Stellte diese Woche das neue AfD-Klimaprogramm vor: Karsten Hilse – hier, wie wir uns ihn vorstellen.
Stellte diese Woche das neue AfD-Klimaprogramm vor: Karsten Hilse – hier, wie wir uns ihn vorstellen.
Bild: iStockphoto Jens Jeske/getty images/ watson montage
Analyse

Nein, AfD-Klima-Leugner: Es geht hier nicht "nur" ums Wetter

28.07.2019, 11:32

Karsten Hilse hat sich eine heiße Woche ausgesucht, um das Dresdner "Klima-Programm" der AfD zu präsentieren. Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag stellte der umweltpolitische Sprecher der rechtsextremen Partei fest: In Sachen Erderwärmung könne man doch eigentlich gar nichts machen. "Wir gehen nicht davon aus, dass der Mensch mit seinen CO2-Emissionen das Klima maßgeblich beeinflusst", wiederholte Hilse ein altes Mantra seiner Partei. Und: "Wir wehren uns gegen die sogenannten Klimaschutzmaßnahmen."

So sieht er also aus, der neue Klima-Plan der AfD: Die "Alternativen" glauben, die Welt bräuchte gar keinen.

Kurze Zeit später postet der 54-Jährige Hilse dann auf seiner Facebook-Seite noch das Foto einer "Bild"-Zeitung aus dem Jahr 1975: "40 Grad Hitze" steht dick darauf. Für Hilse offenbar ein weiterer Beweis dafür, dass die aktuelle Hitzewelle eigentlich nur eine von vielen Wetter-Lagen ist, die es so schon immer gab.

Viele werden diesen einfachen Argumenten wohl glauben. Aber es ist eben nicht nur eine heiße Woche, die sich Hilse da für seine Präsentation ausgesucht hat. Es ist auch eine Woche voller neuer Fakten und Expertenstimmen, die die AfD-Position zum Klima einmal mehr widerlegen.

Der Klimawandel kommt nicht vom Menschen?

Klimaleugner benutzen dieses Argument immer wieder: Auch in der Vergangenheit habe es doch kalte und warme Phasen gegeben, heißt es dann etwa mit Verweis auf die Kleine Eiszeit, die mittelalterliche Warmzeit oder eben aktuell auf das Jahr 1975.

Nur: Gegen dieses "Argument" haben Wissenschaftler aus Bern erst am Mittwoch ziemlich klare Fakten gestellt.

  • Außerhalb des jüngsten rapiden Temperaturanstiegs geschahen solche Warm- oder Kaltzeiten in den vergangenen zwei Jahrtausenden nie auf der ganzen Welt gleichzeitig, schreiben die Wissenschaftler in einem viel beachteten Artikel im Fachmagazin "Nature".

Die Forscher haben dabei, abgesehen von der jüngsten Klimaerwärmung, seit 150 Jahren keine Beweise für kalte oder warme Phasen gefunden, die um den ganzen Globus herum gleichzeitig stattfanden. Jetzt ist das anders, und die Wissenschaftler erklären sich das unisono mit dem menschlichen Einfluss auf das Klima.

Die Vergleiche mit einzeln auftauchenden Wärme-Phasen durch Hilse und Co. sind also vor allem eins: unzulässige Vereinfachungen.

Wetter statt Klima?

Einzelne Wetter-Phänomene, wie etwa große Hitze, hätten nichts mit der Erderwärmung zu tun, sagen Klimaleugner wie Hilse, sondern hätten schon immer stattgefunden. Wie gesagt: 1975.

Angesichts von Waldbränden sogar in den nördlichsten Gebieten der Welt widersprechen aktuell allerdings zahlreiche Wissenschaftler.

Diese immer heftiger auftretenden Feuer hingen durchaus mit dem Klima der Erderwärmung zusammen. "Bei wärmeren Bedingungen können Feuer leichter anwachsen und auch länger andauern, wenn sie einmal entfacht sind", sagte Wissenschaftler Mark Parrington vom EU finanzierten Copernicus Atmosphere Monitoring Service zu Spiegel Online.

Die Mehrheit der Forschung ist sich weiterhin einig: Die Erderwärmung führe dazu, dass extreme Wetterereignisse viel häufiger auftauchten als früher: Von Hitzewellen, über Stürme und Überschwemmungen. "Wir gehen davon aus, dass bestimmte Wetterextreme schon in den nächsten 40 Jahren fünf- bis zehnmal häufiger auftreten werden, wenn es nicht gelingt, die Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu halten", sagte etwa Klimaforscher Thomas Stocker der Zeitschrift "Geo".

Weltweit waren die vergangenen fünf Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen.

Auch der neue Bericht des Weltklimarates, den der Südwestrundfunk (SWR) am Donnerstag in Auszügen veröffentlicht hat, zeigt:

  • Die Durchschnittstemperatur weltweit hat in den vergangenen gut 140 Jahren um 1,41 Grad Celsius zugenommen.
  • Vor allem die Landmassen hätten sich seit 1880 erwärmt, so die rund 60 Wissenschaftler aus rund 30 Ländern.

"Natürlich gab es das in der Erdgeschichte schon sehr häufig. Allerdings ist die Geschwindigkeit und Wucht in den letzten 100, 150 Jahren so hart, dass man es nicht mehr anders erklären kann", sagte der Klimaforscher Janus Schipper vom Karlsruher Institut für Technologie zum SWR.

Fazit: Warum die AfD das Klima wirklich zum Gegner macht

Es geht der rechten Partei vermutlich kaum um die echte Überzeugung, dass es da kein Problem mit der Erderwärmung gibt. Sie nutzt das Thema schlicht aus, um ihre Erzählung des "verbietenden" und "bevormundenen" Staats Aufrecht zu erhalten und auszubauen.

Das kommt vor allem bei Wählerinnen und Wählern gut an, die sich von Berlin in sozialen Fragen im Stich und in Fragen der öffentlichen Ordnung gegängelt fühlen. Hilse und Co. passt die moderne Klimapolitik als grün-liberales Feindbild da wunderbar in den Wahlkampf.

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