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Analyse

Armin Laschet verrennt sich mit Klima-Aussagen – obwohl er einen Punkt hat

27.05.2019, 08:3627.05.2019, 10:05

Es gibt einen einfachen Weg zu verstehen, warum viele in der CDU ihre Wahlniederlage offenbar nicht verstehen. Spät am Abend saß der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU), bei Anne Will im Fernsehen, um das historisch schlechte Ergebnis der Christdemokraten zu diskutieren.

Die Häme gegen Laschet ließ bei Anne Will nicht lange auf sich warten

Diese Worte zum "plötzlichen Klimathema" scheinen zu jenen Aufreger-Zitate zu gehören, die heutzutage sofort wütende Reaktionen auslösen. Und tatsächlich: Sogar die streikenden Schülerinnen und Schüler von Fridaysforfuture meldeten sich sofort mit dieser bissigen Mahnung an Laschet zu Wort:

Wo die Kritik an Armin Laschet unberechtigt ist

Nun könnte man als CDU-Unterstützer einwenden: Ungerecht. Denn es stimmt ja: Es ist noch gar nicht lange her, da sahen die Wahlergebnisse der Grünen noch anders aus.

Es ist auch noch nicht lange her, da gab es noch keine Klimaproteste und die öffentliche Agenda wurde von anderen Themen bestimmt. Beispiele: Asyldebatte, Armut, Terrorismus. Und im Grunde sagt Laschet nichts anderes: "Das Thema Klima gibt es schon seit 20 Jahren und noch vor zwei Jahren hat es der Wähler gar nicht so wichtig genommen. indem er die Grünen zur kleinsten Fraktion im Bundestag machte".

Hätte der Landesherr an dieser Stelle seine Ausführungen beendet, er hätte eine halbwegs kluge Beobachtung gemacht. Hat Laschet aber nicht.

Wo die Kritik berechtig ist

  • Dann führt Laschet nämlich aus, dass das Klima-Thema aus "irgendeinem Grund" und vermutlich wegen Greta Thunberg auf einmal hochgeploppt sei.
  • Zu seiner politischen Konkurrentin Annalena Baerbock gerichtet fügt er hinzu: "Sie wollen doch nicht sagen, dass wir mit dem was wir machen, am nächsten heißen Sommer irgend etwas verändern können".
  • Laschet führt fort, dass Deutschland ja nur zu zwei Prozent mit seinem Klimaschutz etwas bewegen könne. Andere Themen wie der Krieg im nahen Osten seien auch wichtig.

Was Laschet an der Wahlniederlage nicht versteht

Natürlich gibt es auch andere Krisen, die der Aufmerksamkeit bedürfen. Dass Laschet aber offenbar glaubt, das jungen Wählerinnen und Wählern erklären zu müssen, ist Teil des Problems. Natürlich ist nicht alles falsch, was er sagt: Aber er und seine CDU sind eben längst verdächtig geworden. Nicht nur die SPD, auch die CDU ist als Marke in der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren stark beschädigt worden.

Noch scheint der CDU-Mann Laschet das aber nicht zu sehen. Er scheint all die Youtuber, Schülerinnen- und Studentenproteste als singuläre Ereignisse zu betrachten – als Trend also, der einer breit aufgestellten Politik ein Thema überstülpen will – und der in der Öffentlichkeit bald wieder vorbeigeht.

Das aber ist eben nicht der Fall. Auf all diesen Protesten ging es schon immer um mehr als nur das Klima. Es ging um eine gefühlte Passivität der Großen Koalition bei wichtigen Themen, die junge Leute angehen. Diese nun im Fernsehen erneut herunterszuspielen, zeugt nicht davon, dass diese Sorgen in Zukunft ernst genommen werden.

Wenn Laschet dann auch besagte Passivität auch noch argumentativ weiterführt, dann verbessert er die Lage nicht gerade für die CDU. Dann macht er im Gegenteil deutig: Er hat diese Lage noch immer nicht verstanden.

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Meinung

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Laut Umfragen schaffte es Armin Laschet beim TV-Dreikampf der Kanzlerkandidaten, vierter zu werden – nur 20 Prozent sehen ihn als den stärksten Kandidaten. 21 Prozent sahen keine Unterschiede zwischen den drei Bewerbern. Olaf Scholz geht demnach als Sieger hervor, gefolgt von Annalena Baerbock. Die wirklichen Verlierer aber sind – die Zuschauer.

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