, müssen wir uns vorbereiten", heißt es in einem am Montag veröffentlichten Aufruf des Verbands der Wasserbetriebe. Zwischen Dienstag und Samstag werden in Frankreich Temperaturen bis zu 40 Grad erwartet.

Die Wasserbetriebe appellieren an den Staat, die Versorgung zu modernisieren, etwa durch besseres Aufspüren von Lecks in Leitungen und durch saisonabhängige Tarife. Nötig seien auch "natürliche Lösungen", beispielsweise der bessere Schutz von Feuchtgebieten und der Kampf gegen die Bodenversiegelung. Auch technologische Lösung sollten erwogen werden, wie das Auffüllen der Grundwasser-Reservoirs und die Zweitnutzung von gering verschmutztem Wasser.

Derzeit gelten in einem guten Drittel der 101 Départements Frankreichs bereits Beschränkungen. Je nach Warnstufe wird das Bewässern von Gärten und Feldern rationiert; Autos dürfen nicht mehr gewaschen und private Pools nicht mehr gefüllt werden.

Atomkraftwerk wegen Hitzewelle gedrosselt

Der Energiekonzern EDF kündigte unterdessen an, das Atomkraftwerk Saint-Alban an der Rhone wegen des niedrigen Wasserstandes im Fluss erneut zu drosseln. Dort war bereits Anfang Juni die Produktion von 1300 Megawatt zeitweise auf 260 Megawatt abgesenkt worden.

Um die Artenvielfalt im Fluss zu schützen, ist die Entnahme und das Zurückleiten des Kühlwassers streng geregelt. Schon in der Vergangenheit mussten französische Atomkraftwerke in Hitzeperioden gedrosselt werden, üblicherweise geschieht dies jedoch im Hochsommer. Anfang Mai war auch das AKW Blayais am Fluss Garonne wegen niedrigen Wasserstands zurückgefahren worden.

Der Monat Mai war in Frankreich mit einer Durchschnittstemperatur von 17.8 Grad der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Die höchsten Temperaturen wurden in Ajaccio auf Korsika mit 36.2 Grand und in Albi bei Toulouse mit 35.4 Grad erreicht. Fast im ganzen Land trockneten die Böden so stark aus wie sonst normalerweise erst Mitte Juli. In den vergangenen drei Monaten regnete es etwa 45 Prozent weniger als üblich.

(crl/afp)

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