HANDOUT - 16.01.2023, Italien, Palermo: Matteo Messina Denaro (r), der Chef der sizilianischen Cosa Nostra, sitzt nach seiner Festnahme in einem Fahrzeug der Polizei. Messina Denaro war drei Jahrzehnt ...
Nach der Festnahme: Es ist das erste offizielle Bild von Matteo Messina Denaro seit Anfang der 1990er Jahre.Bild: Comando Generale Carabinieri
International

Nach 30 Jahren auf der Flucht: Italien fasst meistgesuchten Mafioso

16.01.2023, 14:34

Für die schlimmsten Mafiaverbrechen in Italien soll er verantwortlich gewesen sein. Er ist der Boss der sizilianischen Cosa Nostra und er war der meistgesuchte Verbrecher Italiens: Nach drei Jahrzehnten auf der Flucht ist der Mafioso Matteo Messina Denaro verhaftet worden.

Spezialkräfte nahmen ihn in einer Privatklinik in Palermo fest, wie die Carabinieri am Montagmorgen mitteilten. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sprach von einem "großen Erfolg des Staates, der zeigt, sich nie der Mafia geschlagen zu geben". Ihr Innenminister Matteo Piantedosi nannte die Verhaftung "historisch".

30 Jahre auf der Flucht: Er galt als letzter noch flüchtiger Top-Mafioso

Der heute 60-jährige Messina Denaro war seit 1993 auf der Flucht. Er soll Dutzende Morde begangen oder organisiert haben. Darunter waren die tödlichen Bombenanschläge auf die Mafia-Jäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino im Jahr 1992. Diese hatten Italien geschockt und zu einer neuen Offensive gegen die organisierte Kriminalität geführt.

Bildnummer: 53942720 Datum: 23.05.2005 Copyright: imago/Granata Images
- MESSINA 23/05/05 Gedenken an die Richter GIOVANNI FALCONE und PAOLO BORSELLINO. Im Bild: Fiat der Eskorte, die Giovanni Falcone ...
Gedenken an Giovanni Falcone und Paolo Borsellino: Fiat der Eskorte, die Giovanni Falcone am Tag seines Todes begleitete.Bild: stock&people / imago images

Messina Denaro galt als Vertrauter und dann Nachfolger der ehemaligen Cosa-Nostra-Bosse Salvatore "Totò" Riina und Bernardo Provenzano. Riina wurde als Boss der Bosse in Sizilien bezeichnet, er war äußerst brutal und skrupellos. Er wurde am 15. Januar 2013 verhaftet, also fast auf den Tag genau 30 Jahre vor Messina Denaro. Riina und Provenzano starben 2017 beziehungsweise 2016 im Gefängnis. Messina Denaro galt als letzter noch flüchtiger Top-Mafioso aus jener Zeit.

Jahrzehntelang wurde intensiv nach dem Mafioso gesucht

In den vergangenen Jahrzehnten suchten diverse Anti-Mafia-Agenten der Carabinieri und der Polizei nach dem Mann. Bei unzähligen Razzien auf Sizilien aber wurde er immer wieder verpasst. Auf Anordnung der Staatsanwälte Maurizio de Lucia und Paolo Guido erfolgte dann der Zugriff in der Privatklinik "La Maddalena" in Palermo.

Dort hielt sich Messina Denaro auf, "um sich behandeln zu lassen", wie Pasquale Angelosanto, der Chef des Spezialkommandos der Carabinieri, sagte. Er soll einen Tumor gehabt haben, berichtete die Zeitung "Corriere della Sera". Der Festgenommene wurde zunächst in eine Militärkaserne gebracht und sollte aus Palermo weggeflogen werden, um ihn in ein Hochsicherheitsgefängnis zu bringen.

Erste Aufnahmen von der Festnahme – Menschen in Palermo jubelten

Am Vormittag kursierten im Internet Handyvideos, die die Festnahme des Kriminellen oder die Momente danach zeigen sollen. Auf ihnen ist zu sehen, wie Menschen in Palermo applaudierten. Auf einem ersten von den Carabinieri verbreiteten Foto aus einem Auto ist Messina Denaro neben zwei Polizisten zu sehen. Er trägt eine helle Mütze und eine Sonnenbrille. Es ist das erste offizielle Bild des Mannes seit Anfang der 1990er Jahre.

Bei der Fahndung hatten die Ordnungskräfte bislang nur Phantomzeichnungen oder Bilder zur Verfügung, bei denen Computer errechneten, wie der gealterte Mann heute aussehen dürfte.

Das von der Polizei veröffentlichte Phantombild (2011) zeigt Matteo Messina Denaro. Das Bild wurde gealtert.
Das von der Polizei veröffentlichte Phantombild (2011) zeigt Matteo Messina Denaro. Das Bild wurde gealtert.Bild: ANSA/epa / Police

Politiker aller Parteien reagierten mit Erleichterung und Lob auf die Festnahme von Messina Denaro. Staatspräsident Sergio Mattarella – dessen Bruder Piersanti als Regionalpräsident von Sizilien 1980 von der Mafia umgebracht worden war – telefonierte mit dem Innenminister und dem Carabinieri-Kommandanten, um diese zu beglückwünschen.

Oppositionsführer Enrico Letta von den Sozialdemokraten twitterte: "Am Ende verliert die Mafia immer. Das ist die zentrale Botschaft dieses historischen 16. Januar." Der frühere Ministerpräsident Matteo Renzi sprach von einem "Festtag für das ganze Land".

(ast/mit Material von dpa/AFP)

Ukraine: Marco Buschmann mit deutlichen Worten zu Leoparden – "Kriegspartei werden wir dadurch nicht"

Nach einem ersten Vorstoß Polens hat auch Finnland die vorsichtige Bereitschaft angedeutet, der Ukraine Leopard-2-Panzer zu überlassen. Damit wächst der Druck auf Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die Ampel-Regierung, auf die monatelangen Forderungen und Bitten Kiews nach schweren Waffen einzugehen.

Zur Story