Peer Steinbrück zeigt bei "Lanz" wieder den Mittelfinger.
Peer Steinbrück zeigt bei "Lanz" wieder den Mittelfinger.Bild: zdf screenshot

Trotz Warnung bei "Markus Lanz": Steinbrück zeigt wieder den Mittelfinger

06.10.2021, 09:12
Andrea Zschocher

Da gab Peer Steinbrück bei "Markus Lanz" zu, dass ihn diese eine Geste, die mit dem Mittelfinger bei der Bundestagswahl 2013 "bestimmt 2-3 Prozent"der Wählerstimmen gekostet hat, lachte noch, als das Foto natürlich wieder eingeblendet wurde, verwies darauf, dass es bei den U18-Jährigen seiner Zeit aber super angekommen sei und dann machte er in der Talkshow genau diese Geste erneut. Lanz und die Frauen in der Runde versuchten noch, mit "Vorsicht, der Finger!" zu warnen, aber zu spät. Der Mittelfinger ist zurück. Und er kann für wirklich vieles stehen, was es derzeit laut Peer Steinbrück anzuprangern gibt.

Über den Umgang mit Armin Laschet in diesen Tagen der Koalitionsverhandlungen ist Steinbrück wenig überrascht, er wünscht sich aber, dass jemand dem CDU-Mann zeitnah erklärt, dass der "Abschied aus der Politik" nötig wird. Journalistin Cerstin Gammelin pflichtet bei, es sei ein "Martin-Schulz-Moment", den niemand so recht ansprechen will, dabei sei genau das jetzt dringend nötig.

Steinbrück wusste, dass er nicht Kanzler wird

Steinbrück erzählt, er habe während seines Wahlkampfes schon sechs Monate vor dem Wahltag geahnt, dass es "schiefgehen" wird. Aus Verantwortungsbewusstsein hatte er weitergemacht, weswegen er auch nachvollziehen kann, dass Armin Laschet am Wahlabend noch über eine mögliche Chance aufs Bundeskanzleramt sprach. Die Zeit sei aber nun abgelaufen und für die Union sei die Zeit gekommen, sich neu aufzustellen.

Genau das zu tun, was sie seit Jahren verspricht, sich umfassend zu erneuern. Diesmal eben nur wirklich. Und eben auch für Armin Laschet, sich nach neuen Tätigkeiten umzusehen. Denn Steinbrück ist davon überzeugt, die CDU wird ihren ehemaligen Kanzlerkandidaten nicht mehr "ins Schaufenster stellen". Ein weiterer denkwürdiger Satz vom SPD-Politiker: "Der Sündenbock ist kein Herdentier." Aus der Union saß niemand in der Runde, um das zu kommentieren. Neben einem prominenten Mittelfinger hatte der Abend also auch einige schöne sprachliche Bilder im Angebot.

Peer Steinbrück überzeugte als Wort-Akrobat bei "Markus Lanz".
Peer Steinbrück überzeugte als Wort-Akrobat bei "Markus Lanz".Bild: ZDF screenshot

Alles eine Frage des Datums

Von Markus Lanz darauf angesprochen, wie sehr es ihn schmerze, dass die 25,7 Prozent, die Olaf Scholz bei der Bundestagswahl eingefahren hat, als Erfolg gewertet werden, während sie bei ihm als Misserfolg zählten, antwortete Steinbrück sehr klar: gar nicht. Er habe über die Zeit gelernt, dass eben alles seine Zeit habe. "Sieg oder Niederlage sind eine Frage des Datums", fasste er zusammen. Die Rahmenbedingungen seien heute anders gewesen als damals, er habe sich, so sagte er Lanz, nicht gegrämt.

Die Anti-Charismatiker

Schriftstellerin Juli Zeh wollte bei Lanz gar (optische) Gemeinsamkeiten zwischen Steinbrück und Scholz ausmachen. Das schien aber weder dem angesprochenen noch Lanz zu behagen. Spannend zu sehen, wie Männer reagieren, wenn mal jemand ganz bewusst ihr Äußeres zum Thema macht. Dabei musste sich Sahra Wagenknecht direkt zu Beginn der Sendung einen Schenkelklopfer-Spruch von Markus Lanz über ihr neongrünes Kostüm anhören.

