Bereits 2019 sorgte Youtuber Rezo mit seinem Video "Die Zerstörung der CDU" bundesweit für Diskussionen.
Bereits 2019 sorgte Youtuber Rezo mit seinem Video "Die Zerstörung der CDU" bundesweit für Diskussionen.
Bild: dpa / Henning Kaiser
Analyse

Rezo-Video zur Klimakatastrophe: Das sagen die Parteien zu "Zerstörung Teil 2"

08.09.2021, 11:0808.09.2021, 11:17

"Ja. Es ist wieder Zeit für so ein Video", konstatiert Rezo mit ernster Miene in die Kamera. Am Samstag meldete sich der Youtuber so erneut zum Top-Thema im politischen Diskurs zu Wort – er veröffentlichte den zweiten Part einer auf drei Teile angelegten Videoreihe, in der er das Fehlverhalten großer Parteien kritisiert. Im neuen Clip geht es um die Klimakatastrophe und "hochrangige Politiker und Politikerinnen, die wissenschaftsfeindliche und verschwörungsideologische Statements verbreiten". Watson hat Jugendorganisationen der kritisierten Parteien gefragt, wie sie das Video bewerten.

Klimawandelleugner "auf demselben Level wie andere Aluhutträger"

Seit seinem Video "Die Zerstörung der CDU" im Mai 2019 zählt Rezo zu einer politisch relevanten Stimme bei der jungen Wählergruppe. Der damals veröffentlichte Clip, in dem er die Union massiv angriff, hat bis heute über 19 Millionen Aufrufe erzielt. Die neuen Clips könnten ähnlich erfolgreich werden. Innerhalb von zwei Tagen haben sich zwei Millionen Menschen Rezos neuestes Video angesehen und mehr als 30.000 Kommentare hinterlassen.

"Wenn du Kinder hast, wenn du Enkel hast, dann willst du sie auch schützen. Natürlich willst du das. Aber das hilft alles nichts, solange du dafür wärst, dass man ja so weitermachen könnte."
Youtuber Rezo in seinem neuen Video "Zerstörung Teil 2: Klima-Katastrophe"

Kurze Videofrequenzen, schnelle Schnitte und emotionsgeladene Bilder: Das Video "Zerstörung Teil 2: Klima-Katastrophe" folgt einem ähnlichen Muster wie die Vorgänger. Alle Aussagen und Kritikpunkte untermauert Rezo mithilfe der Quellenverweise, die im unteren linken Teil des Bildschirms an entsprechender Stelle aufblinken. Die Recherchearbeit hat er mit einem Team aus Journalisten gestemmt, deren Ergebnisse auf Daten des Bundesumweltamts und deutscher Medienberichte basieren.

Neben dem Versagen der Parteien insgesamt kommentiert Rezo auch das Verhalten einzelner Politiker und Politikerinnen, die ihm in der Debatte um die Klimakatastrophe besonders unangenehm aufgefallen sind. So bezeichnete die FDP-Politikerin Nicola Beer laut Rezo die Tatsache, dass es mehr Extremwetterereignisse geben würde, als "Fake News". "Strong FDP, strong," kommentiert Rezo diese Aussage der Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments.

Lobbyarbeit und "das große Lutschen"

Fokus seiner Kritik ist unter anderem die Verstrickung hochrangiger CDU-Politiker mit dem Energiekonzern RWE. Als "Sugar Daddy" bezeichnet der Youtuber den Energiegroßkonzern wegen der vielen CDU-Politiker auf der Gehaltsliste.

Weiter richtet sich Rezos Wut auf Politiker, die aufgrund von Korruptionsskandalen aus ihren Parteien austreten mussten und den Brühler CDU-Landtagsabgeordneten Gregor Golland, der bis zu 120.000 Euro im Halbjahr für seine Nebentätigkeit bei RWE bekommt und das folgendermaßen rechtfertigte: "So bewahre ich mir Bodenhaftung und Bürgernähe. Ich arbeite einfach mehr als der Normalverdiener." Als stellvertretender Fraktionsvorsitzender war Golland erst neulich mit Armin Laschet im VorgängervIdeo "Zerstörung: Teil 1" über Politikversagen im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe zu sehen, als er mit dem Kanzlerkandidaten locker scherzte, während Bundespräsident Steinmeier der Opfer gedachte. Also kein beliebiger "Rando", kommentierte Rezo.

Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) muss sich Kritik anhören. Rezo spricht über das Zurückhalten eines Gutachtens, das die Zerstörung von fünf Dörfern zugunsten eines Kohlekraftwerkes als nicht notwendig eingestuft hatte. Die Dörfer wurden trotzdem dem Erdboden gleich gemacht und erst anschließend wurde das Dokument veröffentlicht. "Die Bevölkerung sollte es nicht sehen", wirft der gebürtige Wuppertaler mit den blauen Haaren der Bundesregierung vor.

So antworten die Parteien auf die Vorwürfe

Auf Nachfrage äußert sich Jens Teutrine, der Bundesvorsitzende der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale gegenüber watson folgendermaßen: "Auch wenn es einige nicht wahrhaben wollen, hat die FDP mit dem CO2-Limit das härteste Klimaschutzkonzept aller Parteien – das hat letzte Woche sogar Quarks vom WDR festgestellt." Der Klimawandel sei eine riesige Herausforderung unserer Zeit. Die Jungen Liberalen sagen, sie wollten nicht auf Verzicht und Verbote setzen, denn "auf diesem Weg wird uns die Welt nicht folgen und den Klimawandel können wir nur global bekämpfen. Deshalb müssen wir nicht Vorreiter in Askese, sondern bei Innovation und Forschung sein."

