Manuela Schwesig: Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern.
Manuela Schwesig: Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern.
Bild: imago/watson-montage

SPD-Ministerin schreibt Grußwort für Homöopathie-Kongress – und erntet Kritik

09.05.2019, 15:3609.05.2019, 20:22

Eines ist zumindest sicher: Die Kritik, die da gerade auf Manuela Schwesig einprasselt, wird nicht in homöopathischen Dosen verabreicht. Gerade im Internet ist sie heftig.

Was war passiert?

Manuela Schwesig, die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, hat für dieses Jahr die Schirmherrschaft des Deutschen Ärztekongresses für Homöopathie übernommen.

Und sie hat das entsprechende Grußwort verfasst. "Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte, die sich mit der Homöopathie beschäftigen und in ihrer täglichen Praxis anwenden, nimmt stetig zu", schreibt Schwesig darin. Und das sei Ausdruck der zunehmenden Akzeptanz der Methodik der Homöopathie.

Die allerdings gilt gerade unter Wissenschaftlern als umstritten. Kritiker sehen in dem zumeist sehr emotional geführte Streit um die "sanfte Medizin" eine Art Glaubensfrage. Das Konzept hinter der Homöopathie, das nach dem Grundsatz verfährt, Gleiches mit Gleichem zu behandeln und auf den Arzt Samuel Hahnemann zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurückgeht, sucht in Wissenschaft und Medizin nach wie vor nach Anerkennung. Zahlreiche Studien zur Homöopathie zweifeln eine Wirksamkeit an, die über den klassischen Placebo-Effekt hinausgeht.

Zum Homöopathie-Kongress geladen hat der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte e.V. (DZVhÄ). Er ist der Berufsverband der homöopathischen Ärzteschaft. "Neben Ärzten aller Fachrichtungen besuchen vor allem Apotheker, Tierärzte, Zahnärzte und Medizinstudierende die Jahrestagung des DZVhÄ, um sich in spezifischen Veranstaltungen fortzubilden oder sich über die ärztliche Homöopathie zu informieren", heißt es auf der Hompage des Vereins. Aktuell würden über 7.000 Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen in Deutschland täglich die Homöopathie am Patienten anwenden.

Der Kongress, der Ende Mai in Stralsund stattfindet, steht 2019 unter dem Motto: "Homöopathie und das Meer – Vom Ursprung des Lebens". Und Mecklenburg-Vorpommern als Küstenland sei, schreibt Schwesig in ihrem Grußwort, geradezu prädestiniert für das Leitthema des Kongresses. Außerdem sei es sehr wichtig, "zum Beispiel darüber zu forschen, wie im Säuglings- und Kleinkindalter alternative Methoden wie die Homöopathie in der Therapie wirksam eingesetzt werden können", findet die Ministerpräsidentin.

Der ehemaligen Familienministerin, Kristina Schröder (CDU), geht das zu weit. Via Twitter kritisiert sie die Schirmherrschaft Schwesigs als "bewusste Positionierung pro Homöopathie".

Und was sagt Manuela Schwesig? Auf Nachfrage lässt ihr Regierungssprecher mitteilen, dass es bei der Übernahme der Schirmherrschaft nicht darum gegangen sei, sich in den Methodenstreit über Homöopathie einzuschalten. Man habe sie übernommen, "weil hier ein bundesweiter Medizinkongress in unser Land kommt. Die Frage, ob und wie Homöopathie sinnvoll eingesetzt werden kann, kann nur Gegenstand von Forschung und wissenschaftlichem Austausch sein."

(ts)

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