Lächelten bei Wahlkampfterminen hübsch für die Kameras, oder versuchten es zumindest: Trumps Frau Melania Trump (2. v. l.) und Sohn Barron (l.)
Lächelten bei Wahlkampfterminen hübsch für die Kameras, oder versuchten es zumindest: Trumps Frau Melania Trump (2. v. l.) und Sohn Barron (l.)Bild: Getty Images North America / John Moore
Analyse

"Was hat er je im Leben allein hingekriegt?" Nichte schildert, wie Familie über Trump lästerte – watson-Serie Teil 1

Donald Trumps Nichte Mary Trump rechnet in ihrem neuesten Enthüllungsbuch mit ihrem Onkel, dem US-Präsidenten, ab. Watson hat die interessantesten Teile für euch zusammengefasst. In Teil 1 erfahrt ihr, wie Trumps Familie hinter seinem Rücken über seine Präsidentschaftskandidatur gelästert hat und insgeheim damit rechnete, dass er niemals US-Präsident werden würde.
16.07.2020, 18:2317.07.2020, 12:46

In ihrem neuesten Enthüllungsbuch "Too Much And Never Enough" zeichnet die promovierte Psychologin Mary Trump ein vernichtendes Bild von ihrem Onkel Donald. Sie spricht ihm jegliche persönliche Qualifikation für das Präsidentenamt ab und begründet die Veröffentlichung ihres Buches damit, Angst um ihr Land zu haben.

Demzufolge hatte sie lange geschwiegen, um den Familienfrieden zu wahren, hatte aber zuletzt immer mehr moralische Probleme mit der Politik ihres Onkels. Wenn man Mary Trump glauben darf, ist sie damit innerhalb des Trump-Clans nicht alleine. Auch ihre Tante Maryanne, ehemalige ranghohe Bundesrichterin, stellte die Eignung ihres jüngeren Bruders von Anfang an infrage.

Die watson-Serie zum Enthüllungsbuch "Too Much And Never Enough" – Teil 1.
Die watson-Serie zum Enthüllungsbuch "Too Much And Never Enough" – Teil 1.Bild: IMAGO / MEDIA PUNCH / ZUMA WIRE / LEVINE-ROBERTS / WATSON-MONTAGE

Im ersten Teil der watson-Serie fassen wir die Enthüllungen von Trumps Nichte Mary zusammen, in denen sie beschreibt, wie Trumps Familie über dessen Präsidentschaftskandidatur 2016 dachte und hinter seinem Rücken auch über ihn sprach.

Die watson-Serie zum Enthüllungsbuch von Mary Trump: "Too Much and Never Enough: How My Family Created the World’s Most Dangerous Man"

"Er ist ein Clown"

Wie viele andere auch, hatte Trumps Nichte Mary die Kandidatur von Donald Trump zunächst nicht ernst genommen. Als dieser am 16. Juni 2015 verkündete, antreten zu wollen, war der erste Gedanke seiner Nichte: "Er will einfach nur kostenlose Werbung für seine Marke. Es wäre nicht das erste Mal". Sie konnte sich nicht vorstellen, dass ihr Onkel ernsthaft Präsident werden wollte.

Auch Trumps große Schwester Maryanne, Bundesrichterin an einem der wichtigsten Gerichte der USA, ging davon aus, dass die ganze Kandidatur nur eine große Show sei: "Er ist ein Clown", soll sie laut Mary während eines Mittagessens zu ihrer Nichte gesagt haben und weiter, dass es niemals passieren würde, dass Donald Trump Präsident wird.

Mary Trump ist die Tochter von Donald Trumps Bruder Fred Trump. Über ihren berühmten Onkel hat sie nun ein Buch geschrieben: "Too Much and Never Enough: How My Family Created the World's Most Dangerous Man".
Mary Trump ist die Tochter von Donald Trumps Bruder Fred Trump. Über ihren berühmten Onkel hat sie nun ein Buch geschrieben: "Too Much and Never Enough: How My Family Created the World's Most Dangerous Man".Bild: www.imago-images.de / Peter Serling/Simon & Schuster

Beide gingen damals davon aus, dass Trumps Ruf als "abgehalfterter Reality-TV-Star" und "gescheiterter Unternehmer" seiner Kandidatur ein frühes Ende bereiten würde. "Glaubt überhaupt irgendjemand diesen Quatsch von wegen Selfmademan? Was hat er überhaupt in seinem Leben alleine hinbekommen?", soll Mary ihrem Buch zufolge gefragt haben, worauf ihre Tante Maryanne erwiderte: "Nun ja, er ist fünfmal bankrott gegangen".

"Komplett unqualifiziert"

Nachdem sich Trumps Wahlkampf allerdings gut entwickelte und er schließlich seine Gegenbewerber innerhalb der republikanischen Partei ausgestochen hatte, dämmerte es schließlich auch seiner Nichte Mary Trump, dass ihr Onkel eine realistische Chance auf das Präsidentenamt hatte.

