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Vater von IS-Kämpfern spricht bei Lanz: Schon bei der Begrüßung kommen ihm die Tränen

Joachim Gerhard hatte bei der Begrüßung von Markus Lanz schon Tränen in den Augen. Gerhard war am Donnerstagabend bei dem ZDF-Talkmaster zu Gast. Seit Jahren beschäftigt der Fall des Manns aus Kassel die Öffentlichkeit: Es ist ein verzweifelter Kampf eines Vaters, der seine Söhne zurück will.

Im Oktober 2014 schlossen sich Gerhards Söhne Fabian und Manuel dem sogenannten "Islamischen Staat" (IS) an – und reisten nach Syrien.

In einem viel beachteten Propagandavideo sagten sich die beiden Brüder später von ihrem Vater los. Darin heißt es: "Jeder Bruder hier im Islamischen Staat, jeder Moslem, ist mir selber lieber als du, obwohl du mein eigener Vater bist. Warum? Weil du gegen den Islam arbeitest." Das Video sorgte deutschlandweit für Aufsehen.

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In einem IS-Propagandavideo sagten sich die Gerhard-Söhne Fabian und Manuel von ihrem Vater los. zdf-screenshot

Der "Islamische Staat":

Die Terrormiliz kontrollierte bis Dezember 2017 Teile des Irak und bis März 2019 Teile Syriens. Die letzte IS-Bastion, die Stadt Baghus im Osten Syriens, wurde am 23. März für befreit erklärt – das Ende des selbst ernannten Kalifats der IS-Terrormiliz. Tausende IS-Kämpfer sind nach ihrer Aufgabe in Gefangenenlager gebracht worden, wo sie verhört werden. Darunter, nach Gerhards Informationen, auch der frühere IS-Kämpfer Fabian Gerhard.
Zum Höhepunkt ihrer Macht kontrollierten die sunnitischen Extremisten eine Region, die sich über weite Teile Syriens und des Iraks erstreckte. Die von den USA geführte Militärintervention gegen den IS begann Mitte Juni 2014. Auch heute verüben IS-Kämpfer immer wieder Terroranschläge im Nahen Osten, die Aktivitäten der Terrororganisation haben sich heute nach Afghanistan und auf den afrikanischen Kontinent verlagert.

Vater von IS-Kämpfern erzählt bei Markus Lanz von der Suche nach seinen Söhnen

Im Jahr 2016 teilten die Sicherheitsbehörden Gerhard mit, dass seine Söhne bei einem Kampf im Einsatz für den IS gestorben seien.

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Bei Lanz war Gerhard den Tränen nahe. zdf-screenshot

Das glaubte Gerhard nicht, und begab sich auf die Suche nach seinen Söhnen. Im Frühjahr dieses Jahres reiste Gerhard dann erneut nach Syrien – seine Hoffnung: Sein Sohn Fabian soll dort leben. Das habe ihm ein Hinweisgeber mitgeteilt. Doch zu einem versprochenen Treffen zwischen Vater und Sohn kam es nie.

Gerhard, so berichtet er heute, konnte bei seinem Besuch in Syrien einen Blick in einen kurdischen Gefängnishof werfen, in dem Fabian angeblich sein soll. Dort will er seinen Sohn gesehen haben. Seitdem ist Gerhard sicher: Fabian lebt. Und zwar eben in diesem Gefängnis in Syrien. Gerhard bei Lanz über seinen Sohn: "Er ist sehr schmal, er hat keinen Bart mehr."

Über den Verbleib seines anderen Sohns Manuel weiß Gerhard nichts.

Deutschland und die sogenannten IS-Rückkehrer:

Die deutsche Regierung tut sich schwer mit dem Problem der potenziellen IS-Rückkehrer. Die Sicherheitsbehörden gingen Anfang April nach Angaben des Bundesinnenministeriums von 66 mutmaßlichen IS-Angehörigen aus Deutschland aus, die sich in Gefangenschaft im syrischen Kurdengebiet befinden. Gegen 21 von ihnen liegen demnach Haftbefehle vor. Hinzu kämen noch Dutzende Frauen und Kinder, heißt es aus Sicherheitskreisen. Sicherheitspolitiker streiten darüber, ob eine Aufnahme der IS-Rückkehrer nach Deutschland sinnvoll ist.

Das Schicksal der IS-Rückkehrer

Der ZDF-Journalist Elmar Theveßen sagt über das Schicksal der IS-Rückkehrer: "Das sind deutsche Staatsbürger. Und damit gilt für sie das Gleiche, wie für jeden anderen deutschen Staatsbürger, der irgendwo rund um den Erdball herum sich in Schwierigkeiten begibt."

Theveßen meint: "Er hat selbstverständlich ein Recht darauf, dass der deutsche Staat versucht, diese Person zurückzuholen nach Deutschland. Sie hier vor Gericht stellt – insbesondere in solchen Fällen, wenn in den Ländern, in denen diese Leute angeklagt sind, die Todesstrafe gilt." Darauf klagt auch der Unternehmer Gerhard. Seine Forderung: Fabian soll zurück nach Deutschland kommen, um sich hier vor einem Gericht zu verantworten.

Die deutsche Regierung sperrt sich gegen die Rückführung der IS-Kämpfer. Im April hatte Innenminister Horst Seehofer den Vorschlag gemacht, im Ausland inhaftierten deutschen IS-Kämpfern international den Prozess zu machen, statt sie nach Deutschland zu holen. Auch Außenminister Heiko Maaß (SPD) spricht sich gegen eine Aufnahme der früheren IS-Kämpfer auf. (n-tv.de)

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Lanz und Theveßen hören den Schilderungen von Familienvater Gerhard zu. zdf-screenshot

Ist die Reintegration von Islamisten in Deutschland möglich?

Über mögliche Kriegsverbrechen seiner Söhne weiß Gerhard nichts. Er berichtet aus der Region: "Da unten geht es nur darum: Entweder du überlebst oder du stirbst." Gerhard meint über seinen Sohn Fabian: "Ich hab ihn lieber hier im Gefängnis. Wenn sie ihm nachweisen können, dann soll er hier verurteilt werden."

Können Islamisten in Deutschland wieder integriert werden? Lanz stellt eine Frage, die niemand in der Runde zu beantworten vermag. Familienvater Gerhard ist wieder den Tränen nahe – seine Suche nach seinen Söhnen wird weitergehen. Gerhard will bis zum Europäischen Gerichtshof ziehen, um seinen Sohn Fabian zu befreien.

(pb/mit dpa)

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