Ein Mann in Wuhan trägt Mundschutz aus Angst vor einer Infektion.
Ein Mann in Wuhan trägt Mundschutz aus Angst vor einer Infektion.
Bild: Getty Images AsiaPac

Coronavirus: Neue Zählweise in China sorgt für Verwirrung

14.02.2020, 09:04

Die Zahl der Coronavirus-Fälle steigt weiter. Und wie. Mittlerweile haben sich in China mehr als 60.000 Menschen nach offiziellen Angaben infiziert. Im Vergleich zu den Tagen zuvor versiebenfachte sich die Zahl gar.

  • Mehr als 15.100 Fälle kamen in Festland-China hinzu. Landesweit stieg die Zahl der Fälle damit auf insgesamt fast 60.000. Die Zahl der Todesfälle stieg auf mehr als 1300.
  • Generell vermuten Experten eine sehr hohe Dunkelziffer im Land, unter anderem, weil die Möglichkeiten für Labortests begrenzt sind.

Was steckt hinter dem Anstieg? Wird die Gefahr, die von dem neuartigen Coronavirus mit dem Namen Covid-19, größer?

Das sagen Experten:

Eine neue Zählweise hat die Zahl der Falle in die Höhe schießen lassen. Nach Auskunft der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beziehen sich mehr als 13.000 der am Donnerstag neu von China gemeldeten Fälle auf Patienten aus den vergangenen Wochen.

Bei ihnen sei das Virus zudem nicht mit Labortests nachgewiesen worden, sie hätten sich aber nach Überzeugung der Ärzte mit dem neuen Coronavirus infiziert, erläuterte der Nothilfedirektor der WHO, Michael Ryan in Genf. So seien bei ihnen Lungenentzündung, Fieber, Atemprobleme und andere typische Covid-19-Symptome festgestellt worden. "Diese Fälle gehen Wochen zurück, teils bis zum Anfang des Ausbruchs", betonte Ryan.

Nach Angaben von Ryan meldete China am Donnerstag somit 1820 neue vom Labor bestätigte Infektionen und 13.330 nur klinisch diagnostizierte Fälle, die zudem Wochen zurückgehen.

Die Diagnosen aufgrund von Symptomen wurden laut WHO nur in der stark betroffenen Provinz Hubei in die Statistik aufgenommen. Überall sonst werden nur Fälle gezählt, die durch Labortests bestätigt wurden. Die WHO begrüßte das. Das erlaube es, Betroffene in Hubei schneller zu isolieren und zu behandeln und Kontaktpersonen früher unter Beobachtung zu stellen.

So ist die Lage in Deutschland:

Der erste von 16 Coronavirus-Patienten in Deutschland ist aus einer bayerischen Klinik entlassen worden. Der Mann sei wieder vollständig gesund und nicht mehr ansteckend, teilte das bayerische Gesundheitsministerium am Donnerstag mit.

Nach der Entlassung des ersten Patienten werden in Bayern derzeit noch 13 Infizierte behandelt, die allesamt in Zusammenhang mit dem Autozulieferer Webasto stehen. Dort hatte eine chinesische Mitarbeiterin das Virus eingeschleppt. Zwei infizierte Wuhan-Rückkehrer sind zudem in der Frankfurter Uniklinik untergebracht, sagte ein Kliniksprecher am Donnerstag.

Die weiteren Folgen des Covid-19-Ausbruchs für Deutschland sind Experten zufolge schwer abzuschätzen. "Wir sind momentan nicht in der Lage, die Dynamik des Ausbruchs zu prognostizieren", sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, am Donnerstag in Berlin. Von einer Pandemie könne man noch nicht sprechen und es bestehe auch die Chance, dass es keine werde.

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité sagte, der Erreger Sars-CoV-2 vermehre sich wie das Grippevirus im Rachen, was es ansteckender mache als anfangs vermutet. Wichtig sei, dass sich jeder Wissen über die Erkrankung aneigne und sich zum Beispiel frage, wie man Menschen mit Grunderkrankungen in der Familie schützen könne.

Bislang gibt es keine Medikamente, die sich gezielt gegen das Virus richten. Allerdings können die Symptome von Patienten wie beispielsweise Atemprobleme bekämpft werden. Vereinzelt werden auch antivirale Medikamente getestet, etwa bei einem Patienten in Bayern.

(ll/dpa)

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