Massiver Beschuss im Gazastreifen – Israel trifft Zentrale des Hamas-Nachrichtendiensts

13.11.2018, 06:04

Die israelische Armee hat eigenen Angaben zufolge bei einem Raketenangriff die Zentrale des militärischen Nachrichtendiensts der im Gazastreifen herrschenden Palästinenserorganisation Hamas getroffen.

  • Dies sei eine Antwort auf die mehr als 300 Raketen, die vom Gazastreifen aus Richtung Israel geschossen worden seien, schrieben die israelischen Verteidigungskräfte am frühen Dienstagmorgen auf Twitter.
  • Israelische Kampfjets griffen als Reaktion darauf mehr als 70 militärische Ziele in dem Küstengebiet an, wie die Armee am Montag weiter mitteilte. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben mindestens drei Menschen getötet. Neun weitere Palästinenser seien verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza mit.
  • Die Zentrale sei der Ort, an dem die Geheimagenten Informationen sammelten, um Angriffe auf Israel zu starten. Sie sei absichtlich in der Nähe einer Schule eingerichtet worden.
  • Militante Palästinenser hatten seit dem Morgen Raketen und Mörsergranaten aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. Nach Angaben der israelischen Armee schlugen die meisten Geschosse in offenem Gelände ein, etwa 60 wurden vom Abwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen. Einige aber gingen in Städten wie Aschkelon, Sderot und Ofakim nieder.
  • Mehrere Gebäude gerieten in Brand. Die Leiche eines Mannes sei in der südisraelischen Stadt Ashkelon aus den Trümmern eines von einer Rakete zerstörten Hauses geborgen worden, teilten die israelischen Rettungsdienste mit. Es soll mehrere Verletzte gegeben haben.

 

Der UN-Nahostgesandte Nikolay Mladenov schrieb auf Twitter: "Die Eskalation in den vergangenen 24 Stunden ist extrem gefährlich und rücksichtslos." Die Vereinten Nationen arbeiteten eng unter anderem mit Ägypten zusammen, um die Lage zu beruhigen. Die EU rief beide Seiten auf, alles zu vermeiden, was zur Eskalation beitrage oder Zivilisten gefährde. "Alle gewalttätigen Handlungen müssen unverzüglich aufhören", sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini.

Der Generalsekretär der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Saeb Erekat, schrieb auf Twitter: "Der israelischen Regierung sollte bewusst sein, dass alle Angriffe auf das palästinensische Volk beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gemeldet werden."

Israel war zuvor unter Beschuss

Ein israelischer Bus wurde direkt von einem Geschoss getroffen und ging in Flammen auf:

Laut der Zeitung "Haaretz" wurde bei dem Angriff ein 19-jähriger Soldat schwer verletzt.
Laut der Zeitung "Haaretz" wurde bei dem Angriff ein 19-jähriger Soldat schwer verletzt.
Bild: AP

Die neuerliche Serie von Raketenangriffen folgt einen Tag nach einem blutigen Feuergefecht im Gazastreifen, bei dem am Vorabend sieben militante Palästinenser und ein israelischer Offizier getötet worden waren. Nach Angaben der in dem Küstenstreifen herrschenden Hamas starb bei dem Einsatz einer israelischen Spezialeinheit nahe Chan Junis auch der Hamas-Kommandeur Nur Baraka. Den Angaben zufolge verantwortete er den Bau von Tunneln, Raketenangriffe auf Israel sowie Angriffe auf israelische Soldaten.

Der jüngste Gewaltausbruch nährte die Sorge vor einer neuen größeren Eskalation zwischen Israel und der Hamas. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten teilte mit, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe angesichts der Sicherheitslage im Süden Israels seinen Besuch in Frankreich verkürzt.

Seit März sind bei teilweise gewaltsamen Protesten an Grenze des Gazastreifens zu Israel nach Angaben des Hamas-Gesundheitsministeriums mehr als 220 Palästinenser getötet worden. Die Demonstranten fordern eine Aufhebung der seit mehr als einem Jahrzehnt bestehenden Gaza-Blockade sowie eine Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge in Gebiete, die heute zu Israel gehören.

(aj/dru/dpa/afp)

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