So reagiert Energiekonzern RWE auf das tödliche Unglück im Hambacher Forst

20.09.2018, 14:19

Nach dem tödlichen Sturz eines Journalisten im Hambacher Forst ist es am Donnerstag in dem Braunkohlerevier ruhig geblieben. "Seit Mittwochabend tut sich nichts", sagte ein Polizeisprecher.

  • Die Aachener Polizei sprach von einem tragischen Unglück. In der Nähe der Unglücksstelle habe es zum Zeitpunkt des Unglücks keine Polizeimaßnahmen gegeben, hieß es.
  • Am Tag nach dem Vorfall sicherten Beamte Gefahrenquellen das Areal. Die Räumung der Baumhäuser wurde bislang nicht nicht fortgesetzt. Einen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt es nach Angaben der Aachener Staatsanwaltschaft nicht.
  • Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reu appellierte im Radiosender WDR 2 am Donnerstagmorgen an die Waldbesetzer appelliert, die Baumhäuser freiwillig zu verlassen - "damit nichts passiert". Die Baumhäuser müssten geräumt werden, weil sie gefährlich seien.
  • Am Donnerstagvormittag  wurden mehr als eine halbe Million Unterschriften haben Umweltschützer zum Erhalt des Hambacher Forstes an die Landesregierung übergeben. Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) nahm die online von BUND, Campact und Greenpeace gesammelten Unterschriften vor dem Landtag entgegen. Das Unternehmen RWE bedauerte den Todesfall am Donnerstag in einer Pressemitteilung. Die Mitarbeiter des Tagebaus Hambach seien tief betroffen. 

Seit vergangenem Donnerstag wird der Wald zwischen Köln und Aachen mit einem Großaufgebot der Polizei geräumt – dagegen gibt es Widerstand von Klima- und Umweltschützern. Der Energiekonzern RWE will im Herbst weite Teile des Hambacher Forstes abholzen, um weiter Braunkohle abbauen zu können.

Seit Tagen stehen sich im Hambacher Forst Polizisten und Waldschützer gegenüber.
Seit Tagen stehen sich im Hambacher Forst Polizisten und Waldschützer gegenüber.Bild: Martin Meissner/AP

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hatte die Räumungsarbeiten am Mittwoch nach dem Tod des Journalisten zudem "bis auf weiteres" ausgesetzt. "Wir können jetzt nicht einfach so weitermachen", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) in Düsseldorf.

Der Todesfall im Hambacher Forst
Der Tote sei ein junger Journalist, der seit Längerem das Leben der Aktivisten in den Baumhäusern dokumentierte, sagte ein Polizeisprecher. Rettungs- und Polizeikräfte hätten Erste Hilfe geleistet, den Mann aber nicht mehr retten können. Zu dem tödlichen Sturz durch eine Hängebrücke war es nach Darstellung der Aktivisten vermutlich gekommen, weil der Journalist einen SEK-Einsatz in der Nähe beobachten wollte. Über die zwischen zwei Baumhäusern gespannte Brücke habe er anscheinend näher an den Einsatz herangehen wollen, schrieb die Initiative in ihrem Blog. Dabei sei er aus über 20 Metern Höhe abgestürzt. Die Polizei betonte jedoch: Zur Zeit des Unglücks "fanden keine polizeilichen Maßnahmen in der Nähe der Unglücksstelle und am genannten Baumhaus statt". 

In einem Pressestatement erklärte ein Polizeisprecher am Abend, wie es zu dem Unfall gekommen sei: Ein anderer Journalist habe
eine Speicherkarte mit dem später verunglückten Mann austauschen wollen. "Zu
diesem Zweck ist ein Kollege von mir mit dem Journalisten in Richtung Baumhaus
gegangen. Man verabredete gerade in dieser Höhe, wie ein Austausch dieser
SD-Karte erfolgen kann, als der junge Mann dann durch diese Bretter nach unten
stürzte." (Statement des Polizeisprechers hier im Video ab Minute 54)

Das Aktionsbündnis "Hambi bleibt" forderte einen sofortigen Stopp der Räumung. "Wir fordern die Polizei und RWE auf, den Wald sofort zu verlassen und diesen gefährlichen Einsatz zu stoppen. Es dürfen keine weiteren Menschenleben gefährdet werden", schrieb die Initiative am Mittwoch in ihrem Blog.

Der Tote sei "ein Freund, der uns seit längerer Zeit im Wald journalistisch begleitet", schrieb das Aktionsbündnis "Hambi bleibt". In dem Beitrag hieß es, zudem: 

"Wir empfehlen euch zum Schutz aller Aktivist*innen keine Aussagen, auch keine Zeugenaussagen bei der Polizei zu machen. Der Unfall muss und wird aufgearbeitet werden, aber die Polizei ist nicht der richtige Ort dafür. Ihr Interesse ist es, Aktivistis Schuld zuzuschieben."

Die Räumung des Hambacher Forsts

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Schon zuvor regte sich Widerstand, nicht nur von Seiten der Aktivisten. Das Hebebühnen-Unternehmen Gerken hatte erklärt, es werde seine Bühnen aus dem Hambacher Forst abziehen: 

Liebe Kunden und besorgte Mitbürger,
in den letzten Tagen haben wir viele E-Mails von Ihnen zum Einsatz im Hambacher Forst erhalten. Wir möchten hier noch einmal betonen, dass die Geräte von uns nur vermietet waren und wir von unserem Kunden (unser Kunde ist NICHT die Polizei) in keinster Weise im Vorfeld darüber informiert wurden, wofür er die Arbeitsbühnen einsetzen wird. Unser Kunde hat regelmäßig von uns Geräte im Einsatz und ist während der Mietzeit der Besitzer. Rein rechtlich haben wir daher keine Möglichkeit, die Geräte abzuziehen. Da auch wir mit der Vorgehensweise im Hambacher Forst absolut nicht einverstanden waren und sind und wir auch den Einsatz unserer Bühnen dort nicht weiter rechtfertigen können, haben wir heute beschlossen, dass wir unsere Geräte dort stilllegen. Wir machen das, obwohl wir es rein rechtlich nicht dürfen, und setzen uns damit hohen Regressansprüchen unseres Kunden aus. Aber wir halten den Einsatz in der Form für nicht weiter tragbar und haben uns daher zu diesem Schritt entschlossen.

(pb/sg/afp/dpa)

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