Für Klimaschutz demonstrieren vor allem junge Menschen seit Jahren, hier 2017 in Bonn. Jetzt will ein Briefgenerator sie dazu bringen, auch die ältere Generation zu überzeugen. Der Absender ist unklar.
Für Klimaschutz demonstrieren vor allem junge Menschen seit Jahren, hier 2017 in Bonn. Jetzt will ein Briefgenerator sie dazu bringen, auch die ältere Generation zu überzeugen. Der Absender ist unklar.
Bild: dpa / Roland Weihrauch
Analyse

„Lass uns bald mal wieder telefonieren! Hab euch lieb“: Enkelkinderbriefe – Klimaschutz-Aktion mit unklarem Absender

18.09.2021, 10:2018.09.2021, 12:20

Nach etwa zwei Stunden trudelt der „Enkelbrief“ per Mail ein. Zu lesen ist eine emotionale Aufforderung, gerichtet an die eigenen Großeltern, sich bei der Bundestagswahl doch bitte für eine klimafreundliche Partei zu entscheiden. Auf dem Spiel stehe immerhin die Zukunft der jungen Generation. „Lass uns bald mal wieder telefonieren! Hab euch lieb“, schließt der Schrieb. Wie rührend.

Weniger rührend ist die Tatsache, dass nicht so recht klar ist, von wem der Text stammt. Denn die Idee hinter der Aktion „Enkelkinderbriefe“ ist folgende: Auf einer Website sollen Kinder und Jugendliche sich durch vorgefertigte Textbausteine klicken, die nur in Details variieren. Interessiert man sich eher für Extremwetter? Waldsterben? Das Klima weltweit?

Fast 10.000 Briefe sind laut Website schon bestellt worden

Am Ende muss man seine Email-Adresse angeben – wer die dann bekommt und sammelt, ist unklar – und erhält nach einiger Zeit das Ergebnis. Dieses sollen, so die Empfehlung, die Empfänger dann per Hand abschreiben und auf den Weg schicken. In einem Video werben mehrere Prominente wie Jan Delay und Anette Frier für die Teilnahme. Fast 10.000 Briefe seien schon generiert worden, heißt es auf der Website.

Prominente werben für die Briefe-Aktion
Prominente werben für die Briefe-Aktion
bild: martin niewendick

Wer hinter den „Enkelkinderbriefen“ steckt, wird nicht so recht deutlich. Klickt man auf „Über uns“, wird man auf eine zweite Website umgeleitet, die des „Enkelkinderkollektivs“. Im Impressum befindet sich der Name Matthias Meier und eine allgemeine Email-Adresse. Eine entsprechende Watson-Anfrage blieb auch nach über 24 Stunden unbeantwortet. Im Impressum der Haupt-Website „Enkelkinderbriefe“ findet sich noch ein zweiter Name: Steffen Kellner. Auch zu ihm gibt es keine weiteren Informationen.

Ein anderer Kellner, diesmal der Bundesgeschäftsführer der Grünen, spricht auf Twitter von einer „tollen Aktion“ – sein Büro versichert auf Anfrage, die Namensgleichheit sei reiner Zufall.

Und die Pressestelle schiebt nach: „enkelkinderbriefe.de“ sei eine politisch unabhängige Aktion. Diese rufe nicht zur Wahl einer bestimmten Partei auf. Dennoch ist die Freude auch bei anderen Grünen groß. Renate Künast twittert „Danke für die coole Aktion.“

Ihr Kollege Cem Özdemir schließt sich an: „Ich will unseren Kinder keinen kaputten Planeten hinterlassen. Denn das sind Schulden, die sie nie zurückzahlen können. Sollten ihnen mehr Gehör schenken!“

Fridays For Future taucht als Partnerorganisation auf

Auf Seiten der Kritiker sprechen manche von einer emotionalen Erpressung der Großeltern, von einer Instrumentalisierung der Kinder und von DDR-Methoden. Die gleichen Leute, die kürzlich noch das umstrittene satirische Lied „Meine Oma ist ne alte Umweltsau“ mitgesungen hätten oder der älteren Bevölkerung gleich das Wahlrecht entziehen wollten, „betteln jetzt über #Enkelkinderbriefe diese um ihre Stimme an“, schreibt zum Beispiel Gert Wöllmann von der FDP Hamburg.

Wie sehr die Grünen am Ende von der Aktion profitieren, wird sich zeigen. Als Partnerorganisation der Enkelkinderbriefe ist unter anderem Fridays For Future aufgeführt. Die Initiatorin Greta Thunberg, die sich für den letzten Klimastreik vor der Bundestagswahl in Berlin angekündigt hat, sagte dem „Tagesspiegel“ am Freitag: „Wir sind keine Lobbyisten für die Grünen.“

Warum einer Kopftuchträgerin der Zutritt zum Wahllokal verweigert wurde

Einen rassistischen oder islamfeindlichen Hintergrund könne man "keinesfalls bestätigen“, teilte eine Sprecherin der Stadt Bergheim am Dienstag mit. Einen Tag zuvor wurde bekannt, dass eine Frau mit Kopftuch dort offenbar von einer Wahlhelferin abgewiesen wurde. Die Mitarbeiterin habe sich auf ein vermeintliches Verhüllungsverbot berufen, das bei Wahlen gelte. Die Stadtverwaltung spricht von einem "peinlichen Vorfall" der lückenlos aufgeklärt werde.

Auf Instagram teilt die Betroffene ihr Sicht …

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