Sanitäter in Hong Kong: Jeder zwanzigste Corona-Fall endet in der Metropole aktuell tödlich.
Sanitäter in Hong Kong: Jeder zwanzigste Corona-Fall endet in der Metropole aktuell tödlich.Bild: NurPhoto / Marc Fernandes

Hohe Zahl von Corona-Todesfällen in Hongkong – was sie für Deutschland bedeuten

15.03.2022, 13:0015.03.2022, 14:40

China hat am Dienstag eine neue Rekordzahl bei den Corona-Infektionen vermeldet. Die Behörden berichteten von 5280 Neuinfektionen. Das waren mehr als doppelt so viele wie am Vortag und die höchste Zahl an einem einzigen Tag seit mehr als zwei Jahren. Wegen der Infektionswelle hat die Regierung über mindestens elf Städte landesweit einen Lockdown verhängt.

Am schlimmsten ist die Lage den offiziellen Zahlen zufolge in Hongkong. Die chinesische Sonderverwaltungszone vermeldet seit Wochen täglich zehntausende Fälle, doch im Gegensatz zu den Verantwortlichen in China haben die Behörden hier bislang auf einen strengen Lockdown verzichtet.

Dabei sterben dort aktuell so viele Menschen an Covid-19 wie noch nie. Laut dem "Financial Times"-Reporter John Burn-Murdoch endet aktuell jeder zwanzigste Fall in Hongkong tödlich. Die Sterblichkeitsrate der Metropole liege damit über der von Großbritannien im Winter 2020 – also bevor dort die flächendeckende Impfkampagne anlief. Nie zuvor starben pro 1 Million Einwohner mehr Menschen an Covid als derzeit in Hongkong, schreibt der Datenjournalist bei Twitter.

Für Burn-Murdoch steht fest: Die niedrige Impfquote bei den älteren Menschen ist der Grund für die hohe Sterblichkeitsrate in Hongkong. "Als Omikron auftrat, waren mehr als zwei Drittel der über 80-Jährigen in Hongkong immer noch nicht geimpft", schreibt er und zieht den Vergleich mit Neuseeland, wo durchschnittlich viel mehr Ältere vollständig geimpft sind und die Covid-Sterberate sehr niedrig ist.

In Hongkong komme außerdem erschwerend hinzu, dass die meisten Älteren mit dem chinesischen Impfstoff Sinovac geimpft seien – ein Vakzin, das weniger gut gegen tödliche Verläufe von Omikron-Infektionen schütze, als zum Beispiel der Corona-Impfstoff von Pfizer, so Burn-Murdoch. Zu diesem Ergebnis waren zuvor schon Studien der WHO gekommen.

Der Datenjournalist warnt angesichts der Daten aus Hongkong vor den Folgen der "Null-Covid"-Strategie, die in Festland-China mit harten Lockdowns bei schon geringen Fallzahlen weiter strikt aufrechterhalten wird. Weil es dadurch kaum frühere Infektionen gegeben habe, seien die Menschen "völlig immun-naiv", schreibt Burn-Murdoch.

Drosten und Burn-Murdoch einig: Omikron ist gefährlich für ungeimpfte Ältere

Sein vorläufiges Fazit: "Omikron ist an sich milder als Varianten wie Delta, aber dieser Rückgang des Schweregrads wird bei weitem durch die enormen Auswirkungen aufgewogen, die es hat, eine ältere Bevölkerung mit minimaler Impfung und ohne vorherige Infektion zu überfallen."

Auch der deutsche Virologe Christian Drosten hat sich auf Twitter inzwischen dazu geäußert. Die Zahlen aus Hongkong würden zeigen, "dass Omikron bei ungeimpften älteren Menschen nicht mild ist", schreibt er und warnt: "Deutschland hat noch über 2 Mio Umgeimpfte über 60."

(nik/mit Material von dpa)

EU-Beitritt der Ukraine als Preis für Landverluste? So realistisch ist die Theorie vom Deal für den Frieden
Die 27 EU-Staats- und Regierungschefs haben sich für den Status der Ukraine als EU-Beitrittskandidat entschieden. Aber haben sie dabei möglicherweise ganz andere Absichten als die Ukraine selbst? Ein Überblick.

Der Beschluss kommt mit einem Beigeschmack.

Zur Story