ARCHIV - 19.09.2020, Th

Susanne Hennig-Wellsow (links) und Janine Wissler, die frisch gewählten Parteichefinnen der Linken. Bild: dpa / Frank May

Hennig-Wellsow und Wissler zur weiblichen Linken-Doppelspitze gewählt

Das neue, rein weibliche Führungsduo der Linken ist komplett: Nach der hessischen Landtagsfraktionschefin Janine Wissler wählte der Online-Parteitag am Samstag auch die thüringische Landeschefin Susanne Hennig-Wellsow zur Co-Vorsitzenden.

Die 43-jährige Hennig-Welsow erhielt 378 von 536 abgegebenen Stimmen – und somit 70,5 Prozent. Auf der sogenannten gemischten Wahlliste standen auch zwei männliche Gegenkandidaten, die 104 und 15 Stimmen erhielten. 39 Delegierte enthielten sich. Wissler hatten 448 von 532 Delegierte gewählt, das waren 84,2 Prozent. Die 39-Jährige hatte allerdings keine Gegenkandidaten.

Die Linke ist damit die erste im Bundestag vertretene Partei, die eine weibliche Doppelspitze hat. Die Wahl Hennig-Welsows und Wisslers muss anschließend noch per Briefwahl bestätigt werden, das gilt aber als Formalität.

Regieren oder nicht? Die neuen Chefinnen sehen das unterschiedlich

Hennig-Wellsow warb auf dem Parteitag für ein Bekenntnis der Linken, auch im Bund Regierungsverantwortung zu übernehmen: "Lasst uns nicht mehr warten! Die Menschen haben keine Zeit, auf uns zu warten." Sie werbe dafür, CDU und CSU aus der Bundesregierung zu vertreiben. "Ob Schwarz-Grün kommt oder Rot-Rot-Grün, liegt auch an uns."

Wissler legte einen anderen Akzent: Sie hielt eine Rede mit viel linker Rhetorik, sprach von "Aufbegehren gegen die Verhältnisse" und davon, dass die Partei "Ohnmacht und Resignation bekämpfen müsse". Wissler übte in ihrer Rede den Schulterschluss mit der Klimaschutzbewegung Fridays for Future, indem sie deren Slogan "System Change, not Climate Change" zitierte – und sie schloss ihre Rede mit dem Jahrzehnte alten Spruch aus der linksradikalen Sponti-Szene: "Es geht nicht um ein größeres Stück vom Kuchen, es geht um die Bäckerei. Es geht ums Ganze.“

Hennig-Wellsow will, dass die Linke Teil der nächsten Bundesregierung wird, Wissler ist da eher skeptisch. Die beiden verdeutlichten in ihren Reden damit, dass sie auf zwei Seiten eines Konflikts stehen, der durch die Linken geht. Er dreht sich um die Frage, ob die Linken nach der Bundestagswahl im Herbst Teil einer rot-rot-grünen Koalition anstreben soll – oder ob sie lieber in der Opposition bleiben soll, um nicht zu viele Kompromisse schließen zu müssen.

Wissler und Hennig-Wellsow lösen die bisherigen Chefs Katja Kipping und Bernd Riexinger ab. Sie hatten die Linke seit 2012 geführt und wollten eigentlich bereits im vergangenen Juni ihre Amtszeit beenden, aber wegen Corona wurde der Parteitag seitdem zweimal verschoben. Bei dem Online-Treffen wird an diesem Samstag auch über die Neubesetzung der Stellvertreterposten, des Bundesgeschäftsführers und des Bundesschatzmeisters abgestimmt.

(se/dpa)

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