Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland und Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden.
Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland und Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden.
bild: imago images/unsplash/watson montage

Schweinefleischverzicht in Kitas – Juden und Muslime warnen vor Hetze

25.07.2019, 17:56

Zwei Kitas in Leipzig hatten angekündigt, fortan mit Rücksicht auf muslimische Kinder kein Schweinefleisch mehr auf den Speiseplan zu setzen und etwa auf Gelatine in Süßigkeiten bei Feiern zu verzichten. Nach einer massiven öffentlichen Debatte nahmen die Einrichtungen am Dienstag davon aber wieder Abstand.

Der Fall hat hohe Wellen geschlagen. Nun haben der Zentralrat der Juden und der Zentralrat der Muslime zur Mäßigung der Debatte gemahnt.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sagte:

"Das Letzte, was wir brauchen, ist Hetze gegen Minderheiten, nur weil in einer Einrichtung über den Speiseplan nachgedacht wird."
Josef Schuster
dpa

Grundsätzlich halte er es für positiv, dass mit höherer Sensibilität als früher darüber nachgedacht werde, religiöse Gepflogenheiten oder Bedürfnisse von Minderheiten zu berücksichtigen:

"Ich denke allerdings, dass ein Verbot von Schweinefleisch übers Ziel hinaus geschossen wäre."
dpa

Josef Schuster sprach überdies von einer "aufgeregten Debatte" und riet zu mehr Gelassenheit: "Es reicht meines Erachtens, wenn Kindern, die aus verschiedenen Gründen ein bestimmtes Essen nicht zu sich nehmen können, eine Alternative angeboten wird. Das gilt ja zum Beispiel auch für Allergiker. Jüdische Kinder, die sich koscher ernähren, wissen, dass sie normale Gummibärchen nicht essen können oder nicht mit ihren Freunden beim Fast-Food-Restaurant einkehren. Das gehört zu ihrem Alltag. Sie empfinden das aber nicht als Diskriminierung."

Der Zentralrat der Muslime thematisierte vor allem die dadurch ausgelöste Empörung:

Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland, erklärte:

"Erstaunlich welch angebliche Rücksichtnahmen erfolgen, obgleich sie nicht mal von Muslimen ausgehen."

Und weiter: "Die Empörungswelle ist um ein Vielfaches höher als bei den derzeitigen, schrecklichen täglichen Schändungen und Bombendrohungen gegen deutsche Moscheen von mutmaßlich Rechtsradikalen."

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(as)

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