Angela Merkel (gespielt von Heike Reichenwallner) in der ZDF-Doku.
Angela Merkel (gespielt von Heike Reichenwallner) in der ZDF-Doku.
Bild: zdf

Ungarischer Botschafter beschwerte sich über ZDF-Merkel-Doku – nun antwortet der Sender

11.09.2019, 20:2011.09.2019, 23:26

Das Dokudrama "Stunden der Entscheidung – Angela Merkel und die Flüchtlinge" sorgt für Drama.

In einem offenen Brief hatte bereits kurz nach Ausstrahlung der ZDF-Sendung vorige Woche der ungarische Botschafter in Deutschland die Darstellung einiger Aspekte der Flüchtlingskrise 2015 kritisiert.

  • Ungarns Botschafter Peter Györkös bezeichnete den Film als "an Ehrverletzung grenzende Propaganda".
  • Das Doku-Drama nähre den "Mythos vom Budapester Ostbahnhof" – dass am 4. September 2015 hier am Bahnhof die Flüchtlingskrise begonnen habe.
  • "Der 4. September war einer von vielen Tagen in der seit Monaten andauernden Migrationskrise", heißt es in dem Brief von Györkös.

Nun antwortet der Intendant des ZDF, Thomas Bellut, den Vorwürfen in einem Brief. Das Schreiben liegt der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vor.

"Stunden der Entscheidung: Angela Merkel und die Flüchtlinge"
Die ZDF-Doku behandelte die Ereignisse vom 4. September 2015 – jenem Tag, an dem Angela Merkel entschied, die deutschen Grenzen nicht zu schließen, sondern ankommenden Migranten zu helfen.

Tausende Flüchtlinge waren zuvor im Bahnhof in Budapest festgesessen, machten sich schließlich auf nach Deutschland.

Das Dokudrama kombiniert dabei echte Aufnahmen von 2015 von Angela Merkel und dem Bahnhof in Budapest mit nachgestellten, geschauspielerten Szenen.

Das steht im Schreiben zur Merkel-Doku des ZDF:

  • Bellut bedaure, dass Györkös nicht die Aspekte der Films genau benennt, die angeblich "Objektivität und Tatsachen haben missen lassen".
  • Er sei davon überzeugt, "dass das Dokudrama auf der Basis gründlicher Recherchen, ausführlicher Gespräche und Hintergrundinformationen sowie persönlicher Berichte sehr profunde Einblicke in die Geschehnisse vom 4. September 2015 gibt".
  • Bellut antworte auch, dass zwei vermeintliche Fehlstellen, die Györkös andeutet, im Film gar nicht fehlen würden. Dabei geht es um die Einschätzung des Bundesinnenministeriums von Mitte August 2015 über steigende Flüchtlingszahlen sowie um einen Tweet des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) vom 25. August, dass die Dublin-Regeln für syrische Flüchtlinge faktisch nicht mehr angewandt worden seien.

Weiter heißt es in dem Schreiben laut "FAZ": Den Produzenten des Doku-Dramas sei es "trotz zahlreicher Anfragen bei staatlichen ungarischen Stellen bis hin zu Ministerpräsident Viktor Orbán selbst" nicht gelungen, zur Vorbereitung des Films einen Gesprächspartner aus Ungarn zu treffen.

Györkös hatte in seinem Brief angeboten, dem ZDF "bei Interesse an den Tatsachen oder dem ungarischen Standpunkt jederzeit bereitwillig zur Verfügung" zu stehen. Bellut will also sagen: Dafür wäre während der Vorbereitungen für die Doku auch Zeit gewesen, aus Ungarn sei aber keine Antwort gekommen.

(ll)

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