Donald Trump beim "Coin Toss" eines Footballspiels der Army gegen die Navy im Dezember 2019.
Donald Trump beim "Coin Toss" eines Footballspiels der Army gegen die Navy im Dezember 2019.Bild: ZUMA Wire

Super Bowl: Trump albert bei Hymne herum – Kritiker werfen ihm Heuchelei vor

04.02.2020, 18:54

Wenn die US-amerikanische Hymne erklingt, erheben sich alle Einwohner der Staaten ehrfürchtig, legen die Hand aufs Herz und singen mit. So wünscht es sich zumindest die breite Öffentlichkeit.

Als sich Colin Kaepernick von den San Francisco 49ers vor einem Spiel im Oktober 2017 hinkniete, brach ein Sturm der Entrüstung los. Die Geste wurde als respektlos interpretiert – in den USA haben Nationalhymne und Flagge eine enorme Bedeutung.

Kaepernick und andere Spieler wollten mit ihrem Kniefall auf Rassismus im Football und Polizeigewalt gegen Schwarze aufmerksam machen. Auch US-Präsident Donald Trump hatte sich damals in die Debatte eingemischt und die Entlassung aller Spieler gefordert.

Trump spielt den Dirigenten während der US-Hymne

Kaepernik, dessen Karriere seither quasi auf Eis liegt, musste sich von Trump öffentlich als "Hurensohn" beschimpfen lassen. Sein Protest hingegen verhalte nach mehreren Monaten.

Jetzt hat sich auch der US-Präsident selbst bei der Nationalhymne daneben benommen, wie ein Video auf Twitter zeigt.

Das Video ist bei einer Super-Bowl-Party in seinem Golf Club in Miami entstanden. Mit dabei waren auch seine Frau Melania und der gemeinsame Sohn Barron. Während die beiden die Hand aufs Herz gelegt haben, gestikuliert Trump wild herum. Er hebt die Arme über den Kopf und imitiert offenbar einen Dirigenten.

Über Kaepernick und andere Spieler hatte er damals gesagt: "Steht stolz für eure Nationalhymne da oder werdet ohne Bezahlung entlassen".

Trumps "Tanz" sorgt für gemischte Reaktionen

Schauspielerin Alyssa Milano kritisiert den Auftritt von Trump: "Das sieht nicht nach Stolz aus", schrieb sie zu ihrem Tweet. In ihren Augen scheint Trump ein Heuchler zu sein. Für ihre Kritik bekam sie aber gleich Gegenwind von Trump-Unterstützern, die anmerken, dass der Präsident wenigstens stünde.

Ein anderer meint, Trump hätte jemandem zugewunken. Und die Hände hätte er nur über den Kopf gehoben, weil er von der Hymne so begeistert gewesen wäre.

Der Demokrat Eric Swalwell bemängelt, dass die US-amerikanischen Truppen einen Oberbefehlshaber verdient hätten, der sie respektiere. Stattdessen würden sie von einem egozentrischen "Kind" geführt.

(lin)

Ausschuss zu Kapitol-Angriff: Trump-Berater Bannon soll vor Gericht

Der Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung des Angriffs auf das US-Kapitol am 6. Januar will den früheren Trump-Berater Steve Bannon vor Gericht bringen. Der Ausschuss nahm am Dienstagabend (Ortszeit) einstimmig einen Bericht an, der die Missachtung des Kongresses durch Bannon feststellt. In einem nächsten Schritt muss das von den Demokraten von US-Präsident Joe Biden dominierte Repräsentantenhaus darüber abstimmen, bevor der Fall vor Gericht kommt. Bannon war in den ersten Monaten der Präsidentschaft des Republikaners Donald Trump dessen Chefstratege.

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