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Nach Höcke: ZDF will auch künftig über das berichten, was "AfD nicht gerne im Fokus sieht"

16.09.2019, 17:5416.09.2019, 18:08

Dieses Interview schlägt hohe Wellen: Am Sonntag strahlte das ZDF ein Gespräch mit dem AfD-Rechtsaußen Björn Höcke aus. Darin beharkte der Sender Höcke mit Fragen zu seiner Sprache und zog Vergleiche zur Sprechweise der Nationalsozialisten.

Eingeleitet hatte das ZDF den Beitrag mit einer Umfrage unter AfD-Abgeordneten, die sagen sollten, von wem unterschiedliche Zitate stammten – Höcke oder Adolf Hitler?

Nach knapp zehn Minuten wurde es Höcke und seinem Pressesprecher schließlich zu bunt, der AfDler brach das Interview ab, drohte mit "massiven Konsequenzen" und forderte, das Interview nicht zu senden.

ZDF nach Interview mit Höcke: "Müssen berichten, was die AfD sagt"

Der Sender entschied sich für eine Ausstrahlung des Gesprächs und veröffentlichte das gesamte Interview zusätzlich online. Nun hat sich Peter Frey, der Chefredakteur des ZDF, im "Mittagsmagazin" zu dem Interview geäußert.

Die Kritik an dem Interview, nach der Höcke vom Sender vorgeführt worden sein soll, könne er nicht nachvollziehen, sagte Frey. Das Thema sei nicht vom ZDF gekommen, schließlich habe auch die AfD im Jahr 2017 ein Gutachten zu Höckes Sprache in Auftrag gegeben.

screenshot zdf

"Wir müssen berichten, was die AfD sagt", so Frey weiter. Daran käme das ZDF nicht vorbei.

"Wenn sich ausländerfeindliche, antisemitische Zungenschläge in die Rede mit hineinmogeln oder Andeutungen gemacht werden, können wir nicht darüber hinweggehen, als sei das Buisness as usual."

Gefragt, ob das ZDF Höckes Aussage, er werde vielleicht mal eine interessante, politische Persönlichkeit, als eine Drohung betrachte, antwortete Frey: "Ja, das ist eine Drohung." Welche Konsequenzen das ZDF daraus zieht, sei nicht so wichtig. Viel wichtiger sei, was die AfD daraus schließe, wie der Bundesvorstand sich zu Höcke und seinen Äußerungen stelle: "Deckt man das oder distanziert man sich davon?"

ZDF hat lange überlegt, wie es mit Höcke-Interview umgehen soll

Auf die Frage, ob es einen Zeitpunkt gegeben habe, an dem es Zweifel gab, ob man das Interview veröffentlichen sollte, antwortete Frey: "Wir haben uns intensiv Gedanken darüber gemacht: Wie soll man damit umgehen?" Es die "transparenteste Lösung gewesen", das Interview ungeschnitten zu veröffentlichen.

"Wir wollten keinen Eklat", sagte Frey am Montag sehr deutlich. "Wir wollten einen Beitrag, der sich mit der Sprache von Björn Höcke auseinandersetzt." Das ZDF habe aufklären wollen. "Ich finde, die Aufklärung ist gelungen".

Will das ZDF Höcke künftig weiterhin interviewen?

Nach Freys Auftritt im "Mittagsmagazin" hat watson noch einmal beim ZDF nachgehakt. Ob das ZDF in Höcke weiterhin einen Gesprächspartner sieht, nachdem dieser angekündigt hatte, dem betreffenden Reporter künftig keine Interviews mehr zu geben?

Der Sender teilt gegenüber watson mit:

"Das ZDF setzt sich weiterhin mit der AfD intensiv auseinander und berichtet auch über die Themen, die die Partei nicht gerne im Fokus sieht. Das ZDF wird für seine Berichterstattung zum Thema auch das Gespräch mit den Repräsentanten der AfD weiterhin suchen."

Den Vorwürfen, dass das ZDF mit dem Interview die AfD vorführe, widerspricht der Sender: "Die transparenteste Lösung im Sinne der Zuschauer war, die zwölf Minuten ungeschnitten in die ZDF-Mediathek zu stellen, so dass sich die Zuschauer selbst ein Bild machen können. Das ZDF leistet damit einen Beitrag zur Aufklärung."

Zu Beginn des Interviews zeigte das ZDF Höcke einen Einspieler, in dem AfD-Abgeordnete mit Zitaten von ihm konfrontiert und gefragt wurden, ob diese von Höcke oder Hitler stammten. Höcke hatte das Vorgehen des Senders in dem Moment als "nicht wirklich redlich" kritisiert. Das ZDF verteidigt sich: "Es ist eine durchaus gängige journalistische Vorgehensweise, Gesprächs- und Interviewpartner mit Zitaten zu konfrontieren."

Watson fragte das ZDF auch, wie der Reporter, der das Interview mit Höcke führte, die Situation empfand.

Das ZDF sagt über den Reporter:

"'Berlin direkt'-Autor David Gebhard hatte für seinen Beitrag ein bestimmtes Thema vor Augen – der Fokus des Porträts sollte auf Björn Höckes Sprache und Politikverständnis sowie auf seiner bundespolitischen Bedeutung in der AfD liegen. Gerne hätte er das Interview mit den noch offenen Fragen, etwa zum Demokratieverständnis, weitergeführt."

(pcl)

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