Nathanael Liminski (CDU, rechts) könnte im Kabinett von Hendrik Wüst Schul- oder Kultusminister werden.
Nathanael Liminski (CDU, rechts) könnte im Kabinett von Hendrik Wüst Schul- oder Kultusminister werden. Bild: SVEN SIMON / Malte Ossowski/SVEN SIMON

"Brandgefährlich" – große Sorge im Netz wegen möglichem NRW-Minister

27.06.2022, 17:54

Eine potenzielle Ministerernennung in NRW sorgt im Internet aktuell für viel Gesprächsstoff. Laut Medienberichten könnte der als konservativer Hardliner geltende CDU-Politiker Nathanael Liminski Schul- oder Kultusminister der schwarz-grünen Landeskoalition werden.

Der streng gläubige Katholik wurde unter dem früheren NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei. Dass Liminski, der lange als Berater im Hintergrund tätig war, jetzt selbst in die aktive Politik einsteigen möchte, macht vielen große Sorgen.

Es war die Linken-Bundestagsabgeordnete Martina Renner, die die Diskussion um den umstrittenen CDU-Mann losgetreten. "Ihr macht nicht wirklich einen religiösen Fundamentalisten zum Bildungsminister?", schrieb sie bei Twitter an den Landesverband der Grünen, die in NRW künftig mit der CDU regieren werden. Renner verwies auf die Verschärfung der Abtreibungsgesetze in den USA und den jüngsten Terroranschlag in Oslo, der mutmaßlich religiös-fundamentalistisch motiviert war.

Die Linken-Politikerin ist nicht die einzige, die eine Ministernennung Liminskis in Bezug zu den Entwicklungen in den USA setzt. Auch die Betreiber des CDU-kritischen Twitteraccounts "UnionWatch" mahnen mit Blick auf Liminski vor einem Erstarken der christlichen Fundamentalisten auch in Deutschland.

Liminski mit kontroversen Äußerungen in Interview

Woher rühren solche Sorgen? Zum einen wohl daher, dass Liminski früher der sogenannten "Generation Benedikt" angehörte. Dieser Zusammenschluss junger konservativer Katholiken hatte sich zum Ziel gesetzt, der Öffentlichkeit die Überzeugungen des damaligen Papstes Benedikt XVI näherzubringen. Dabei ging es auch um Reizthemen wie die katholische Sexualmoral, die Abtreibung und gleichgeschlechtliche Liebe ächtet.

Liminski wird außerdem eine Nähe zu der konservativen katholischen Organisation "Opus Dei" nachgesagt – eine Verbindung hatte er jedoch im vergangenen Jahr bestritten.

Aktuell holen Liminski vor allem Aussagen ein, die er vor einigen Jahren gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" getätigt hatte. "Ich kenne viele Homosexuelle, und einige tun mir leid. Der Staat muss schon aus reiner Selbsterhaltung die natürliche Form der Ehe und Familie fördern", wird der CDU-Politiker in dem Text zitiert.

Expertin hält Liminski für ungeeignet für demokratisches Amt

Die mögliche Nominierung Liminskis ist für einen User Grund zu maximaler Beunruhigung. Er hält den Politiker für brandgefährlich. Auch die USA-Expertin Annika Brockschmidt, die zum Erstarken der Religiösen Rechten in den USA forscht, schreibt, dass Liminski "seine Ansichten und Äußerungen für ein solches Amt in einer Demokratie ungeeignet machen". Sie hatte mit ihrem Tweet dem Grünen-Politiker Konstantin von Notz widersprochen, der angemahnt hatte, Liminski dürfe nicht aufgrund seiner Weltanschauung oder Religion diskriminiert werden.

Tweets lassen mögliches Umdenken bei Liminski erahnen

Ein anderer User weist darauf hin, dass sich Liminski in der Vergangenheit vermehrt auch gegen die Diskriminierung von queeren Menschen eingesetzt hatte. Womöglich habe es bei ihm diesbezüglich also ein Umdenken gegeben. Er fordert den Politiker deshalb dazu auf, sich zu seinen früheren Äußerungen zu positionieren.

(nik)

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