Ein israelischer Polizist mit Waffe. Zuvor kam es auf dem Tempelberg in Jerusalems Altstadt zu schweren Auseinandersetzungen.
Ein israelischer Polizist mit Waffe. Zuvor kam es auf dem Tempelberg in Jerusalems Altstadt zu schweren Auseinandersetzungen.Bild: dpa / Ilia Yefimovich

Angriffe auf Großraum Jerusalem - Hamas: Botschaft an Feind Israel

10.05.2021, 18:07

Kurz nach Ablauf eines Ultimatums der islamistischen Hamas haben militante Palästinenser mehrere Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. Nach Angaben der Armee gab es in angrenzenden Gebieten sowie in den Städten Jerusalem, Beit Schemesch, Aschkelon und Sderot Luftalarm. In Jerusalem ist ein solcher Alarm sehr selten.

Sieben Raketen seien abgeschossen worden, teilte das Militär am Montagabend mit. Eine sei vom Abwehrsystem Eisenkuppel abgefangen worden. Nach Angaben der israelischen Polizei gab es einige Einschläge in der Nähe von Jerusalem. Ein Marsch in der Stadt anlässlich des Jerusalem-Tages sei aufgrund der Angriffe abgebrochen worden. Medienberichten zufolge wurde das Parlament in Jerusalem geräumt. Die Abgeordneten seien in Schutzräume gebracht worden.

"Botschaft" der Hamas an Israel

Ein Hamas-Sprecher sagte, man habe als "Botschaft" an den israelischen Feind Raketen auf Jerusalem gefeuert. Es handele sich um eine "Reaktion auf seine Verbrechen und Aggression gegen die heilige Stadt" sowie auf Israels Vorgehen auf dem Tempelberg und in Scheich Dscharrah.

Nach heftigen Zusammenstößen in Jerusalem hatte der militärische Hamas-Flügel zuvor ein Ultimatum gestellt. Ein Sprecher der Organisation in Gaza forderte, Israel müsse bis 18.00 Uhr Ortszeit (17.00 Uhr MEZ) alle Polizisten und Siedler vom Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) sowie aus dem Viertel Scheich Dscharrah in Ost-Jerusalem abziehen. Außerdem müssten alle im Rahmen der jüngsten Konfrontationen festgenommenen Palästinenser freigelassen werden. Es handele sich um eine Warnung. Kurz nach 18 Uhr Ortszeit begann der Beschuss. Zu den Angriffen bekannte sich auch die Gruppe Islamischer Dschihad.

Schwere Auseinandersetzungen auf dem Tempelberg

Auf dem Tempelberg in Jerusalems Altstadt war es am Montag erneut zu schweren Auseinandersetzungen gekommen. Vor der Al-Aksa-Moschee setzten Polizisten Blendgranaten, Tränengas und Gummigeschosse gegen Steine werfende Palästinenser ein. Palästinensische Rettungskräfte sprachen von mehr als 300 Verletzten. Nach Polizei-Angaben wurden fast zwei Dutzend Beamte verletzt.

Die Lage im Westjordanland und im arabisch geprägten Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan angespannt. Viele Palästinenser sind zornig, weil die Polizei Bereiche der Altstadt abgesperrt hatte, um Versammlungen zu verhindern. Zudem drohen einigen palästinensischen Familien im Stadtteil Scheich Dscharrah Wohnungsräumungen durch israelische Behörden. Dies verschärfte die Spannungen. Vergangenes Wochenende hatte es jede Nacht Konfrontationen mit zahlreichen Verletzten im Osten der Stadt gegeben.

Der Status Jerusalems ist eine der zentralen Streitfragen im Nahost-Konflikt. Israel beansprucht Jerusalem als "ewige und unteilbare Hauptstadt" für sich. Die Palästinenser halten ihrerseits an ihrem Anspruch auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt fest.

Israel beging am Montag den Jerusalem-Tag. Das Land feiert damit die Eroberung des Ostteils von Jerusalem einschließlich der Altstadt während des Sechstagekriegs 1967.

Der Marsch anlässlich des Jerusalem-Tages hatte am Nachmittag begonnen. Nach Warnungen, er könne neue Spannungen auslösen, wurde dessen Route verändert. Zuvor hatte es die Polizei Juden bereits verboten, bei dem Marsch auch den Tempelberg zu besuchen.

(ogo/dpa)

Themen
Stoppschild für Putins Gewalt: Warum Europa sich nicht erpressen lassen darf
Präsident Putin will Russland zu alter Größe zurückführen, erpresst dafür die USA, die EU und die Nato – und geht dafür immer weiter. Ein Kommentar.

In Genf sind am Montag erste Verhandlungsrunden gestartet, die den Streit zwischen Russland und "dem Westen" beilegen sollen. Russland wollte diese Gespräche, die zunächst übrigens nur mit den USA stattfanden. Die Regierung in Moskau hat aber schon am vergangenen Sonntag verlauten lassen, dass es wenig Hoffnung auf eine Einigung gibt.

Zur Story