Deutscher Bundestag 201. Sitzung Aktuell, 16.12.2020, Berlin, Angela Merkel die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland gut gelaunt und schmundelnd im Portrait auf der Regierungsbank bei der De ...
Ernste Themen, gute Laune: Angela Merkel am Mittwoch im Bundestag.Bild: imago images / Political-Moments
Deutschland

Nach Merkels Impf-Kommentar zu AfD-Abgeordnetem: Gelächter im Bundestag

17.12.2020, 13:02

Angela Merkel hat sich am ersten Tag des harten Lockdowns und kurz vor dem mutmaßlichen Beginn der Impfungen in Deutschland den Fragen der Abgeordneten im Bundestag gestellt. Der Schwerpunkt lag auf ernsten Themen – trotzdem wurde auch gelacht.

Der AfD-Abgeordnete Uwe Witt hatte Fragen zur Vorgehensweise bei den Impfungen: "Sie beabsichtigen, um eine Immunisierung der Bevölkerung zu erreichen, alle Einwohner unseres Vaterlandes zu impfen", behauptete er einleitend. Er sprach zudem von "genmanipulierten Impfstoffen". Gemeint war die Art mRNA-Impfstoffe, die auch Biontech/Pfizer herstellt und die als erster Impfstoff in der EU zugelassen werden könnte. Seine Kritik: Dass man trotz der Impfung damit noch Masken werde tragen müssen.

"Plant die Bundesregierung, unsere Bürger ausreichend über die unterschiedlichen Wirkungsarten der Impfstoffe zu informieren?", fragt Witt die Kanzlerin, die hörbar seufzt, bevor sie antwortet. "Wir werden natürlich jede Transparenz herstellen", sagt sie, "zumal die Hersteller ja schon bei der Zulassung verpflichtet sind, vielerlei Angaben zu machen."

Befragte die Kanzlerin: Uwe Witt von der AfD (hier ein Bild vom November).
Befragte die Kanzlerin: Uwe Witt von der AfD (hier ein Bild vom November).Bild: imago images / Christian Spicker

Kurz und knapp fasst Merkel dann noch einmal den Stand der Impfungen zusammen – welche Sorte Impfstoff wie wirkt, und welche der sechs von der EU gebuchten Impfstoffe am weitesten im Zulassungsprozess sind. "Über das Wesen dieser Impfstoffe kann sich jeder Bürger informieren, die Bundesregierung stellt die Informationen bereit", sagte sie dann. Wie die Impfstoffe verteilt würden, hänge aber auch davon ab, für wen die Zulassungsbehörden sie jeweils empfehlen.

Warum Geimpfte vorerst weiter Masken tragen sollen

Die Kanzlerin erklärt zudem, warum Geimpfte vorerst weiterhin Masken tragen sollen: "Weil man weiß, dass Geimpfte die Krankheit nicht oder nur leicht bekommen, aber nicht, ob das Virus vielleicht trotzdem noch weitergegeben wird. Das muss weiter erforscht werden." Sie wiederholte, dass die Regierung eine Herdenimmunität anstrebe, die eines Tages weltweit vorhanden sein müsse, um die Pandemie endgültig zu besiegen. "Da sagen uns die Wissenschaftler, dass das 65 bis 70 Prozent sein müssen, die geimpft sind", erklärte Merkel.

Witt bekommt Gelegenheit zur Nachfrage: "Haben unsere Bürger die Wahl, den Impfstoff selbst auszusuchen, haben sie die Wahl, keinen 'genmanipulierten Impfstoff' zu bekommen?"

Eine gewisse Süffisanz

Jetzt antwortet Merkel mit gewisser Süffisanz: "Ich erahne aus Ihrer Frage, dass sie kein besonderer Freund des Impfens sein könnten" – Gelächter im Bundestag, dazu Applaus. Die Kanzlerin beruhigt den Fragesteller dann: "Wenn Sie ansonsten alle Impfstoffe akzeptieren, nur nicht die mRNA-Impstoffe, dann kommt sicherlich auch für Sie die Zeit, wo Sie den Impfstoff auswählen können, da bin ich sicher."

Sie fügt hinzu, als Replik darauf, dass der Abgeordnete Witt erneut die fortgesetzte Maskenpflicht moniert: "Es soll Menschen geben, die sich nicht impfen lassen wollen. Wenn das mehr als 40, 50 oder 60 Prozent sein sollten, werden wir noch sehr viel länger eine Maske tragen müssen, weil wir dann die Herdenimmunität nicht erreichen."

Abschließend geht die Kanzlerin auch noch auf die von Witt immer wieder wiederholte Formulierung vom "genmanipulierten Impfstoff" ein: "Ich würde Sie aber bitten, dem Sachverhalt entsprechend, nicht von genmanipulierten Dingen zu sprechen", sagt sie. "Das ist ein Impfstoff, der genetische Elemente enthält und damit sehr präzise funktionieren könnte, so jedenfalls die Versuchsergebnisse der Phase-III-Studien."

(andi)

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