Ein brennendes Auto in Londonderry am Karfreitag.
Ein brennendes Auto in Londonderry am Karfreitag.Bild: PA

Journalistin bei "terroristischem Vorfall" in Nordirland erschossen

19.04.2019, 08:1219.04.2019, 14:49

Bei Ausschreitungen im nordirischen Londonderry ist eine Journalistin in der Nacht zu Freitag erschossen worden. Der Tod der 29-Jährigen im Wohngebiet Creggan am Stadtrand sei wohl ein "terroristischer Vorfall", teilte die Polizei am Freitag mit.

  • In den sozialen Netzwerken veröffentlichte Bilder zeigten brennende Fahrzeuge und Vermummte, die Molotowcocktails und Sprengkörper auf Polizeifahrzeuge werfen.
  • Bei der Toten handelt es sich um die 29-jährige investigative Journalistin Lyra McKee, die in ihrer Karriere über den Nordirland-Konflikt und seine Folgen berichtet hatte.
bild: Police Service of Northern Ireland
  • Die Details zum Tod von McKee sind noch nicht geklärt. Offenbar kam es in der Nacht zu Freitag zu Auseinandersetzungen zwischen irisch-nationalistischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Dabei versuchte ein Demonstrant offenbar auf einen Polizisten zu schießen, traf allerdings die junge Journalistin, wie die Polizei mitteilte. Der Tatverdächtige ist noch flüchtig.

Die Reaktionen auf den Tod der Journalistin

Die Vorsitzende der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP), Arlene Foster, verurteilte die "sinnlose" Gewalt. "Diejenigen, die in den 70er, 80er und 90er Jahren Schusswaffen in unsere Straßen gebracht haben, lagen falsch. 2019 ist es genauso falsch."

Auch die Vize-Vorsitzende der nationalistischen Sinn Fein, Michelle O'Neill, verurteilte den Tod der jungen Frau. "Das war ein Angriff auf die Gemeinschaft, ein Angriff auf den Friedensprozess und auf das Karteifreitagsabkommen."

Die britische Premierministerin Theresa May sagte über den Tod der 29-jährigen Reporterin: "Mein tief empfundenes Beileid gilt ihrer Familie, ihren Freunden und Kollegen. Sie war eine Journalistin, die starb, weil sie mit großem Mut ihrem Job nachgegangen war."

Die Gewalt trug sich vor dem Osterwochenende zu – einem Zeitpunkt, zu dem irisch-katholische Nationalisten an den Aufstand gegen die Briten im Jahr 1916 erinnern.
Das Karfreitagsabkommen von 1998 hatte den Nordirland-Konflikt beendet. In der britischen Provinz hatten sich jahrzehntelang irisch-katholische Nationalisten und protestantische Loyalisten bekämpft. Seit den 60er Jahren starben dabei 3500 Menschen, viele wurden von der irisch-republikanischen Untergrundorganisation IRA getötet.

In den vergangenen Monaten kam es wieder zu einem Anstieg der Gewalt. Die Polizei macht dafür die paramilitärische Gruppe "New IRA" verantwortlich. 

(pb/ll/afp)

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