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Sie folgt auf Nicola Beer: Linda Teuteberg.Bild: iStockphoto
Deutschland

Liberalismus in Feuilleton und Bierzelt: Das ist die neue Generalsekretärin der FDP

27.04.2019, 16:4927.04.2019, 19:01

Knapp geht anders. Mit 92,8 Prozent der Stimmen wurde Linda Teuteberg auf dem FDP-Parteitag am Freitagabend zur neuen Generalsekretärin gewählt. Das ist deswegen bemerkenswert, weil die 38-Jährige mindestens zwei Merkmale aufweist, die bei den Liberalen in der Spitze eher selten zu finden sind: Sie ist weiblich und kommt aus den neuen Bundesländern.

Doch wer ist die Neue in der Führungsspitze der Liberalen?

Linda, wer?

Teuteberg, 1981 in Königs Wusterhausen in Brandenburg geboren, sitzt seit dem Wiedereinzug der FDP 2017 im Bundestag. Die verheiratete Juristin ist bislang migrationspolitische Sprecherin ihrer Fraktion und Obfrau im Innenausschuss.

Von 2009 bis 2014 war sie Abgeordnete im brandenburgischen Landtag, sie ist zudem Vizevorsitzende der Landes-FDP. Neben ihren politischen Ämtern engagiert sich die Rechtsanwältin bei verschiedenen Organisationen für Demokratie und gegen Extremismus sowie für die Aufarbeitung von Verbrechen in der NS-Zeit und der DDR.

Teuteberg startete als Außenseiterin

Bei der Neubesetzung des Generalsekretärspostens in der FDP hatten viele eher mit Johannes Vogel gerechnet – einem Vertrauten von Parteichef Christian Lindner. Vogel ist Generalsekretär der NRW-FDP und besitzt damit Erfahrung als Wahlkampforganisator.

Die Entscheidung für Teuteberg sei "keine Frage der regionalen Herkunft oder des Geschlechts", sagte Lindner auf dem Parteitag. "Es ist eine Frage der Person." Lindner hob insbesondere Teutebergs Arbeit in der Debatte um Migration und Flüchtlinge hervor. Zwischen "grenzenloser Aufnahmebereitschaft" einerseits und Ressentiments und Abschottung andererseits habe sie die FDP klar in der Mitte positioniert.

Trotz Teuteberg: Die FDP hat ein Frauenproblem

"Jeder Mensch ist mehr als die Summe seiner angeborenen Merkmale" – das sagt Linda Teuteberg über ihre Eigenschaften als Frau und Ostdeutsche. Hervorstechend sind sie dennoch in der überwiegend männlichen, überwiegend westdeutschen FDP.

Selbst wenn sie keine entscheidenden Faktoren waren, so sind Teutebergs Geschlecht und Herkunft doch mindestens willkommene Eigenschaften der neuen Generalsekretärin. Nur etwa jedes fünfte FDP-Mitglied ist weiblich. Die Partei ringt seit Langem um das richtige Vorgehen, um diesen Anteil zu erhöhen.

Teuteberg betonte auf dem Parteitag selbst, die FDP müsse "vielfältiger werden" und sich dazu auch "klare Ziele" setzen. Eine starre Frauenquote lehnen die Liberalen bisher allerdings ab.

Dieses Jahr muss die Partei drei Landtagswahlen in ostdeutschen Ländern bewältigen. In Teutebergs Heimat Brandenburg, in Sachsen und in Thüringen hofft die FDP auf ein Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde, was ihr bei den vorherigen Wahlen jeweils misslang.

Teuteberg vertritt ihre Herkunft durchaus selbstbewusst – "ich bin gerne Brandenburgerin". In den sozialen Medien markiert sie Äußerungen über sich selbst oft mit dem Hashtag "#Brandenburgerin". Auf dem Parteitag wandte sie sich gegen eine Bemitleidung der Ostdeutschen – diese hätten "ein eigenes Selbstbewusstsein und eigene Stärken und die sollten wir zum Thema machen und stärken".

Insgesamt präsentierte sich Teuteberg in der ersten Rede nach ihrer Wahl nicht als Klischee-Generalsekretärin vom Typ "Wadenbeißer", sondern eher als Motivatorin und Zuhörerin. Im Umgang mit den Bürgern gelte: "Nicht nur senden, auch empfangen ist wichtig."

Bürgernah wolle sie sein, dahin gehen, wo die Bürger sind, hatte sie bereits vor gut einer Woche getwittert.

Bei den Delegierten kam der Kurs gut an: Während der Rede herrschte im Gegensatz zu vielen anderen Wortbeiträgen weitgehend Ruhe im Saal. Als Teuteberg zum Ende kam, erhoben sich viele Anwesende laut klatschend von ihren Stühlen.

(ts/afp)

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