Paul Ziemiak (CDU) und Lars Klingbeil (SPD) sind als Generalsekretäre die Strategen des Wahlkampfs ihrer Parteien.
Paul Ziemiak (CDU) und Lars Klingbeil (SPD) sind als Generalsekretäre die Strategen des Wahlkampfs ihrer Parteien.
Bild: screenshot zdf

CDU-Generalsekretär Ziemiak gibt bei "Markus Lanz" zu: "Es gab auch Fehler"

16.09.2021, 13:19
Alina Lackerbauer
Alina Lackerbauer
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Sie sind die Strippenzieher im Hintergrund, entscheiden über die Wahlkampfstrategie ihrer Parteien und wenn dem Kanzlerkandidaten der jeweils anderen ein Fauxpas unterläuft, sind sie die Ersten, die sich auf Twitter dazu äußern. In der Sendung von Markus Lanz waren am Donnerstagabend Paul Ziemiak, Generalsekretär der CDU, und Lars Klingbeil, Generalsekretär der SPD, zum "Gipfeltreffen der Generalsekretäre" zu Gast. Die beiden kennen sich, duzen sich, Freundschaft sei in der Politik aber schwierig. Deswegen konnten sie sich bei Lanz umso besser gegenseitig kritisieren, unterbrechen, und attackieren – doch gelacht haben sie auch am Ende der Sendung noch.

Moderator Markus Lanz mit den beiden Generalsekretären Paul Ziemiak (CDU) und Lars Klingbeil (SPD).
Moderator Markus Lanz mit den beiden Generalsekretären Paul Ziemiak (CDU) und Lars Klingbeil (SPD).
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"Wir haben einen engen Draht", sagt Klingbeil über Ziemiak. Man kenne sich schon lange, Klingbeil ist seit 2017 Generalsekretär seiner Partei, Ziemiak wurde es ein Jahr später. "Gerade mache ich mir aber etwas Sorgen um ihn," legt Klingbeil mit der Stichelei los. Ziemiak lacht nur – das habe er sich doch alles schon vorher zurechtgelegt.

Klingbeil wirft Ziemiak vor, eine Rolle zu spielen

Was bereitet Klingbeil denn die Sorgen? Und schon geht es um den ersten Tweet von vielen in der Sendung: Ziemiak hat behauptet, dass die Politik der SPD die EU zu einer "Schuldenunion" machen würde. Ein deutscher Steuerzahler würde dann für einen rumänischen Arbeitslosen zahlen, sagte er dann in einem Interview. Klingbeil findet, dass Ziemiak mit solchen Aussagen anti-europäische Ressentiments schüre.

Doch er habe ihn durchschaut – das sei alles nur "eine Rolle, das ist nicht er. Paul ist ein Europäer". Er empfinde "tiefstes Mitleid", dass die Union es jetzt nötig habe, mit Aussagen "gegen andere Länder" punkten zu wollen. Ziemiak kann das überhaupt nicht verstehen und schüttelt nur den Kopf. "Ich bin überzeugter Europäer", stellt er dann klar. Doch für die Schulden anderer Länder sollte man nicht haften, eine Lastenverteilung angesichts der Pandemie dürfe nur vorübergehend der Fall sein. Die SPD dagegen wolle den Wiederaufbaufond verstetigen.

"Es gab auch Fehler", gibt Ziemiak zu

Elf Tage vor der Bundestagswahl scheint es wohl doch wieder zum alten Duell zukommen: CDU gegen SPD. "Sie haben sich lange am falschen Hebel abgearbeitet", sagt Lanz zu Ziemiak. Es entscheide sich zwischen Laschet und Scholz, merkt auch Klingbeil später an. Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock sei raus. Die Grünen waren lange die Hauptmitbewerber, sagt Ziemiak, doch dann folgte ein Fehler dem anderen. "Es gab auch Fehler auf unserer Seite", gibt Ziemiak zu.

Paul Ziemiak (CDU) gesteht eigene Fehler seiner Partei ein.
Paul Ziemiak (CDU) gesteht eigene Fehler seiner Partei ein.
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Der Parteitag war spät, die Kanzlerkandidatur kam spät, es gab viele Diskussionen innerhalb der Partei, die dann nach außen gedrungen sind. Dann kam auch noch die Flutkatastrophe und Kanzlerkandidat Armin Laschet habe sich mehr darauf konzentriert als auf den Wahlkampf, sagt der Generalsekretär. Das allseits diskutierte Foto, das dabei entstanden ist, spricht Ziemiak nicht an.

Kostet der Lacher Laschet die Kanzlerschaft?

