Abschlussklasse in Thüringen empört mit rechtsextremen Parolen auf T-Shirts

05.06.2019, 21:40

Schüler einer Abschlussklasse im thüringischen Mihla haben mit ihren Abschluss-T-Shirts sowie einem Transparent für Empörung gesorgt. Auf beiden sind jeweils Parolen abgebildet, die der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind. Schulleiter, Eltern und Lehrer zeigen sich schockiert und betonen, nicht gewusst zu haben, welche Hintergründe die Sprüche haben.

Die Facebook-Seite "Antifaschistische Linke Eisenach" hatte am Sonntag auf den Fall im nahe gelegenen Mihla aufmerksam gemacht und entsprechende Fotos der Schulklasse gepostet. Im Kern geht es um zwei Sprüche, die auf den Bildern zu finden sind.

T-Shirts mit Spruch von bekannter Neonazi-Familie Ritter

Auf der Abschlussfeier trugen die Schülerinnen T-Shirts mit dem Spruch "Raus mit die Viecher". Dieser Spruch stammt von Karin Ritter aus Köthen. Ihre Familie mitsamt ihren ebenfalls rechtsextremen Söhnen wird seit 25 Jahren vom RTL-Magazin "Stern TV" begleitet und hat dadurch große Bekanntheit erlangt. "Raus mit die Viecher" hatte Ritter über Geflüchtete in Deutschland gesagt.

Transparent mit rechtsextremer Songzeile

Auf einem Gruppenfoto halten die Schüler der Klasse außerdem ein Transparent mit der Aufschrift "Trotz Verbot sind wir nicht tot". Dieser Spruch stammt aus einem Song der Neonazi-Band Kraftschlag. Laut den Betreibern der Facebook-Seite "Antifaschistische Linke Eisenach" soll die Band den Holocaust leugnen und gute Kontakte zum verbotenen Netzwerk "Blood & Honour" haben.

Wer steckt hinter den Parolen?

Die T-Shirts sollen laut "Thüringischer Landeszeitung" vom Klassensprecher Eric K. initiiert worden sein. Die "Antifaschistische Linke Eisenach" schreibt auf Facebook, dass Eric K. ein bekanntes Mitglied der rechten Gruppierung "Nationaler Aufbau Eisenach" sei.

Was wussten die Schüler wirklich? Das sagen Eltern, Schulleiter und Lehrer

Sowohl der Schulleiter Uwe Schwanz, als auch die Lehrer seien geschockt gewesen, als sie von den Botschaften hinter den Sprüchen hörten, berichtet die "Thüringische Landeszeitung". Wer sich nicht intensiv mit der Neonazi-Szene beschäftige, so sagt eine Mutter, könne gar keinen Bezug zu den Ursprüngen dieser Sprüche herstellen. "Kann man jungen Menschen Unkenntnis vorwerfen?", fragt sie.

Dem Bericht zufolge verbanden viele Schüler den "Verbot"-Slogan auf dem Banner mit dem Verbot eines traditionellen Schulstreichs durch die Abschlussklassen, das der Schulleiter zuvor ausgesprochen hatte. Doch wie viele Schüler wussten, was der Slogan tatsächlich bedeutet?

Ein Zehntklässler sagte:

"Das Plakat wurde von Schülern gemacht, die ganz klar rechtsextrem sind. Es wurde zwar mit dem Verbot gerechtfertigt, aber der Sinn dahinter ist klar ein anderer."
"Thüringische landeszeitung"

Andere Mitglieder der Schulfamilie zeigten laut Bericht Unverständnis darüber, warum niemand speziell aus den Reihen der Eltern oder Lehrer die Shirts oder das Banner hinterfragt habe.

Eine Stellungnahme der Schule sei in Arbeit, werde derzeit aber noch von einem Anwalt geprüft, sagte Schulleiter Schwanz zur "Thüringischen Landeszeitung".

(hau)

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