Deutschland
Politik

Andrij Melnyk kritisiert Angela Merkel für ihre Aussage zu Russland und Putin

12.05.2022, Berlin: Andrij Melnyk, Botschafter der Ukraine in Deutschland, aufgenommen im Bundestag in Berlin. Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Andrij Melnyk stichelt gegen die Altkanzlerin Angela Merkel, nachdem sie sich zu Russland und dem Krieg in der Ukraine geäußert hat.Bild: dpa / Michael Kappeler
Politik

Nach Putin-Äußerung: Andrij Melnyk geht auf Altkanzlerin Angela Merkel los

28.09.2022, 15:33
Mehr «Deutschland»

Altkanzlerin Angela Merkel hält sich, seitdem sie im Ruhestand ist, mit ihrer Meinung zu tagespolitischen Themen zurück. Bis jetzt: Auf der Eröffnungsfeier der "Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung" hat sie sich jetzt über den Krieg in der Ukraine und über den russischen Präsidenten Wladimir Putin geäußert.

Dabei nutzt sie einen "rhetorischen Trick" und erklärt, wie wohl der Altkanzler Helmut Kohl das Jahr 2022 angepackt hätte. Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge antworte Merkel, Kohl würde heute einerseits "alles daran setzen, die Souveränität und die Integrität der Ukraine zu schützen und wiederherzustellen".

Eroeffnungsveranstaltung der Bundeskanzler Helmut Kohl Stiftung Aktuell, 27.09.2022, Berlin, Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin a. D. bekommt Applaus unter anderem vom Vorsitzenden der CDU Deutschland ...
Angela Merkel besucht die Eröffnungsfeier der "Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung" in Berlin.Bild: IMAGO/Political-Moments

Zugleich würde er in Fragen derartiger Tragweite aber nie "den Tag danach" aus dem Blick verlieren. Helmut Kohl, führt Merkel fort, würde "parallel immer auch das im Moment so Undenkbare, schier Unvorstellbare mitdenken – nämlich wie so etwas wie Beziehungen zu und mit Russland wieder entwickelt werden können".

Angela Merkel warnt davor, Putins Worte nicht ernst zu nehmen

Und dann spricht sie doch noch freiwillig über ihr Verhältnis zu Wladimir Putin. Man solle die Worte des russischen Präsidenten ernst nehmen. Vor allem hinsichtlich seiner jüngsten atomaren Drohungen. Merkel sagte:

"Worte ernst zu nehmen, sie nicht von vornherein abzutun, sie seien nur ein Bluff, sondern sich ernsthaft mit ihnen auseinanderzusetzen, das ist beileibe kein Zeichen von Schwäche oder Beschwichtigung, sondern ein Ausweis politischer Klugheit."

Worte, die einer Person schwer auf den Magen schlagen und deshalb jetzt gegen Merkel wettert.

Andrij Melnyk wirft Merkel putinfreundlichen Kuschelkurs vor

Der scheidende ukrainische Botschafter Andrij Melnyk kann die Aussage von Merkel nicht fassen. Auf Twitter schießt er scharf gegen die ehemalige CDU-Chefin, die mit "ihrem jahrelangen putinfreundlichen Kuschelkurs Moskaus Aggression gegen die Ukrainer möglich machte." Für ihn ist es "schamlos" nur darüber nachzudenken, Beziehungen mit Russland wieder aufzubauen.

Dabei hatte Melnyk im August dem "Spiegel" gegenüber gesagt, dass er sich Merkel als Vermittlerin im weiteren Verlauf des Ukraine-Krieges vorstellen könne. "Ich glaube, Frau Merkel könnte, wenn sie nur wollte, an einem bestimmten Punkt des Krieges – noch nicht jetzt – irgendwann eine bestimmte Rolle spielen."

Melnyk zufolge habe Putin noch immer großen Respekt für Merkel. "Deshalb könnte Frau Merkel durchaus ihren Beitrag leisten in dem Augenblick, wo Putin nach einer Exitstrategie sucht", sagte Melnyk im Interview mit dem "Spiegel". Er hoffte, dass Merkel das auch so sehe und fände es schade, wenn sie sich völlig aus dem Politischen zurückzöge.

Ob das noch weiterhin so ist? Wie es aussieht, kann Merkel es Melnyk nicht recht machen.

Verteidigung zulasten von Armen und Bildung? DIW-Chef macht Ansage zu Scholz-Vorstoß

Die Richtung, in die Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gehen will, ist klar: Bei der Münchner Sicherheitskonferenz hat er sein Versprechen wiederholt, dass Deutschland mehr Geld für die Verteidigung ausgeben will. Spätestens 2028 dürfte das 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Bundeswehr aufgebraucht sein. Spätestens dann ist also fraglich, woher Scholz oder ein:e mögliche Nachfolger:in das Geld nehmen sollen.

Zur Story