Für den, von ihm angepriesenen Impstoff "Sputnik V", ist Wladimir Putin zu alt.
Für den, von ihm angepriesenen Impstoff "Sputnik V", ist Wladimir Putin zu alt.Bild: imago images / Russian Look

Zu alt für "Sputnik V": Putin will sich später impfen lassen – und äußert sich zu Nawalny

17.12.2020, 14:29

Der russische Präsident Wladimir Putin will sich mit dem von eigenen Forschern entwickelten Impfstoff impfen lassen, sobald das für seine Altersgruppe möglich ist. "Ich bin ein gesetzestreuer Mensch. Ich halte mich an die Empfehlungen. Für solche wie mich gibt es bisher keinen Impfstoff. Ich mache das, sobald es möglich ist", sagte der 68-Jährige am Donnerstag bei seiner großen Jahrespressekonferenz.

"Sputnik V" nicht für Menschen über 60 Jahren geeignet

Das international vermarktete Mittel "Sputnik V" ist nach Aussagen Putins "effektiv und ungefährlich". Nach Angaben der russischen Gesundheitsbehörden ist es allerdings nicht für Menschen über 60 Jahre geeignet. Ein Impfstoff für ältere Menschen solle aber bald verfügbar sein, hieß es. In Russland läuft seit gut einer Woche landesweit die Massenimpfung gegen das Coronavirus.

Russland ist nach Putins Worten bisher besser durch die Corona-Pandemie gekommen als andere Länder. "Das Gesundheitswesen hat adäquat reagiert", sagte er. "Wir können mit Überzeugung sagen, dass wir die Probleme würdig gemeistert haben."

Kein neuer Lockdown in Russland

Im flächenmäßig größten Land der Erde gibt es trotz hoher Infektions- und Todeszahlen keinen neuen Lockdown. Russland hatte nach offiziellen Angaben am Donnerstag 28.200 neue Corona-Infektionen. Die Anzahl der Toten stieg um 587 auf nun 49.151.

Wegen der Corona-Pandemie ging Putins mehrstündige Fragerunde mit Vertretern internationaler und nationaler Medien erstmals nur im Videoformat über die Bühne. Wegen der epidemiologischen Situation wurde Putin aus seiner Vorstadtresidenz in Nowo-Ogarjowo zugeschaltet. Der Staatschef nimmt seit Monaten wegen der Pandemie nur äußerst selten Termine außerhalb der Residenz wahr.

Putin äußerte sich auf der Pressekonferenz auch zu Nawalny

Putin sieht außerdem keinen Grund für eine Vergiftung seines Gegners Alexej Nawalny. "Wer ist er schon? Wenn das jemand gewollt hätte, dann hätte er das auch zu Ende geführt", sagte der Kremlchef. Putin reagierte damit auf Vorwürfe Nawalnys, ein "Killerkommando" des Inlandsgeheimdienstes FSB habe ihn vergiften sollen. Russlands prominentester Regierungskritiker hatte Putin für den Mordanschlag verantwortlich gemacht.

Der Oppositionelle hatte mehrere mutmaßliche FSB-Agenten namentlich und mit Foto in einem Video beschuldigt, sie hätten auf ihn im August einen Anschlag mit einem Nervengift der Nowitschok-Gruppe verübt. Der chemische Kampfstoff ist international verboten.

Es handele sich hierbei um Material amerikanischer Geheimdienste, sagte der frühere FSB-Chef Putin. Er behauptete, US-Geheimdienste hätten Nawalny geholfen, die Behauptungen gegen russische Agenten aufzustellen. Der Kremlgegner hatte dagegen erklärt, die telefonischen Verbindungsdaten und Reiselisten von FSB-Mitarbeitern stammten von in Russland auf dem Schwarzmarkt käuflichen Dateien.

Putin meinte nun, wenn Nawalny Zugriff auf solche Datensätze habe, dann sei das interessant. "Dann müssen ihn die Geheimdienste natürlich beobachten. Aber das heißt überhaupt nicht, dass man ihn vergiften muss", sagte er. Nawalny war im August während eines Inlandsflugs in Russland zusammengebrochen. Nach einer Notlandung in der sibirischen Stadt Omsk wurde er auf Drängen seiner Familie in die Berliner Charité verlegt. Der 44-Jährige will nach einer Reha-Maßnahme in Deutschland wieder nach Russland zurückkehren. Putin sagte auch mit Blick auf jüngste Berichte zu seinem Privatleben und zu seiner Familie, dass dies gezielte Aktionen der US-Geheimdienste seien. "Es ist nicht möglich, das zu lesen", sagte er.

(vdv/dpa)

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