"Den Klimawandel können wir nur global bekämpfen."
Jens Teutrine, Bundesvorsitzender der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale, gegenüber watson

Der Bundesvorsitzende erklärt auch, wie die FDP die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens erreichen will: ein strenges CO2-Limit für alle Sektoren, das von Jahr zu Jahr verbindlich weiter sinkt, sowie die Deckelung des CO2-Ausstoßes. "Wie die dann festgeschriebenen Einsparziele am besten erreicht werden, soll aber nicht der Staat zentral planen, sondern sollen die Bürger und Unternehmen über den Emissionshandel bestimmen", so Teutrine gegenüber watson. "Klimaschutz ist das Ziel. Innovation der Weg. Darum setzen wir auf eine starke Wirtschaft und neueste Technik."

Auch die Jugendorganisation der SPD haben wir um ein Statement dazu gebeten: Die Bundesvorsitzende der Jusos, Jessica Rosenthal, sagt gegenüber watson:

"Unser Ziel ist, die sozial-ökologische Transformation umzusetzen, also die Industrie in klimaneutrale, innovative Unternehmen umzubauen. Für dieses Ziel liegt noch einiges an Weg vor uns. Man kann Rezo also die berechtigte Kritik nicht absprechen: Auch wir setzen uns dafür ein, dass der Kampf gegen die Klimakrise endlich richtig vorankommt."

Man wolle den "Bremsklotz der CDU/CSU endlich loswerden, der immer wieder verhindert hat, klare und wirksame Maßnahmen für den Klimaschutz umzusetzen", so Rosenthal. Als Beispiel nennt sie sowohl den Ausbau von erneuerbaren Energien, als auch die soziale Frage, wer die Kosten für den Klimaschutz trägt. Rosenthal gibt der CDU/CSU die Schuld daran, dass die SPD, wie Rezo es im Video sagt, nicht genug für den Klimaschutz tut: "Die Union hat zudem weitergehende Maßnahmen der SPD für das Klimaschutzgesetz, die bereits vor dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts auf dem Tisch lagen, abgeräumt. Wir dagegen stehen ganz klar für progressive und soziale Klimapolitik und das tut auch die SPD, wenn sie hoffentlich bald Teil einer progressiven Regierung sein wird."

"Damit ist das Wahlprogramm der Grünen eine gute Anleitung, um die angesprochenen Probleme von Rezo endlich in den Griff zu bekommen."
Anna Peters, Bundesprecherin der Grünen Jugend, gegenüber watson

Anna Peters ist Bundesprecherin der Grünen Jugend. Sie entgegnet auf Anfrage von watson auf die Vorwürfe in Rezos Video: "Um die Klimakrise auch nur annähernd in den Griff zu bekommen, ist uns klar: Wir müssen raus aus der Kohle bis spätestens 2030 und es dürfen keine neuen Verbrenner ab 2030 zugelassen werden."

"Das alles reicht aber allein nicht aus, um auf 1,5 Grad zu kommen und auch wir müssen unserer Partei oftmals in Prozessen etwas mehr hin zu radikalen Klimaschutz pushen", so Anna Peters gegenüber watson. So setze sich die Grüne Jugend innerhalb der Partei beispielsweise für ein CO2-Budget oder die Klimaverträglichkeitsprüfungen für weitere Autobahnen ein: "Damit ist das Wahlprogramm der Grünen eine gute Anleitung, um die angesprochenen Probleme von Rezo endlich in den Griff zu bekommen."

Die Junge Union gab kein Statement zu den Rezo-Vorwürfen ab und begründete dies mit Zeitmangel.

So begegnet Rezo Kritikern

Kritikern, die Deutschlands globale Rolle als Verursacher von Treibhausgasen als unerheblich einstufen, nimmt Rezo den Wind aus den Segeln. Er argumentiert in seinem Video: "Von dem gesamten CO2, das die Menschheit bisher in die Luft geballert hat, ist China für so 13 Prozent verantwortlich und Deutschland für so 5,5 Prozent. [...] Im Verhältnis zur Bevölkerung – und nur das macht Sinn – sind wir viel mehr für die Klimakrise verantwortlich als es China ist."

"Das Große Scheitern" beim Einhalten des Pariser Abkommens schiebt der Youtuber den Parteien CDU, AfD und FDP zu. Auch über Klimapaket von Union und SPD macht er sich lustig. "Was von der Wissenschaft als wirkungslos und zu wenig bezeichnet wurde, hätte er [Olaf Scholz] am liebsten noch abgeschwächt."

Am Ende betrifft es alle

In einem emotionalen Schlussappell wendet sich Rezo am Ende seines Videos nicht an die Verantwortlichen in der Politik, sondern an die Generation der über 50-Jährigen: "Wenn du Kinder hast, wenn du Enkel hast, dann willst du sie auch schützen. Natürlich willst du das. Aber das hilft alles nichts, solange du dafür wärst, dass man ja so weitermachen könnte und es wird irgendwie klappen. Nee, wird es nicht. Ihr habt die Zukunft der jungen Leute in der Hand und ohne euch können wir das nicht schaffen"

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