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Das ist die Maaßen-Rede, in der er gegen die SPD schießt

05.11.2018, 11:4205.11.2018, 14:07

Im Streit um den Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen gibt es angeblich eine neue Wende: Laut einem Bericht der "Neuen Ruhr Zeitung" soll Maaßen Bundesinnenminister Seehofer selbst um eine Versetzung in den Ruhestand geben haben.

  • Das Ruhestandsgesuch soll Maaßen laut dem Bericht schon in der vergangenen Woche an das Bundesinnenministerium geschickt haben.
  • Erst am Sonntag war bekannt geworden, dass Maaßen offenbar doch nicht Sonderberater für Seehofer werden soll, sondern das Innenministerium Maaßens Versetzung in den Ruhestand vorbereitet.
  • Der Hintergrund: In einer Rede vor dem "Berner Club" in Warschau am 18. Oktober hatte Maaßen sich vor Verfassungsschutz-Kollegen aus mehreren europäischen Ländern über die SPD ausgelassen. Politiker wie SPD-Vize Ralf Stegner haben Maaßen daher als untragbar bezeichnet.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will sich möglicherweise noch am Montag zur Zukunft des scheidenden Verfassungsschutzchefs Hans-Georg Maaßen äußern: Der Minister werde in Kürze darüber informieren, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Montag in Berlin. "Auch heute wäre das noch möglich", sagte Seehofer.

Der Nachrichtenagentur AFP liegt das Manuskript der Maaßen-Rede in Warschau vor – darin heißt es:

"Liebe Kolleginnen und Kollegen, Ich möchte mich heute aus diesem Kreis nach über sechsjähriger Zugehörigkeit von Ihnen verabschieden. (...) Die Vorsitzenden der drei Parteien, die die Bundesregierung in Deutschland bilden, Frau Merkel, CDU, Herr Seehofer, CSU, und Frau Nahles, SPD, hatten am 23. September beschlossen, dass ich als Präsident des Bundesverfassungsschutzes abgelöst werden soll. Damit ist eine Regierungskrise in Deutschland beendet worden. Die SPD hatte mit einem Bruch der Koalition gedroht, wenn ich weiter im Amt bleiben würde. Hintergrund der Regierungskrise war die Tatsache, dass ich am 7. September gegenüber der größten deutschen Tageszeitung 'Bild-Zeitung' die Richtigkeit der von Medien und Politikern verbreiteten Berichte über rechtsextremistische 'Hetzjagden' bzw. Pogrome in Chemnitz in Zweifel gezogen hatte. Am 26. August 2018 war ein Deutscher von Asylbewerbern in Chemnitz getötet worden. Am gleichen Tage gab es Demonstrationen in Chemnitz gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung von normalen Bürgern aber auch von Rechtsextremisten. Dabei kam es vereinzelt zu Straftaten.Am folgenden Tag und an den darauffolgenden Tagen stand nicht das Tötungsdelikt im politischen und medialen Interesse, sondern rechtsextremistische 'Hetzjagden gegen Ausländer'. Diese 'Hetzjagden' hatten nach Erkenntnissen der lokalen Polizei, der Staatsanwaltschaft, der Lokalpresse, des Ministerpräsidenten des Landes und meiner Mitarbeiter nicht stattgefunden. Sie waren frei erfunden. Ich habe bereits viel an deutscher Medienmanipulation und russischer Desinformation erlebt. Dass aber Politiker und Medien 'Hetzjagden« frei erfinden oder zumindest ungeprüft diese Falschinformation verbreiten, war für mich eine neue Qualität von Falschberichterstattung in Deutschland.Ich hatte mich in der darauffolgenden Woche gegenüber der 'Bild-Zeitung' in nur vier Sätzen dazu geäußert, indem ich klarstellte, dass es nach Erkenntnissen aller zuständigen Sicherheitsbehörden keine derartigen rechtsextremistischen 'Hetzjagden' gab. Gegenüber den zuständigen Parlamentsausschüssen stellte ich in der folgenden Woche klar, dass ein Kampf gegen Rechtsextremismus es nicht rechtfertigt, rechtsextremistische Straftaten zu erfinden. Die Medien sowie grüne und linke Politiker, die sich durch mich bei ihrer Falschberichterstattung ertappt fühlten, forderten daraufhin meine Entlassung. Aus meiner Sicht war dies für linksradikale Kräfte in der SPD, die von vorneherein dagegen waren, eine Koalition mit der CDU/CSU einzugehen, der willkommene Anlass, um einen Bruch dieser Regierungskoalition zu provozieren. Da ich in Deutschland als Kritiker einer idealistischen, naiven und linken Ausländer- und Sicherheitspolitik bekannt bin, war dies für meine politischen Gegner und für einige Medien auch ein Anlass, um mich aus meinem Amt zu drängen. (...) Bundesinnenminister Seehofer, der mich und meine Position in dieser politischen Auseinandersetzung sehr unterstützte und dafür selbst viel Kritik von den Medien erfuhr, möchte mich als seinen Berater bei sich behalten. Ob und unter welchen Bedingungen dies stattfinden soll, wird im Einzelnen in den nächsten Wochen geklärt werden müssen. Jedenfalls kann ich mir auch ein Leben außerhalb des Staatsdienstes zum Beispiel in der Politik oder in der Wirtschaft vorstellen. Ich hätte nie gedacht, dass die Angst vor mir und vor der Wahrheit Teile der Politik und Medien in solche Panik und Hysterie versetzt, dass vier Sätze von mir ausreichend sind, um eine Regierungskrise in Deutschland auszulösen. (...) Danke für Ihre Aufmerksamkeit!"

Die AfD bejubelt das Aus von Angela Merkel – zu früh:

Video: watson/Max Biederbeck, Lia Haubner
Der erste Streit um Maaßen im September:
Die Spitzen von CDU, CSU und SPD hatten sich im September zunächst darauf verständigt, dass Maaßen als Staatssekretär ins Innenministerium wechseln sollte. Nach einer Welle der Empörung beschlossen sie dann, dass der 55-Jährige im Innenministerium im Rang eines Abteilungsleiters für europäische und internationale Aufgaben zuständig sein sollte. Nach Maaßens Abschiedsrede ist nun auch dies vom Tisch.

(pb/dpa/afp)

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