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Analyse

Gab es einen Rezo-Effekt? Diese brisanten Zahlen lassen aufhorchen

27.05.2019, 10:2627.05.2019, 13:28

Wahlsieger. Das ist die Union an diesem Wahlabend streng genommen. Aber so recht freuen können sich CDU und CSU nicht. Laut den Hochrechnungen hat die Union sieben Prozentpunkte im Vergleich zu 2014 eingebüßt.

"Ja, auch wir haben bei dieser Wahlkampagne Fehler gemacht, auch das muss gesagt werden", räumte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer nach Verkündung der ersten Ergebnisse ein.

Der Fehler der Union hat einen Namen: Die Partei hat das Thema Umweltschutz verschlafen. Und bekam kurz vor der Wahl in einem Youtube-Video ordentlich auf den Deckel.

In 55 Minuten rechnete Rezo, der Youtuber mit den blauen Haaren, mit der Union ab. "Die Zerstörung der CDU" titelte er. Die Zerstörung trat am Wahlabend ein.

Gab es einen Rezo-Effekt bei den Europawahlen? Noch gibt es dazu keine Zahlen. Aber es gibt jede Menge Umfragewerte, die zeigen, wie sehr Rezo einer ganzen verärgerten Generation aus der Seele gesprochen haben muss.

Erstes Beispiel:

Die Grünen gelten bei den Wählern mit Abstand als die Partei, die am ehesten eine "gute Klima- und Umweltpolitik" betreiben könne:

Bild: ard

Zweites Beispiel:

Umweltschutz war DAS Thema bei den Europawahlen:

Bild: tagesschau

Und das Thema dahinter, soziale Sicherheit, war ebenfalls ein Punkt, den Rezo in seinem Video ansprach.

Daraus folgt:

Bei den Erstwählern sind die Grünen bei Weitem die stärkste Partei:

Bild: weltspiegel

Es ist dieser letzte Wert, der für die Union ein Schlag ins Gesicht sein muss

Denn ihre Ergebnisse bei Erstwählern dienten der Partei als Verteidigung gegen die wütenden Attacken von Youtuber Rezo.

Bei der Bundestagswahl lagen CDU und CSU bei den Erstwählern immer noch vorne. Auch wenn die Wähler der Partei insgesamt immer älter wurden.

Bild: tagesschau

"So schlecht ist die Politik nicht, wenn ausgerechnet diese seit Jahrzehnten die allermeisten Stimmen bekommt – auch von Erstwählern", schrieb Diana Kinnert, Unternehmerin und CDU-Mitglied, als Antwort auf Rezo.

Kinnert ist eines der jungen Aushängeschilder der CDU in den sozialen Medien. Aber auch sie wird nun einsehen müssen: Die Union hat die jungen Wähler offenbar zu lange wie ungezogene Kinder behandelt. Und nun die Quittung dafür erhalten.

Gibt es einen "Rezo-Effekt"?

Die Niederlage der Union nur einem "Rezo-Effekt" zuzuschreiben, wäre wohl zu viel der Ehre für den jungen Youtuber. Rezo ist nur ein Symptom für die vielen Fehler der CDU in den vergangenen Jahren, Monaten, Wochen. "Fridays for Future" sind ein weiteres.

Ob die Upload-Filter oder der verzögerte Kohleausstieg: Die Union hat die Interessen vieler junger Wähler so lange ignoriert, bis gehässige Hashtags wie #niemehrCDU trendeten. Die Union dachte wohl schlicht, sie könnte sich das erlauben. Immerhin wird Deutschland immer älter.

Doch nach der Europawahl werden sie sich im Konrad-Adenauer-Haus unweigerlich die Frage stellen, ob das nicht ein schwerer strategischer Fehler war. Die Grünen waren nicht nur bei den Jungen erfolgreich, sie wurden sogar bei allen Wählern unter 60 Jahren mit 25 Prozent deutlich vor der Union stärkste Kraft, wie der "Tagesspiegel" berichtet.

Die Klimafrage hat die Europawahl in Deutschland entschieden. Das steht fest. Waren es die Rezo-Fans, die die Wahl bestimmten?

Noch steht aus, ob wirklich die jungen Wähler für die massiv gesteigerte Wahlbeteiligung (von unter 48 auf über 60 Prozent) verantwortlich sind. Aber schon jetzt lässt sich sagen: Die jungen Menschen sind mitverantwortlich für einen politischen Umbruch in Deutschland.

Rezo war ihr Sprachrohr. Und "Die Zerstörung der CDU" ihr Manifest.

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