Wieso kam es schon wieder zu einer tödlichen Attacke in den USA? In Pittsburgh sucht eine Frau Stunden nach der Attacke am Tatort in einem Gebetsbuch nach Antworten auf ihre Fragen.
Wieso kam es schon wieder zu einer tödlichen Attacke in den USA? In Pittsburgh sucht eine Frau Stunden nach der Attacke am Tatort in einem Gebetsbuch nach Antworten auf ihre Fragen.Bild: Pittsburgh Post-Gazette/ap

Antisemit erschießt 11 Menschen in Synagoge in den USA – Täter festgenommen

28.10.2018, 08:1828.10.2018, 15:32

Die Welt hat mit Bestürzung auf ein antisemitisches Hassverbrechen mit elf Toten in den USA reagiert. Staatsmänner und -frauen aus vielen Ländern der Welt verurteilten die Tat eines 46 Jahre alten Amerikaners scharf.

  • Er hatte am Samstag in der US-Stadt Pittsburgh während einer Beschneidungszeremonie in einer Synagoge elf Menschen erschossen und sechs weitere verletzt. Die Polizei überwältigte den Täter und nahm ihn fest.
  • Nach Angaben von US-Justizminister Jeff Sessions könnte ihm die Todesstrafe drohen. Die Bundesstaatsanwaltschaft erhob noch in der Nacht Anklage in insgesamt 29 Punkten gegen den Mann.
Einsatzkräfte am Tatort
Einsatzkräfte am TatortBild: Pittsburgh Post-Gazette/ap

Der Angreifer hatte während einer Zeremonie zur Namensgebung für ein Baby am Sabbat-Tag das Feuer eröffnet. Dabei soll er Medienberichten zufolge "Alle Juden müssen sterben!" gebrüllt haben. Nach Behördenangaben war er mit einem Sturmgewehr und mindestens drei Handgranaten bewaffnet. Nach einem Schusswechsel mit der Polizei wurde er festgenommen und in ein Krankenhaus eingeliefert.

Der Angriff in der Lebensbaum-Synagoge von Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania sei "wahrscheinlich" der tödlichste antisemitische Anschlag der US-Geschichte, teilte die auf Beobachtung und Bekämpfung des Antisemitismus spezialisierten US-Organisation Anti-Defamation League (ADL) mit.

US-Präsident Donald Trump verurteilte den Angriff auf die Synagoge scharf. Es dürfe "keine Toleranz für den Antisemitismus" oder andere Formen des Hasses auf Religionen geben, sagte Trump. "Diese bösartige antisemitische Attacke ist ein Angriff auf uns alle."

Bei dem mutmaßlichen Angreifer handelt es sich um den 46-jährigen Robert Bowers aus Pittsburgh.
 Bowers soll der Verfasser einer Serie von antisemitischen Botschaften sein, die vor allem in einem rechtsgerichteten Portal veröffentlichte wurden. In einem Eintrag, der von Bowers stammen soll und nur wenige Stunden vor dem Attentat gepostet wurde, wird die jüdische Flüchtlingshilfeorganisation Hias angegriffen: "Hias holt gerne Eindringlinge, die unsere Leute töten. Ich kann nicht sitzen bleiben und zusehen, wie meine Leute abgeschlachtet werden. Scheiß auf Eure Sichtweise, ich gehe rein."

Der Angriff auf die Synagoge wurde auch international scharf verurteilt. "Ich trauere um die Toten von Pittsburgh, die offenbar Opfer von blindem antisemitischem Hass wurden", ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Online-Dienst Twitter erklären. "Wir alle müssen uns dem Antisemitismus entschlossen entgegenstellen - überall." Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu äußerte sich erschüttert über die "schreckliche antisemitische Brutalität".

Zahlreiche Einsatzkräfte waren vor Ort.
Zahlreiche Einsatzkräfte waren vor Ort.Bild: Pittsburgh Post-Gazette/ap

Es handelt sich bereits um den zweiten offenbar politisch motivierten Gewaltakt, der die USA in der Schlussphase des Wahlkampfs für die Kongresswahlen am übernächsten Dienstag erschüttert. In den Vortagen waren 13 Briefbomben abgefangen worden, die an prominente Trump-Kritiker gerichtet waren, unter ihnen Ex-Päsident Barack Obama und die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton.

(sg/pb/afp/dpa)

Augenblicke – Bilder aus aller Welt

1 / 82
Augenblicke – Bilder aus aller Welt
quelle: imago stock&people / john palmer
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch interessieren:

Alle Storys anzeigen
Massaker in Texas: Mindestens 19 Kinder sterben – Diskussion um Waffenpolitik flammt auf

Eine Tat in den USA, die kaum zu fassen ist: Ein 18-Jähriger stürmt mit Gewehren bewaffnet in eine Grundschule in Texas und richtet ein Blutbad an. Mindestens 19 Kinder sterben. Neben Schock und Trauer steigt erneut die Wut über die laxen US-Waffengesetze auf.

Zur Story