Im Spätsommer 2016 hatte sie daher schon darüber nachgedacht, mit ihrem Wissen, dass ihr Onkel für das Präsidentenamt "komplett unqualifiziert" sei, an die Öffentlichkeit zu gehen:

"Ich bekam langsam das Gefühl, dass sich unsere Familiengeschichte und Donalds Rolle darin auf einer weit größeren Ebene erneut abspielte. Wie auch mein Vater, wurden Donalds Mitbewerber im Rennen um das Präsidentenamt weit schärfer beobachtet und bewertet, während er mit immer krasserem und unverantwortlichem, ja verabscheuungswürdigen Verhalten davon kam – mehr noch, er wurde sogar dafür belohnt. Ich dachte, das kann doch nicht schon wieder passieren, aber genau das tat es."
Mary Trump in "Too Much And Never Enough"

Umso erstaunter war Mary Trump darüber, dass niemand in den Medien auf die Idee kam, Trumps Familie – abseits seiner Kinder, Melania und seinem Schwiegersohn Jared Kushner – zu fragen, warum keiner von der erweiterten Verwandtschaft öffentlich für den Wahlkampf ihres prominentesten Familienmitglieds in Erscheinung trat.

Laut Mary Trump wäre die Antwort recht einfach gewesen: Weil keiner von ihnen der Meinung war, dass Donald Trump ein guter Präsident sein würde.

Donald Trumps ältere Schwester Maryanne (r.) war lange Jahre ranghohe Richterin an einem der Berufungsgerichte der USA.
Donald Trumps ältere Schwester Maryanne (r.) war lange Jahre ranghohe Richterin an einem der Berufungsgerichte der USA.Bild: www.imago-images.de / UPI Photo

"Sie hätte einen Unterschied machen können"

Auch Trumps große Schwester Maryanne habe Mary Trump zufolge schwer mit ihrem Gewissen gerungen, nicht öffentlich vor ihrem Bruder zu warnen. So sagte sie ihrer Nichte gegenüber, sie sei froh, dass sie aufgrund ihrer Rolle als Bundesrichterin zur Objektivität verpflichtet sei. Dabei wäre eine öffentliche Warnung ihrerseits laut Mary Trump nicht auf taube Ohren gestoßen:

"Hätte sie sich zu Trumps absolut mangelhafter Qualifikation für das Amt geäußert, sie wäre möglicherweise die einzige Person im Land gewesen, die aufgrund ihrer Nähe zu Trump und ihrer Reputation als Bundesrichterin einen Unterschied hätte machen können."
Mary Trump in "Too Much And Never Enough"

Doch Maryanne hatte laut ihrer Nichte Angst davor gehabt, dass, wenn sie an die Öffentlichkeit treten würde, ihre eigenen Geheimnisse ans Tageslicht kommen würden – und hätte so aus "Loyalität zur Familie" schließlich doch für Trump gestimmt, obwohl sie felsenfest davon überzeugt war, dass er für das Amt des Präsidenten völlig ungeeignet war.

"Wollte nicht wie die enterbte Nicht rüberkommen"

Doch auch Enthüllungsbuchautorin Mary Trump hatte letztendlich davor zurückgeschreckt, sich öffentlich gegen die Präsidentschaftskandidatur ihres Onkels zu stellen. Ihrer Darstellung nach nicht etwa, weil sie mit der Zeit weniger Bedenken hatte, sondern aus Angst, ihre Familiengeschichte könnte medial falsch dargestellt werden:

"Nachdem mein Großvater 1999 gestorben war, erfuhr ich, dass die Nachkommen meines Vaters komplett aus dem Testament gestrichen worden waren. Es war, als ob Fred Trumps ältester Sohn nie existiert hätte und so kam es schließlich zu einem Erbrechtsstreit. Daher ging ich davon aus, dass wenn ich mich öffentlich über meinen Onkel äußern würde, ich als die übellaunige, enterbte Nichte rüberkomme, die sich rächen oder finanziellen Nutzen aus der Situation ziehen will."
Mary Trump in "Too Much And Never Enough"

Und so dauerte es noch einige Zeit, bis Mary Trump öffentlich klarstellte, was ihrer Darstellung nach jeder innerhalb des Trump-Clans wusste: Dass mit Donald Trump ein Mann Präsident wurde, der in keiner Weise die charakterliche Eignung besaß, Verantwortung für ein Land zu übernehmen. Währenddessen wurde ihr Onkel Donald, laut Mary Trump "der gefährlichste Mann der Welt", schließlich 45. Präsident der USA.

Mary Trump ist promovierte Psychologin. In ihrem Buch "Too Much And Never Enough" analysiert sie die Persönlichkeit ihres Onkels und erhebt schwere Vorwürfe.
Mary Trump ist promovierte Psychologin. In ihrem Buch "Too Much And Never Enough" analysiert sie die Persönlichkeit ihres Onkels und erhebt schwere Vorwürfe. Bild: Simon & Schuster
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