Wahlhelfer sortieren die Stimmzettel zum Beginn der Auszählung von Stimmen bei der Landtagswahl von Sachsen-Anhalt in einer Schule in Magdeburg.
Wahlhelfer sortieren die Stimmzettel zum Beginn der Auszählung von Stimmen bei der Landtagswahl von Sachsen-Anhalt in einer Schule in Magdeburg.
Bild: dpa / Hendrik Schmidt
Exklusiv

Das sagen die Jugendorganisationen der Parteien zur Wahl in Sachsen-Anhalt

06.06.2021, 20:0907.06.2021, 10:48

Die CDU von Ministerpräsident Reiner Haseloff hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag klar gewonnen. Die Christdemokraten kommen nach Hochrechnungen von ZDF und ARD (19.00/19.15 Uhr) auf 35,5 bis 36,2 Prozent und legen im Vergleich zur Landtagswahl 2016 zu. Damals holte die CDU 29,8 Prozent.

Die AfD bleibt demnach zweitstärkste Kraft. Sie verschlechtert sich und kommt auf 22,5 bis 23,1 Prozent. 2016 war die Partei mit 24,3 Prozent erstmals in den Landtag von Sachsen-Anhalt eingezogen. Drittstärkste Kraft wird die Linke, die sich aber gegenüber 2016 deutlich von 16,3 auf 10,9 Prozent verschlechtert.

Die SPD schafft nur noch ein einstelliges Ergebnis und liegt zwischen 8,1 und 8,4 Prozent nach 10,6 Prozent bei der letzten Landtagswahl. Die FDP schafft mit 6,5 bis 6,7 den Wiedereinzug ins Landesparlament. 2016 waren die Liberalen mit 4,9 Prozent an der 5-Prozent-Hürde gescheitert. Die Grünen landen bei 6,0 bis 6,2 (2016: 5,2 Prozent).

Watson hat bei den Jugendorganisationen der Parteien nachgefragt, wie sie das Wahlergebnis einordnen.

Jusos: "Es ist kein Erfolg, dass die AfD in Sachsen-Anhalt diese Wahl nicht gewonnen hat"

Jessica Rosenthal ist Vorsitzende der Jusos.
Jessica Rosenthal ist Vorsitzende der Jusos.
Bild: dpa / Kay Nietfeld

Die SPD gilt als der große Wahlverlierer der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Mit einer historischen Niederlage konnte sie nach ersten Hochrechnungen nur ein einstelliges Ergebnis holen. Juso-Vorsitzende Jessica Rosenthal erklärt gegenüber watson:

"Es ist kein Erfolg, dass die AfD in Sachsen-Anhalt diese Wahl nicht gewonnen hat. Statt einigermaßen erleichtert aufzuatmen, müssen wir uns weiterhin jeden Tag klarmachen, was das bedeutet: Jeder fünfte Wählende hat eine in Teilen faschistische Partei gewählt. Es ist jetzt vor allem an der CDU zu beweisen, dass ihre Brandmauer nach rechts mehr ist als eine fadenscheinige Gardine. Maaßen als Bundestagskandidat in Thüringen, die rechtskonservative Werte-Union und eine stetige Diskursverschiebung nach rechts sprechen eine sehr deutliche andere Sprache. Und Armin Laschet schweigt zu alledem. Meine ganze Solidarität und mein Dank gilt den Jusos und SPD-Mitgliedern vor Ort, die sich jeden Tag gegen Nazis und rechte Strukturen stellen. Wir müssen auch mit Blick auf die Bundestagswahl klarmachen: Wir stehen stabil gegen rechts und weichen keinen Schritt zurück."