Ob das wohl ein politisches Signal sei, fragte Lanz. "Persönliche Präferenz" in der Farb- und Outfitwahl, keinesfalls ein politisches Statement, erwiderte Wagenknecht gelassen. So schmallippig wie Steinbrück wurde sie jedenfalls nicht. Als Zeh ihrem SPD-Genossen dann noch attestierte, er sei ein "Anticharismatiker", wollte der die Sendung direkt verlassen. Ihre Erklärung, er sei eben, wie Scholz, nicht populistisch, sondern sachlich und überzeugend, ließen den 74 - Jährigen dann gleich wieder beruhigt in den Sessel sinken.

Sahra Wagenknechts Partei Die Linke hat viele Stimmen verloren.
Sahra Wagenknechts Partei Die Linke hat viele Stimmen verloren.bild: zdf screenshot

Quellenschutz?

Zumindest ein wenig beunruhigend war es, dass die Journalistin Gammelin Mutmaßungen darüber anstellte, wer aus den Kreisen der Union mutmaßlich Details aus den Sondierungsgesprächen an die "Bild" übermittelt haben könnte. Es seien vermutlich "die üblichen Verdächtigen", Jens Spahn oder Michael Kretschmer. Auf Nachfrage von Lanz, wer sich denn bei ihr immer melden würde, um Informationen weiterzutragen, schien die Journalistin kurz zu überlegen, während Steinbrück ihr mit dem Hinweis, dass das ja jetzt an den Quellenschutz ginge, zu Hilfe eilte. Wer letztlich Informationen aus den Gesprächen weitergibt, ist natürlich offen. Dass eine Journalistin mit solcher Vehemenz Namen nennt, ist aber schon überraschend.

Alle sind sich einig und lassen sich ausreden

Große Einigkeit herrschte bei allen Anwesenden bei den großen Herausforderungen unserer Zeit, die im Wahlkampf der letzten Monate und der Politik der letzten Jahre zu kurz gekommen sind: sichere Altersvorsorge, die EU, Landgrabbing, also dem massiven Aufkauf von Land, dass dann vielfach nicht mehr den Pächtern vor Ort zur Verfügung steht, Steuereinsparungen und -hinterziehung in Deutschland.

Mit kleinen Abweichungen fanden alle die Redebeiträge der jeweils anderen gut. Bis auf wenige Ausnahmen ließen auch alle Gesprächsteilnehmenden sich gegenseitig ausreden, was in den letzten Wochen gerade in Politik-Talkshows eine Seltenheit geworden ist. Vielleicht auch, weil der Wahlkampf vorbei ist, weil immerhin zwei SPD-Mitglieder bei Markus Lanz saßen, die selbstverständlich auch Werbung für ihre Partei machten. Und weil alle dem permanenten Angriffsmodus müde geworden sind.

Juli Zeh findet, eine Koalition mit drei Parteien spiegelt die gesellschaftlichen Entwicklungen.
Juli Zeh findet, eine Koalition mit drei Parteien spiegelt die gesellschaftlichen Entwicklungen.Bild: ZDF screenshot

Themen versprochen, die nicht kamen

Sahra Wagenknecht wurde leider nicht auf das aktuelle Wahlergebnis angesprochen, deswegen gab es für sie auch wenig Grund, so angriffslustig zu sein wie sie sonst vielfach auftrat. Der Talk bei "Markus Lanz" wirkte tatsächlich eher wie ein Innehalten, ein Abwarten und ein Aufzeigen von Themen, die jetzt nach der Wahl auch wichtig werden.

In gewohnter Lanz-Manier versprach der Moderator zu Beginn der Sendung einiges, worüber letztlich doch nicht diskutiert wurde. Auch sein Angebot, man könne sich ja in genau dieser Konstellation noch mal treffen, wird vermutlich nur ein Angebot bleiben. Dabei machte das, was angekündigt, aber nicht besprochen wurde, durchaus Lust auf eine zweite Sendung. Auch zu nachtschlafender Zeit, denn diese Ausgabe von "Markus Lanz" hat zumindest stellenweise Lust auf mehr gemacht.

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