Alles wird teurer: Das macht sich in den meisten Haushalten deutlich bemerkbar.
Alles wird teurer: Das macht sich in den meisten Haushalten deutlich bemerkbar.Bild: picture alliance / Frank May

Keine Ende der Inflation in Sicht – Verbraucher sorgen sich zunehmend

11.05.2022, 17:23

Müssen es neue Fußballschuhe sein oder passen die alten nicht doch noch? Kann ich mir ein Handy leisten? Oder einen Schrank fürs Kinderzimmer? Fragen, die sich Verbraucher wegen der Inflation des Öfteren stellen. Die Teuerung frisst sich immer tiefer in die Budgets der Verbraucher. Damit wachsen auch die Sorgen der Menschen in Deutschland. Viele wollen laut einer Umfrage auf nicht notwendige Anschaffungen verzichten, um mit den steigenden Preisen zurecht zu kommen.

Im April verteuerten sich nach Daten des Statistischen Bundesamtes neben Energie auch Nahrungsmittel überdurchschnittlich stark. Die Juso-Vorsitzende Jessica Rosenthal fordert eine dauerhafte Streichung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Im Euroraum wächst angesichts der rasant gestiegenen Inflation die Wahrscheinlichkeit einer ersten Zinserhöhung im Juli.

Die Juso-Vorsitzende Jessica Rosenthal fordert eine dauerhafte Streichung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel.
Die Juso-Vorsitzende Jessica Rosenthal fordert eine dauerhafte Streichung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel.Bild: dpa / Kay Nietfeld

Produkte so teuer wie seit der Wiedervereinigung 1990 nicht mehr

Nach Einschätzung von Ökonomen müssen sich Verbraucher auch in den kommenden Monaten auf Teuerungsraten von mehr als 7 Prozent einstellen. Im April lagen die Verbraucherpreise um 7,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Das Statistische Bundesamt bestätigte damit am Mittwoch eine erste Schätzung.

Es war der höchste Stand seit der deutschen Wiedervereinigung 1990. In den alten Bundesländern wurde eine ähnlich hohe Teuerungsrate im Herbst 1981 infolge des ersten Golfkriegs zwischen dem Irak und dem Iran gemessen. Von März auf April dieses Jahres stiegen die Verbraucherpreise in Europas größter Volkswirtschaft um 0,8 Prozent.

Die Kaufkraft der Verbraucher sinkt drastisch – Maßnahmen versagen bisher

Stark gestiegene Energiepreise heizen die Inflation zusätzlich an. Der Krieg in der Ukraine hat diesen Trend noch verstärkt. Hinzu kommen unterbrochene Lieferketten unter anderem aufgrund des Corona-Lockdowns in Teilen Chinas. Im März war die jährliche Teuerungsrate bereits auf 7,3 Prozent geschnellt.

Höhere Inflationsraten schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger leisten können. Die Bundesregierung hat inzwischen zwei milliardenschwere Pakete geschnürt, um die Menschen zu entlasten.

Viele Deutsche mussten in den Wintermonaten frieren

Die Juso-Vorsitzende Rosenthal forderte ein weiteres Paket, von dem vor allem junge Menschen und Rentner profitieren sollen. "Zur Entlastung brauchen wir eine dauerhafte Streichung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel und einen Energiekostenzuschuss, der tatsächlich auch bei allen Menschen ankommt", sagte die Chefin des Jugendverbands der SPD. "Viele Menschen mussten in den letzten Monaten schauen, ob sie sich das Heizen leisten können. Die gleichen Menschen fragen sich jetzt, ob das Geld noch fürs Essen reicht."

Heizen können sich viele Deutsche nur noch schlecht leisten, wenn gegen die hohen Kosten nichts unternommen wird.
Heizen können sich viele Deutsche nur noch schlecht leisten, wenn gegen die hohen Kosten nichts unternommen wird.Bildagentur-online / Bildagentur-online/Schoening

Im April verteuerte sich Energie gegenüber dem Vorjahresmonat um 35,3 Prozent. Die Preise für leichtes Heizöl verdoppelten sich nahezu. Auch für Sprit (38,5 Prozent) und Erdgas (47,5 Prozent) mussten Verbraucher deutlich mehr zahlen. Nahrungsmittel kosteten 8,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Daneben verteuerten sich auch andere Waren deutlich, etwa Fahrzeuge (8,9 Prozent).

Zahlreiche Menschen zeigen sich wegen der Teuerung besorgt – und müssen sparen

Mehr als vier von fünf Menschen in Deutschland (85 Prozent) sind aufgrund der hohen Preissteigerungen besorgt. Viele von ihnen wollen ihre Ausgaben für Möbel, Elektronik, Schmuck und Sportartikel reduzieren, um mit den steigenden Preisen zurecht zu kommen, wie aus einer repräsentativen Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC hervorgeht.

PwC-Handelsexperte Christian Wulff ist überzeugt:

"Viele Haushalte werden aufgrund der höheren Lebenshaltungskosten auf Anschaffungen verzichten, die nicht unbedingt notwendig sind. Das betrifft insbesondere langlebige Konsumgüter, die nicht hauptsächlich dem Ersatz dienen, wie z.B. Möbel oder bestimmte Elektronikartikel"

Für das Gesamtjahr rechneten Volkswirte zuletzt mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate von mehr als 6 Prozent in Deutschland. Die Bundesbank geht inzwischen von nahezu 7 Prozent aus. Im Jahr 2021 lag die Inflationsrate im Schnitt noch bei 3,1 Prozent.

Zinserhöhung im Sommer ist wahrscheinlich

Angesichts der rasant gestiegenen Inflation wächst die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Euroraum im Juli. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte eine Leitzinserhöhung im Sommer in Aussicht. Sie könnte wenige Wochen nach dem Ende der Anleihenkäufe erfolgen, sagte die Chefin der Europäischen Zentralbank in Ljubljana. EZB-Direktor Frank Elderson sprach von der Möglichkeit, dass die Leitzinsen im Juli steigen könnten. Bundesbankpräsident Joachim Nagel äußerte sich ähnlich.

EZB-Chefin Christine Lagarde prognostiziert eine Leitzinserhöhung im Sommer.
EZB-Chefin Christine Lagarde prognostiziert eine Leitzinserhöhung im Sommer.Bild: picture alliance

Im April war die Inflationsrate im gemeinsamen Währungsraum auf 7,5 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit der Euro-Einführung gestiegen. Die Teuerung liegt damit deutlich über dem von der EZB angepeilten Ziel. Die Notenbank strebt mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent an, bei der sie Preisstabilität gewahrt sieht.

Trotz eines leichten Rückgangs ist die Inflation in den USA weiter höher als im Euroraum. Im April lagen die Verbraucherpreise um 8,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Im März hatte die Teuerungsrate 8,5 Prozent betragen. Die US-Notenbank stemmt sich bereits mit einer strafferen Geldpolitik gegen die hohe Geldentwertung.

(ast/dpa-afxp)

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