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"Merkel und die Flüchtlinge": Warum der Kanzlerin die ZDF-Doku wohl nicht gefällt

05.09.2019, 19:22

Am Mittwoch strahlte das ZDF das Doku-Drama "Stunden der Entscheidung: Angela Merkel und die Flüchtlinge" aus. Die Sendung behandelte die Ereignisse vom 4. September 2015 – jenem Tag, an dem Angela Merkel entschied, die deutschen Grenzen nicht zu schließen, sondern den in Ungarn festsitzenden Migranten zu helfen.

Das Dokudrama zeigte echte Filmaufnahmen von jenem Tag: Die Bundeskanzlerin nahm Außentermine in München, Essen und Köln wahr, hielt Reden, schüttelte Hände. Auch echte Bilder etwa vom Bahnhof in Budapest sind zu sehen. Diese realen Aufnahmen werden kombiniert mit nachgestellten, geschauspielerten Szenen.

So ist der Zuschauer mit dabei, als Merkel (gespielt von Heike Reichenwallner) mit ihrer Büroleiterin Beate Baumann über Victor Orban schimpft und mit ihr über die Situation der Flüchtlinge in Ungarn diskutiert. Auch die entscheidenden Telefonate zwischen Merkel und dem damaligen österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann werden nachgestellt, ebenso wie die Abläufe am Morgen im Bundeskanzleramt.

Angela Merkel soll wenig begeistert von ihrer Darstellung in der ZDF-Doku sein

Das ZDF erklärt dazu: "Das Dokudrama soll die Umstände der Entscheidung so authentisch wie möglich vor Augen führen." Doch nicht jeder findet, dass die Aufnahmen die Realität authentisch wiedergeben, wie Melanie Amann, Leiterin des "Spiegel"-Hauptstadtbüros, zuerst berichtete. Demnach sei Merkel wenig begeistert von der Darstellung in dem ZDF-Dokudrama gewesen.

In dem Drama verschwimme die Grenze zwischen Fiktion und Realität, heißt es aus ihrem Umfeld. Schon banale Details aus den vertraulichen Runden seien falsch dargestellt worden – etwa die Sitzordnung am Besprechungstisch im Kanzleramt, erfuhr Amann. Außerdem ließ sich Angela Merkel in dem Dokudrama von Büroleiterin Baumann Kaffee einschenken, wobei sie sich immer selbst einschenken würde.

Auch watson hörte sich in Berlin um. Und tatsächlich: Von Leuten, die im Kanzleramt ein- und ausgehen, heißt es, dass das ZDF-Dokudrama nicht als besonders authentisch empfunden wird. Alleine schon die Räumlichkeiten im Film sähen komplett anders aus als in der Bundeskanzlerinnen-Realität.

Noch schwerer jedoch wiegen andere Dinge, die von Menschen, die Merkel gut kennen, kritisiert werden. Sie betreffen die Darstellung von Merkel als Person und tragen dazu bei, dass sich der Zuschauer ein bestimmtes Bild ihres Charakters machen könnte, das womöglich gar nicht stimmt.

Wie ist Angela Merkel wirklich? Was im Film nicht stimmte:

  • Als Angela Merkel an jenem Morgen im Bundeskanzleramt ankommt, kommt ein Mitarbeiter auf sie zu und schildert ihr, dass sie heute ein eher ruhiger Tag erwarte. Er liest ihr ihren Terminplan vor. Es wirkt, als würde Merkel in dem Moment erfahren, dass sie heute in München, Köln und Essen Termine hat. Leute, die Merkel gut kennen, können darüber nur lachen: Die Bundeskanzlerin habe ihren Terminplan immer genau im Kopf, heißt es. Wenn man Merkel frage, ob sie etwa am Mittwoch nächster Woche um 15 Uhr Zeit habe, könne sie das aus dem Stegreif sagen.
  • Merkel habe außerdem in dem Film ruhig, nachdenklich, sogar träge gewirkt, heißt es. In dem Dokudrama komme nicht zum Tragen, dass die Kanzlerin schnell kombiniere und ihren Gesprächspartnern unmittelbar Einordnungen liefere oder gezielt Nachfragen stelle.
  • Und ja, auch das bestätigen Menschen, die häufig im Kanzleramt sind: Merkel schenkt Kaffee selbst ein. Nicht nur sich selbst, sondern auch etwa Journalisten, wenn sie zu Gast im Kanzleramt sind. Das muss nicht Büroleiterin Beate Baumann tun.

Wir haben das ZDF gefragt, was es zu der Kritik an dem Dokudrama sagt. Eine Antwort steht noch aus.

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