Martin Sonneborn (l.) und Nico Semsrott schafften gemeinsam den Sprung ins EU-Parlament, nun kehrt Semsrott der Partei Die Partei den Rücken.
Martin Sonneborn (l.) und Nico Semsrott schafften gemeinsam den Sprung ins EU-Parlament, nun kehrt Semsrott der Partei Die Partei den Rücken.
Bild: www.imago-images.de / bsnapshot-photography/F.Boillot

Nach Rassismus-Vorwurf gegen Sonneborn: Nico Semsrott tritt aus Die Partei aus

14.01.2021, 09:24

Der Satiriker und Europaabgeordnete Nico Semsrott ist aus der Partei Die Partei ausgetreten. Als Grund nannte er den Umgang von Parteigründer Martin Sonneborn mit einem von vielen als rassistisch wahrgenommenen Tweet. Semsrott schrieb auf seiner Website: "Ich habe vor einem Jahr vergeblich zu dieser Thematik mit ihm diskutiert und ihn vor einigen Tagen gebeten, über sein Posting nachzudenken und sich zu entschuldigen. Er hat es nicht gemacht. Das ist also kein Versehen, er will das eindeutig so."

Sonneborn hatte ein Foto veröffentlicht, auf dem er in einem T-Shirt zu sehen war mit der Aufschrift "AU WIEDELSEHERN, AMLERIKA! abem Sie Guter FrLug runtel! Printed in China für Die PARTEI". Der Tweet ist als Anspielung auf das Ende der Präsidentschaft von Donald Trump zu verstehen und auf die Tatsache, dass viel Trump-Merchandise in China produziert wird. In den sozialen Medien wurde Sonneborn daraufhin Anti-Asiatischer-Rassismus vorgeworfen. Mittlerweile ist der Tweet aus Sonneborns Timeline verschwunden.

Semsrott kritisierte zudem Sonneborns "ignoranten Umgang mit Feedback" und schrieb: "Wenn sich Menschen von seinen Postings rassistisch angegriffen fühlen, muss er nicht viel tun. Es reichen Mitgefühl und der Respekt vor den Betroffenen, um das eigene Verhalten zu korrigieren."

Semsrott will EU-Mandat weiter ausführen

Semsrott betonte, dass der ehemalige "Titanic"-Chefredakteur eine Verantwortung als Vorsitzender der Partei habe. "Wenn er der Kritik keinen Raum geben kann, den gesellschaftlichen Kontext (Rassismus, fortschreitender Rechtsruck) ausblendet, und beleidigt seine Machtposition ausnutzt, sobald Betroffene sich gegen Beleidigungen wehren und stattdessen den Schwerpunkt fälschlicherweise darauf legt, dass andere nur zu doof seien, seine Kunst zu verstehen, sich also selbst zum Opfer stilisiert, sollte er gehen, weil er aus der Zeit gefallen und am falschen Ort ist", argumentierte Semsrott.

Für Die Partei, die in der öffentlichen Wahrnehmung hauptsächlich Sonneborns Projekt ist, wolle er nun nicht mehr sein Gesicht hinhalten, erklärt Semsrott. Sein Mandat im EU-Parlament werde er "als PARTEI-Loser bis zum bitteren Ende ausführen."

(lau)

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