In Wien gibt es Wegweiser zum nächsten Corona-Testzentrum.
In Wien gibt es Wegweiser zum nächsten Corona-Testzentrum.Bild: APA / Herbert Neubauer

Österreich lockert Corona-Lockdown mit Test-Offensive

08.02.2021, 08:27

Nach sechs Wochen Corona-Lockdown öffnen in Österreich am Montag die Geschäfte wieder. Auch Kinder und Jugendliche dürfen – teilweise im Schichtbetrieb und mit regelmäßigen Corona-Tests – wieder in die Schule in den Präsenzunterricht gehen. Friseure können Kunden wieder die Haare schneiden. Es gelten verschärfte Hygienemaßnahmen. Das Tragen einer besonders schützenden FFP2-Maske wird nahezu überall Pflicht. Die Zahlen der Neuinfektionen sind weiterhin vergleichsweise hoch. Die Politik schließt einen weiteren Lockdown nicht aus.

Für den Besuch eines körpernahen Dienstleisters, wie es Masseure oder Friseure sind, ist künftig auch ein negativer Corona-Test nötig. Das Ergebnis darf nicht älter als 48 Stunden sein. Dafür wurde das Angebot für kostenlose Testungen auf fast 1000 Stationen ausgebaut. In Betrieben gibt es eine breite Testoffensive. Bis Ende Februar sollen zudem Gratistests in Apotheken im ganzen Land verfügbar sein. Dies würde vor allem der älteren Bevölkerung helfen, die weniger mobil ist, und das Angebot auf dem Land ausbauen.

Das Bundesland Tirol erhält möglicherweise Ausnahmeregelungen

Museen können nun ebenfalls wieder besucht werden. Die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen bleiben bestehen. Wann die Hotellerie und die Gastronomie wieder aufsperren darf, blieb unklar. Keinesfalls vor März, teilte die Regierung mit.

Zunächst blieb unklar, ob es spezielle Maßnahmen für das Bundesland Tirol geben wird. Die Verhandlungen dazu liefen den ganzen Tag, wurden am späten Sonntagabend vertagt. In Tirol war die ansteckendere Südafrika-Variante des Coronavirus vermehrt aufgetreten. Daher forderten Wissenschaftler eine schnelle Isolierung einzelner Orte oder des ganzen Bundeslandes an der Grenze zu Deutschland, um die Verbreitung der Mutation zu unterbinden. Tirols Regierung wehrte sich aber lautstark gegen jede neue Maßnahme. Eine Entscheidung wurde nun am Montag erwartet.

Österreich kämpft weiterhin mit hohen Infektionswerten

Die Zahlen der durchschnittlichen täglichen Neuansteckungen in Österreich stagnierten zuletzt trotz Lockdowns. Am Sonntag wurden 1317 Neuinfektionen vermeldet. Die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz lag bei 107 pro 100.000 Einwohner. Der deutsche Wert betrug 75.6.

Bundeskanzler Sebastian Kurz nannte im Januar als Zielwert, dass es mit Ende des Lockdowns nur noch 600 bis 700 Neuinfektionen pro Tag geben dürfe – eine Inzidenz von etwa 50. Diese Werte wurden nie erreicht. Gesundheitsminister Rudolf Anschober hoffte, dass es keinen weiteren Lockdown brauche. "Aber ausschließen kann das auf dieser Welt niemand", sagte er der "Kronen Zeitung" am Sonntag.

Seit Beginn der Pandemie sind in Österreich mit seinen knapp neun Millionen Einwohnern mehr als 8000 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben.

Grenzübertritte werden nur unter Auflagen erlaubt

Aus Sorge vor der weiteren Verbreitung des Coronavirus kündigte Österreich zudem an, Grenzkontrollen zu Deutschland und den weiteren Nachbarländern ab Montag massiv zu verschärfen. So sollen alle nicht notwendigen Reisen in der Pandemie verhindert werden. "Die Grenzkontrollen dienen als Wellenbrecher für Infektionsketten, die gerade durch neue Virusmutationen immer gefährlicher werden", sagte Innenminister Karl Nehammer.

Jeder Reisende muss künftig beim Grenzübertritt einen negativen Coronatest vorlegen. Ausnahmen gibt es nicht mehr. Auch sei eine zehntägige Quarantäne einzuhalten. Pendler müssen sich – wie andere Einreisende auch – nun online registrieren und einmal pro Woche einen negativen Coronatest vorzeigen. Um mögliche Grenzübertritte von Touristen zu verhindern, kündigten die Behörden zudem verstärkte Kontrollen in Skigebieten an.

(lfr/dpa)

Wieder gewalttätige Auseinandersetzungen an der polnisch-belarusischen Grenze

Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen polnischen Sicherheitskräften und Flüchtlingen an der belarusischen Grenze hat es mehrere Verletzte gegeben. Polnische Sicherheitskräfte setzten am Dienstag nach eigenen Angaben Tränengas und Wasserwerfer gegen Flüchtlinge ein, nachdem sie aus deren Reihen mit Steinen beworfen worden waren. Sieben Polizisten, ein Grenzschützer und ein Soldat wurden demnach verletzt. Nach belarusischen Angaben mussten auch mehrere Flüchtlinge medizinisch behandelt werden.

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