Das übernimmt Lanz und zeigt das Bild, das Laschet lachend während der Ansprache von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier wenige Tage nach dem Hochwasser im betroffenen Erftstadt zeigt. "Kostet Sie das die Kanzlerschaft?" will Lanz wissen. "Ich habe mir das gedacht, was vermutlich alle gedacht haben," gibt Ziemiak offen zu.

"So ein Moment darf nicht passieren."
Paul Ziemiak (CDU)

Dann schaltet er sofort wieder in den Verteidigungsmodus: Er wisse, wie sehr die Flutkatastrophe Laschet emotional mitgenommen habe. Dass die Berichterstattung auf diesen Moment verkürzt wurde, sei "nicht ausreichend". Und wie reagierte Klingbeil auf das Foto? "Ich dachte mir, das kann nicht sein", sagt er.

"Das ist das Bild, das Armin Laschet bis heute prägt."
Lars Klingbeil (SPD)

Dann geht es wieder um Twitter: Ziemiak spielt darauf an, dass Klingbeil sich wenige Minuten nach der Veröffentlichung des Fotos darauf gestürzt und es weiterverbreitet hätte. Ein anderer SPD-Politiker machte dasselbe, als ein Videoausschnitt Laschet für einige Sekunden ohne Maske in einem Geschäft zeigte. Auf Twitter äußern sich eben alle – Ziemiak übrigens auch nicht gerade selten. "Ich habe in den letzten Tagen auch dafür gesorgt, dass so manches gelöscht wurde", redet sich Wahlkampf-Stratege Klingbeil heraus.

"Billige Schenkelklopfer und populistisch"

Ziemiak und Klingbeil zeigen bei Lanz: Der Wahltag rückt immer näher, der Wahlkampf wird deswegen umso angriffslustiger, schräger und persönlicher. Zuletzt hatte Laschet gesagt, dass die SPD bei allen Entscheidungen der Nachkriegszeit "immer auf der falschen Seite" stand. "In der Wirtschafts- und Finanzpolitik", fügte er nach einer kurzen Pause an. Klingbeil kreidet der Union an, solche Kommentare seien "billige Schenkelklopfer und populistisch." Man könne stolz auf die Leistung der gemeinsamen Legislaturperiode sein, man habe das Land durch eine schwere Zeit geführt. "Angela Merkel steht immer noch ganz vorne, auch wenn sich viele von euch nicht mehr zu ihr bekennen – sie hat das gut gemacht", so Klingbeil.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil lobt dennoch Kanzlerin Merkel und die Zusammenarbeit mit der Union.
SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil lobt dennoch Kanzlerin Merkel und die Zusammenarbeit mit der Union.
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Lässt sich SPD-Mann Scholz deswegen mit der Raute ablichten, hakt Lanz nach. Die SPD habe einfach gesehen, dass die CDU-Politik gut ankomme, lautet Ziemiaks sanfte Erklärung. Dann wird er offensiver: Die Raute sei "politische Erbschleicherei" und sogar "der klassische Enkeltrick", legt er nach. Klingbeil lacht, Lanz noch lauter. Dabei dürfe Scholz angesichts seiner Rolle in diversen Finanzskandalen kein Kanzler werden, findet Ziemiak.

Union neidisch auf SPD-Zusammenhalt?

Lanz merkt an, dass es doch interessant sei, dass die Union dennoch all die Jahre so gut mit Scholz zusammengearbeitet habe. Auch dafür hat Ziemiak eine Erklärung parat: "Angela Merkel hat doch aufgepasst." Klingbeil lacht daraufhin nicht nur, sondern schießt direkt hinterher: "Wo Merkel ihr Kreuz macht in der Wahlkabine, darauf würde ich nicht wetten." Und alle lachen wieder.

Scholz sei jetzt das Aushängeschild der Partei, die Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans seien kaum noch zu sehen, sowohl Anne Will also auch Lanz sagten sie kurzfristig ab, wundert sich Ziemiak. Sein Angriff auf Esken sei frauenfeindlich, wirft Klingbeil dem CDU-Politiker dann vor. Der schlussfolgert: Das ist die linke Ecke, in die die SPD abdriftet. Klingbeil winkt ab. Grundsätzlich sei doch die Union einfach nur auf die Solidarität innerhalb der SPD neidisch. Über Hans Georg Maaßen habe man übrigens gar nicht gesprochen, wirft Klingbeil zum Schluss noch mit Blick auf Ziemiak ein.

"Die haben jedes Mal Schiss, wenn Markus Söder in eine Talkshow geht, oder wenn sich Markus Blume äußert, und Friedrich Merz setzt dann noch einen oben drauf."
Lars Klingbeil (SPD)

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