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Analyse

Enissa Amani feuert die Wut auf Instagram weiter an – das steckt dahinter

24.04.2019, 17:36

Enissa Amani führt seit Tagen einen Kampf in ihren Instagram-Stories. Erst teilte die Influencerin immer wieder gegen eine Journalistin aus, dann gegen eine ganze Medienlandschaft.

So etwa sieht einer ihrer aktuellen Posts aus:

Es gibt einige solcher Nachrichten und Amani postet auch gerne die Reaktionen ihrer eigenen Follower hinterher. Dann heißt es zum Beispiel: "Diese Humpa Lumpas machen alles für eine gute Story". Die Medien produzierten sowieso nur noch "Fake" und 90-Prozent seien Lügen.

Wer das Glück hat, mit so einer Aussage von Amani geteilt zu werden, bekommt eine Bühne von über 500.000 Followern. Und Amani selbst zeigt gleichzeitig, wie viele Unterstützer im Streit auf ihrer Seite sind.

Der Fall Rützel-Amani

Einmal Schritt für Schritt. Es war kaum möglich, diesen Streit zu verpassen. Am Wochenende schreibt Anja Rützel eine Kritik über eine Preisverleihung für Instagrammer. Amani hält dort eine Rede: Nicht länger ertrage sie, dass die "alteingesessene Presse" sie als "Komikerin" bezeichne.

Anja Rützel tut es in ihrem Artikel dann trotzdem und bekommt von Amani prompt ordentlich Social-Media-Wut ab. Als dann auch noch ein AfD-Politiker auf den Streit aufspringt und Rützel ohne deren Zustimmung mit rechtem Sprech in Schutz nimmt, eskaliert der Fall.

Die Journalistin twittert:

Amani schießt auf Instagram per Video-Botschaft zurück. Rützel wolle das alles als Hetze darstellen und nutze dazu Twitter, wo die Journalistin mehr Follower habe.

Rützel will dieses Hin und Her schließlich nicht mehr mitmachen und geht in Deckung. Die erfahrene Reporterin covert seit Jahren neue Trends auf Youtube und Instagram, aber diesmal scheint es für sie ein zu heftiger Shitstorm gewesen zu sein. Watson sagt sie, sie wolle sich nicht länger öffentlich zur Sache äußern.

InfluencerInnen und ihre "Aufmerksamkeits-Ökonomie"

Der Streit polarisiert und auch wenn Rützel aus der Gleichung raus ist: die Aufregungsmaschine läuft weiter. Neue Artikel befeuern Reaktionen von Amani und diese Reaktionen befeuern wieder neue Artikel.

Für sie ist der Konflikt eben noch nicht vorbei. Im Gegenteil, sie macht ihn immer grundsätzlicher:

Auf eine "Wer oder was sind Medien"-Diskussion wollen wir an dieser Stelle einmal verzichten.

Interessant ist eher: Solche Streits sind überhaupt kein neues Phänomen. Auch andere Journalisten, mit denen watson gesprochen hat, erzählen von Youtubern, die plötzlich die Wut ihrer Follower-Massen auf sie richteten. Rapper Capital Bra hat erst Ende vergangenen Jahres seine Fans zum Shitstorm gegen eine Journalistin aufgerufen.

Der Berliner Medienpsychologe Peter Walschburger untersucht solche Entwicklungen schon seit Jahren. Er erklärt gegenüber watson: "Influencer werden zu Ikonen ihrer eigenen Großgruppen und sie müssen stetig ihre eigene Aufmerksamkeits-Ökonomie anfeuern um nicht abzufallen."

Am einfachsten funktioniere das über Feindbilder, gegen die sich die meist jungen Stars mit ihren Followern verbünden können. Ihrer Macht seien sich die selfmade "Alpha-Tiere" dabei oft gar nicht bewusst.

Die Fälle aber seien austauschbar. Oft hielten auch andere Influencer als Feindbild her – etwa als zwei Streamer ihre jeweiligen Follower zu einer Massenschlägerei auf dem Alexanderplatz aufriefen.

Immer gilt: "Schnell richten sich besonders große Gruppen an einer neu enstandenen Front gegen einen gemeinsamen Gegner", wie Peter Walschburger sagt. Das sei ein urpolitischer Vorgang, der durch Social Media in geradezu unheimlicher Geschwindigkeit ablaufe.

(mbi)

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