CDU-Chef Armin Laschet bei seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden im Januar.
CDU-Chef Armin Laschet bei seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden im Januar.
Bild: Getty Images Europe / Pool
Interview

Ex-Kanzlerberater zu Laschet und Söder: "Im Grunde genommen ist die Lage klar"

13.04.2021, 19:5414.04.2021, 07:24

Auch nachdem das CDU-Präsidium am Montagmorgen seine Unterstützung für CDU-Chef Armin Laschet verkündet hatte, bleibt der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder bei seiner Kandidatur. Mehr noch, das CSU-Präsidium erklärte seinerseits am Montagnachmittag seine volle Unterstützung für den CSU-Chef. Digitalstaatsministerin Dorothee Bär sprach sich gegenüber watson für Markus Söder aus, ebenso wie 17 CDU-Abgeordnete der Unionsbundestagsfraktion. Nun kommt es wohl doch zum offenen Schlagabtausch zwischen CDU-Chef und CSU-Chef.

Hat Markus Söder als Chef der kleineren Partei überhaupt eine Chance gegen den Chef der größeren Schwesterpartei CDU?

Der ehemalige Kanzlerberater und Politikwissenschaftler Werner Weidenfeld ist skeptisch. Er rechnet Markus Söder keine großen Chancen mehr aus und erklärt, warum es der Union schadete, wenn Armin Laschet nicht Kanzler würde.

"Was von vielen vergessen wird, ist, dass es der Union schadet, wenn Laschet nun nicht Kanzlerkandidat wird."

Watson: Herr Weidenfeld, viele gingen davon aus, dass Markus Söder nur kandidiert, wenn er gerufen wird. Gerufen wurde er jetzt aber gar nicht. Trotzdem kandidiert er, warum?

Werner Weidenfeld:
Naja, das bleibt aus meiner Sicht abzuwarten. Was hat Markus Söder alles schon verkündet? CSU-Generalsekretär Markus Blume hat das am Montag den Beginn der Beratung genannt. Das ist ergebnisoffen. Außerdem will die CSU keine schnelle Entscheidung.

Markus Söder möchte die Kanzlerfrage erst Ende der Woche klären. Warum?

Na, das ist schon ein ziemliches Taktieren. Er hofft, dass er noch Unterstützung aus der Bundestagsfraktion und Funktionärsebene der Union erhält.

Kann ihn das noch retten?

Söder ist dort nicht unbeliebt. Er hat dort durchaus größere Unterstützung auch aufgrund seiner Popularität. Aber was von vielen vergessen wird, ist, dass es der Union schadet, wenn Laschet nun nicht Kanzlerkandidat wird.

"Wenn die sich wechselseitig zerfleischen, dann hilft das keinem."

Ist es für die Union hilfreich, dass sich die Frage nun so lange hinzieht?

Nein. Das schadet der Partei. Das ist ähnlich, wie es bei der SPD lange war. Wenn da ein parteiinterner Machtkampf tobt, hilft das niemandem. An sich wäre es sinnvoller gewesen, Söder lässt dieses Mal Laschet den Vortritt und beerbt ihn dann auf absehbare Zeit als Kanzler. Wenn die sich wechselseitig zerfleischen, dann hilft das keinem.

Wie könnte das Dilemma nun geklärt werden?

Im Grunde genommen ist die Lage klar.

Wie denn?

Der überwiegende Teil der Union ist die CDU und die Führung der CDU hat sich klar für den Parteichef geäußert. Schadenfrei kommen die CDU und die Union insgesamt da nicht mehr raus, wenn Armin Laschet nicht Kanzlerkandidat wird.

Und wenn er kandidieren sollte, rechnen Sie Armin Laschet große Chancen auf die Kanzlerschaft aus?

Klar. Das hängt aber davon ab, wie die Parteien das nun klären werden. Die CDU braucht dann ein attraktives Wahlprogramm und Laschet muss sich ein fähiges Team zusammensuchen, dann kann die Union auch dieses Jahr bei der Bundestagswahl wieder die stärkste Kraft werden.

Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Weidenfeld ist Direktor des Centrums für angewandte Politikforschung der Universität München und Rektor der Alma Mater Europaea der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste (Salzburg). Außerdem ist er Vizepräsident des Cyber-Sicherheitsrats Deutschland e.V. (Berlin). Von 1987 bis 1999 arbeitete er (die meiste Zeit unter dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl) als Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit.

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