Nur noch 15 Kilometer vom Haus entfernen? Manche Länder kennen die Regel bereits – und auch noch strenger als das.
Nur noch 15 Kilometer vom Haus entfernen? Manche Länder kennen die Regel bereits – und auch noch strenger als das.
Bild: imago images / MiS

Nur einen Kilometer Bewegungsfreiheit – wie die Corona-Einschränkungen anderswo in Europa aussehen

08.01.2021, 11:08

Die beiden Polizisten versperren demonstrativ den Weg. Sie sind nicht unfreundlich, aber sie fragen die Joggerin dennoch bestimmt, was sie hier tue. Turnschuhe, Sportsachen und eben das Joggen an sich hätten ein Hinweis sein können. Was die beiden Pariser Ordnungshüter aber eigentlich sehen wollen, ist eine selbst ausgefüllte Bescheinigung. Denn weiter als einen Kilometer darf sich die Joggerin nicht von ihrer Wohnung entfernen.

Name, Adresse und Geburtsdatum stehen auf dem Formular. Auch die Uhrzeit, wann sie das Haus verlassen hat, und schließlich der Grund für dieses Verhalten. In diesem Fall hat die Joggerin angekreuzt: "Kurze Ausflüge, innerhalb einer Stunde täglich und in einem maximalen Radius von einem Kilometer um die Wohnung, die mit körperlicher Aktivität zusammenhängen ..."

Was Deutschland droht, kennt Frankreich schon

Was in Deutschland nun für Aufregung sorgt, ist in anderen Ländern in Europa teils schon seit Frühjahr eine Waffe im Kampf gegen Corona: Bewegungseinschränkungen. In Hotspots sollen sich die Menschen hierzulande nun ohne triftigen Grund nicht mehr als 15 Kilometer von ihrem Wohnort entfernen dürfen. In anderen Ländern waren diese Einschränkungen oft sogar noch viel strenger.

So galt bereits im Frühjahr in Frankreich: Wer spazieren gehen oder Sport machen will, darf dies eben nur eine Stunde pro Tag im Radius eines Kilometers. Parks oder Strände waren damals jedoch geschlossen. Jogger auf engen Pariser Fußwegen wurden schnell zu Hassobjekten. Besonders schwierig war die Situation aber für Menschen mit Kindern oder die Bewohner der grauen Vorstädte mit ihren Betonburgen.

Ausgangssperre: Am Triumphbogen in Paris kontrolliert die Polizei im Dezember Personen, ob sie regulär draußen unterwegs sind.
Ausgangssperre: Am Triumphbogen in Paris kontrolliert die Polizei im Dezember Personen, ob sie regulär draußen unterwegs sind.
Bild: ap / Francois Mori

Jeder Gang vor die Tür musste in Frankreich einen triftigen Grund haben – nachgewiesen durch ein ausgefülltes Formular. Wer sich nicht daran hielt, musste eine Geldstrafe zahlen. Ganz zu Beginn war "spazieren gehen" übrigens nichts als Grund gelistet – wehe dem, der in seinen Sportsachen zu langsam unterwegs war.

Schnell stapelte sich das Papier – später gab es dann zur Erleichterung vieler auch eine Handyversion. In Frankreich änderten sich die Regeln seitdem Frühjahr immer wieder. Im Herbst kam der ungeliebte Kilometer noch einmal zurück, zwischendurch galten auch Mal Beschränkungen auf 100 oder 20 Kilometer.

Die kleinen Marotten eines Bewegungsradius

Was anfangs noch besonders streng kontrolliert wurde, wurde später nur noch sporadisch überprüft. Aktuell gilt eine abendliche Ausgangssperre. Was die Bewegungseinschränkungen gebracht haben, lässt sich im Nachhinein schwer sagen. Fakt ist, dass die Corona-Lage sich gebessert hat. Gleichzeitig waren in Frankreich aber auch Geschäfte und im Frühjahr Schulen geschlossen.

Auch in Spanien sind Millionen Menschen in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Reisen zwischen den autonomen Gemeinschaften, die in etwa Bundesländern in Deutschland entsprechen, sind nur aus triftigem Grund erlaubt, wie etwa um zur Arbeit oder zum Arzt zu kommen. Touristische Ausflüge gehören definitiv nicht dazu. In Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona dürfen die Menschen bis zum 17. Januar nicht einmal ihre Heimatgemeinde verlassen, es sei denn aus wichtigem Grund.

Ein Besuch der zehnjährigen Sophie, die in der Nähe von Barcelona lebt, bei ihrer Freundin im Nachbarort ist deshalb nicht mehr erlaubt. Bleibt nur ein Videochat, aber der ist lange nicht so lustig, wie zusammen das elterliche Haus auf den Kopf zu stellen. "Langweilig, da kann man nur reden", ärgert sich das Mädchen. Auch so banale Dinge wie die Abholung einer über das Internet gekauften gebrauchten Waschmaschine im übernächsten Ort fällt ins Wasser.

Für einige Länder nicht die härteste Maßnahme

Großer Unmut in der Bevölkerung über die Einschränkungen ist dennoch nicht zu spüren. Die Menschen in Spanien haben während der ersten Corona-Welle im Frühjahr schon viel Schlimmeres durchgemacht. Wochenlang durfte man nur zu Einkäufen, zum Arzt oder zur Arbeit aus dem Haus, die Schulen waren geschlossen, Kindern war der Aufenthalt im Freien ganz verboten. Auch in Frankreich hielt sich der Ärger über die Einschränkungen in Grenzen. Das Land war von Anfang an hart von der Pandemie getroffen und zählt weit mehr als 65.000 Tote.

Die Griechen kann ein 15-Kilometer-Radius ebenfalls nicht schocken – schon längst gelten härtere Maßnahmen als in Deutschland. Dort ist es den Menschen während des Lockdowns verboten, ohne triftigen Grund die Region zu verlassen, in der sie wohnen. Wer zur Arbeit, zum Arzt, einkaufen oder joggen will, muss zudem eine entsprechende Nachricht an den Zivilschutz schicken, die oft auch von der Polizei kontrolliert wird.

Bewegungseinschränkungen gelten auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern wie Slowenien, Kroatien, Litauen oder Italien. Oftmals kann das Verwirrung stiften, Regeln ändern sich immer wieder – manchmal wirken die Kilometervorgaben willkürlich. Immer wieder gibt es auch Tricks, mit denen die Menschen die Verbote umgehen wollen. So wird sich in Litauen etwa in sozialen Netzwerken über die Kontrollposten der Polizei ausgetauscht. Und in Frankreich gab es den Tipp, doch einfach mehrere Formulare dabei zu haben – mit unterschiedlichen Adressen drauf.

(vdv/dpa)

Meinung

Schlechter Einstieg, schwaches Ende: Das Kanzler-Triell in der Kritik

Laut Umfragen schaffte es Armin Laschet beim TV-Dreikampf der Kanzlerkandidaten, vierter zu werden – nur 20 Prozent sehen ihn als den stärksten Kandidaten. 21 Prozent sahen keine Unterschiede zwischen den drei Bewerbern. Olaf Scholz geht demnach als Sieger hervor, gefolgt von Annalena Baerbock. Die wirklichen Verlierer aber sind – die Zuschauer.

Wer sich das TV-Triell der Öffentlich-Rechtlichen am Sonntagabend ansah, konnte am Ende leicht zu dem Gefühl kommen, anderthalb Stunden Lebenszeit …

Artikel lesen
Link zum Artikel