Eine der ersten Frauen in Saudi-Arabien mit Fahrerlaubnis. Sie fährt ihre Mutter zur Arbeit in Riad.
Eine der ersten Frauen in Saudi-Arabien mit Fahrerlaubnis. Sie fährt ihre Mutter zur Arbeit in Riad.Bild: reuters

Ab heute dürfen Frauen in Saudi-Arabien endlich ans Steuer

24.06.2018, 09:0424.06.2018, 11:15

Der von Frauen in Saudi-Arabien lang ersehnte Tag ist da: Um Mitternacht endete am Sonntag das jahrzehntelange Fahrverbot für Frauen. "Es ist ein historischer Moment für jede saudiarabische Frau", sagte die Fernsehmoderatorin Sabika al-Dosari und setze sich wenige Minuten nach dem Ende des Fahrverbots in der östlichen Stadt Al-Chobar ans Steuer. Im Laufe des Tages dürften tausende Frauen ihrem Beispiel folgen.

"Die Tage des stundenlangen Wartens auf einen Fahrer sind vorbei. Wir brauchen nicht länger einen Mann."
Hatun bin Dachil (21), Pharmaziestudentin 

In den vergangenen Wochen wurden in dem konservativen Königreich die ersten Führerscheine für Frauen seit Jahrzehnten ausgestellt. Viele Frauen tauschten nach einem Praxistest ihre ausländischen Führerscheine in saudiarabische Papiere um. 

Saudi-Arabien war das einzige Land der Welt, in dem Frauen nicht selbst fahren durften, was weltweit seit langem auf Kritik und Unverständnis stieß. 

Die Aufhebung des Verbots ist Teil der Reformen, mit denen der mächtige Kronprinz Mohammed bin Salman den Ölstaat liberalisieren und modernisieren will. Die Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers schätzt, dass bis 2020 rund drei Millionen Frauen einen Führerschein erhalten können. Neben Autos dürfen Frauen künftig Motorräder, Lieferwagen und Lastwagen fahren.

In anderen Bereichen unterliegen Frauen jedoch weiter strengen Restriktionen. So benötigen sie vor Reisen oder einem Studium bestimmter Berufe die Zustimmung ihrer Männer, Väter oder anderer männlicher Verwandter. In der Öffentlichkeit müssen sie ihren Körper vollständig verhüllen.

Noch kurz vor der Aufhebung des Fahrverbots wurden Frauenrechtsaktivistinnen festgenommen, die gegen das Fahrverbot gekämpft hatten. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach von einem "unerbittlichen Vorgehen gegen die Frauenrechtsbewegung."

(pbl/afp)

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