Kohleminen sehen nicht nur wenig erbaulich aus – was sie zutage fördern, ist auch eindeutig nicht geeignet, den Klimawandel zu stoppen.
Kohleminen sehen nicht nur wenig erbaulich aus – was sie zutage fördern, ist auch eindeutig nicht geeignet, den Klimawandel zu stoppen.Bild: iStockphoto

Fridays for Future: Siemens soll Beteiligung an australischer Kohlemine beenden

07.01.2020, 15:5607.01.2020, 16:10

Die Klimaschutzbewegung Fridays for Future fordert Siemens auf, einen Auftrag des indischen Adani-Konzerns für eine Kohlemine in Australien abzulehnen.

  • Der Münchner Konzern plane, "die Signalanlage für die Gleise zum Abtransport nach Indien bereitzustellen", schrieben Luisa Neubauer und Nick Heubeck von Fridays vor Future in einem Gastbeitrag in der "Welt" am Dienstag.
  • Ohne intakte Gleise lasse sich die Kohle aber schlecht transportieren.
  • Die Bewegung plant am Freitag vor Siemens-Büros "im ganzen Land Streiks", kündigten Neubauer und Heubeck an.
"Auf der Suche nach 'Sanity', nach Vernunft, fordern wir Siemens und den Vorsitzenden Joe Kaeser auf, den Auftrag in Höhe von etwa 20 Millionen Euro abzulehnen."

Kleiner Schritt für Siemens, großes Zeichen

Dies wäre "ein kleiner Schritt für den Konzern, aber ein großes Zeichen für Australien und den Rest der Welt, der heute und morgen die Klimakrise zu spüren bekommt".

Neubauer und Heubeck betonten, dass Siemens "öffentlich keine Gelegenheit auslässt, sich zu seiner unternehmerischen Verantwortung zu bekennen" und bis 2030 klimaneutral sein will:

"Während noch immer Menschen vor den Flammen fliehen, sind es eben genau solche Unternehmen, die zeigen müssen, was verantwortungsvolles Handeln bedeutet."

Umstrittenes Projekt

Das Milliardenprojekt des indischen Industriekonzerns Adani wird von Umweltschützern seit Jahren heftig bekämpft. Es soll eines der größten Kohlebergwerke der Welt werden und aus fünf Untertageminen sowie sechs Tagebaustätten jährlich bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle fördern.

Schon letzten Dezember hatte Siemens nach Protesten angekündigt, die geplante Lieferung einer Zugsignalanlage für die Kohlemine in Australien zu überprüfen. "Ich werde mir die Sache sorgfältig ansehen und mich bald zurückmelden", schrieb Siemens-Chef Joe Kaeser auf Twitter. Ein Sprecher erklärte später, der Konzernchef habe damit insbesondere auf die Kommunikation in den sozialen Medien reagiert.

Kaeser bedankte sich dafür, dass sich die Menschen wegen des Adani-Projekts an ihn gewandt hätten. Es sei ihm nicht bewusst gewesen und er nehme die Sorgen ernst. Allerdings schränkte Kaeser auch ein: "Die Sicht und Entscheidung von Siemens kann sich ändern oder auch nicht", doch die Menschen verdienten eine Antwort.

Siemens machte bisher keine Angaben zum Volumen des Auftrags. Im Umfeld des Konzerns geht man aber davon aus, dass es sich um eine vergleichsweise überschaubare Größenordnung handelt.

In Australien wüten seit Oktober 2018 verheerende Buschbrände. Dabei kamen 25 Menschen in den Flammen ums Leben. Experten machen den Klimawandel für das extreme Ausmaß der Brände verantwortlich – an dem wiederum der CO2-Ausstoß durch Kohleverbrennung einen nicht unerheblichen Anteil haben soll.

(om/afp/dpa)

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