Grüne Jugend: "Dass Teile der CDU immer wieder offen das Bündnis mit den Rechtsradikalen suchen, ist verheerend"

Georg Kurz ist Co-Chef der Grünen Jugend.
Georg Kurz ist Co-Chef der Grünen Jugend.
Bild: Elias Keilhauer

Die Grünen konnten nach ersten Hochrechnungen leicht dazu gewinnen, blieben aber hinter bisherigen Umfragen zurück. Georg Kurz, Sprecher der Grünen Jugend, sieht Aufholbedarf bei der Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Ost und West. Gegenüber watson erklärt er:

"Dass Teile der CDU immer wieder offen das Bündnis mit den Rechtsradikalen suchen, ist verheerend: Damit wird Menschenfeindlichkeit normalisiert – was nicht nur die Demokratie insgesamt, sondern viele Menschen auch ganz unmittelbar in ihrer Sicherheit bedroht. Statt Signalen nach Rechts braucht es eine tatsächliche Verbesserung der Lebensverhältnisse im Osten: Löhne und Renten sind niedriger, Arbeitsplätze gehen verloren, Investitionen fehlen. Kurz: Die Ungleichheit zwischen Ost und West ist nach wie vor groß. Menschen brauchen Perspektiven und soziale Sicherheiten, auch und gerade im Osten. Nicht, um sie vom AfD-Wählen abzuhalten – sondern weil es ihnen schlicht zusteht. Statt Regionen einfach abzuschreiben, müssen wir gezielt in klimaneutrale Energie und Mobilität investieren, Lohnniveaus heben und Ungleichheiten abbauen. Nur so kann verlorenes Vertrauen in die Demokratie wiederhergestellt werden."

Julis: "Wir sind bereit zur Übernahme von Regierungsverantwortung"

Jens Teutrine ist Vorsitzender der Jungen Liberalen (Julis).
Jens Teutrine ist Vorsitzender der Jungen Liberalen (Julis).
Bild: www.imago-images.de / Malte Ossowski/SVEN SIMON

Die FDP konnte in Sachsen-Anhalt den Wiedereinzug ins Parlament feiern. Das hat sie unter anderem den jungen Wählern zu verdanken. Der Vorsitzende der Jungen Liberalen (Julis) Jens Teutrine freut sich über die hohen Zustimmungswerte junger Wähler. Gegenüber watson erklärt er:

"Als Freie Demokraten gehen wir gestärkt aus der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hervor. Nach über zehn Jahren gibt es mit unserem Wiedereinzug in den Landtag auch wieder eine liberale Stimme der Freiheit im Parlament. Unsere Themen wie die Verteidigung von Freiheitsrechten in Zeiten der Pandemie, die Modernisierung des Bildungssystems, wirtschaftliche Erholung, Aufstiegschancen sowie die Beseitigung der digitalen Defizite beim Staat, von der Verwaltung von bis hin zu den Schulen, treffen aktuell den Nerv von vielen Menschen, insbesondere bei der jungen Generation. Ein Viertel aller FDP-Landtagskandidaten sind Mitglieder von uns Julis.

Gemeinsam mit der FDP-Spitzenkandidatin Lydia Hüskens haben unsere Juli-Wahlkämpfer insbesondere in der jungen Generation überzeugt. Das zeigen auch unsere Ergebnisse bei den unter 30-Jährigen. Dort erzielten wir nach aktuellen Hochrechnungen mit 13 Prozent unser bestes Wahlergebnis. Auch eine Regierungsbeteiligung der FDP ist möglich. Wir sind bereit zur Übernahme von Regierungsverantwortung, und zwar dann, wenn wir unsere Inhalte umsetzen können. Unsere Modernisierungsagenda und unser eigenständiger Kurs machen die FDP in diesem Wahljahr zum spannendsten Faktor für die Bildung einer neuen Bundesregierung."

Watson hat ebenfalls die Jugendorganisationen der Linken und der CDU angefragt. Die Anfragen blieben bis zum Wahlabend unbeantwortet.

(mit Material von dpa)

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"Gerne. Immer her damit!" – Mehr als 220 Spitzenpolitiker und Bundestagsabgeordnete erklären bei watson: Ja, ich würde mich mit Astrazeneca impfen lassen

Astrazeneca hat ein Imageproblem. Schon seit Wochen ist der Impfstoff immer wieder Thema – und zugleich Sorgenkind. Zunächst häuften sich Meldungen, dass Astrazeneca-Dosen liegen blieben, weil immer wieder Menschen ihr Impfangebot damit nicht wahrnähmen. Offenbar ist die Sorge verbreitet, mit Astrazeneca einen minderwertigen Impfstoff zu erhalten.

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