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McDonald's-Boykott im Nahen Osten: Wie Fast-Food in Israel zum Politikum wird

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In mehreren vor allem muslimisch geprägten Ländern riefen Menschen zum Boykott von McDonald's auf. Bild: imago images / Pond5 Images
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McDonald's-Boykott im Nahen Osten: Warum Fast-Food für Israel zum Problem wird

10.04.2024, 17:19
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Weltweit gibt es wohl kaum ein Unternehmen, das ein derartiges Standing genießt wie McDonald's. Gleichzeitig gibt es wohl kaum ein Thema, das weltweit aktuell so viele Diskussionen auslöst wie der Gaza-Krieg.

Nicht nur in Europa und den USA ist der Konflikt in den vergangenen Monaten zu einem Thema geworden, das Politik wie persönliche Beziehungen spaltet. Eine Moderatorin des deutschen Senders SWR etwa wurde kürzlich wegen vermeintlich antisemitischer Social-Media-Posts von ihrem Job suspendiert. Im Nahen Osten selbst jedoch eskaliert mit dem Krieg eine Thematik, die schon seit Jahrzehnten vielmehr ist als eine politische Ungereimtheit.

Ein aktueller Boykott des Fast-Food-Riesen McDonald's unterstreicht erneut, wie weit der Konflikt mittlerweile auch das wirtschaftliche Handeln globaler Konzerne beeinflusst. Watson erklärt, was es mit dem Boykott auf sich hat – und warum der Weltkonzern nun selbst Konsequenzen zieht.

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Seit Jahren betreibt McDonald's seine Restaurants allein der Einfachheit halber über ein Franchise-System. Gegen eine Gebühr übernehmen einzelne Unternehmer:innen das Geschäftskonzept und vertreten die Marke nach eigenem Ermessen.

McDonald's kauft Restaurants in Israel zurück

Für die Niederlassungen in Israel sucht McDonald's nun aber plötzlich einen neuen Franchisenehmer. Wie das Unternehmen Anfang April mitteilte, habe man die entsprechenden Anteile vom Lizenznehmer kürzlich zurückerworben.

Laut BBC liegen von den weltweit mehr als 40.000 Fast-Food-Restaurants des Unternehmens insgesamt etwa fünf Prozent im Nahen Osten. Genau hier distanzierten sich im Oktober 2023 allerdings gleich mehrere Franchisenehmer von der Kette und riefen unter dem Hashtag #BoykottMcDonalds zum Protest auf.

Hintergrund ist eine Mitteilung von McDonald's Israel kurz nach dem Überfall der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Über Social Media informierte der Franchisenehmer über kostenlose Mahlzeiten "an all diejenigen, die an der Verteidigung des Staates, der Krankenhäuser und der umliegenden Gebiete beteiligt sind".

Mehrere Tausend Mahlzeiten sollen innerhalb weniger Wochen kostenlos an das israelische Militär gegangen sein, laut "Business Insider" spendete das Unternehmen zusätzlich 10.000 Mahlzeiten an die Bevölkerung. Für Soldat:innen kündigte McDonald's Israel einen generellen Rabatt von 50 Prozent auf das gesamte Sortiment in Israel an.

Große Boykott-Aktion von McDonald's im Nahen Osten

In mehreren Ländern löste genau diese Gratis-Aktion allerdings weitreichenden Protest aus. Die Franchisenehmer in Kuwait, Oman, Malaysia, Pakistan, Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien und der Türkei riefen zum Boykott auf. McDonald's Türkei soll als Reaktion eine Million US-Dollar für die palästinensische Bevölkerung in Gaza gespendet haben.

"Weder McDonald's Global noch irgendein anderes Land stehen in Verbindung zu dieser Entscheidung, weder direkt noch indirekt", hieß es in einem Statement der internationalen Geschäftsführung von McDonald's.

Aufsehen erregte auch der Aufruf der Bewegung "Boycott, Divestment and Sanctions" (BDS), die laut eigenen Angaben gegen den Staat Israel gerichtet ist und nach dem 7. Oktober gleich mehrere internationale Unternehmen auf eine Sanktionsliste setzte.

Die pro-palästinensischen Aktivist:innen rufen zu einem wirtschaftlichen, kulturellen und akademischen Boykott Israels auf. McDonald's Malaysia verklagte die Bewegung nach einem Boykott-Aufruf im eigenen Land wegen Verleumdung.

Der Besitz von McDonald's Israel liegt nach Angaben von CNN seit mehr als 30 Jahren in der Hand von Alonyal Limited. In mehr als 200 Restaurants im ganzen Land beschäftigt der Franchisenehmer etwa 5000 Mitarbeitende.

McDonald's-Unternehmer bereits mehrfach im Gaza-Konflikt kritisiert

Umstritten ist allerdings vor allem der Mann, der hinter Alonyal steht: Omri Padan. Der 72-jährige Geschäftsmann polarisierte bereits im Jahr 2013, als er die Eröffnung einer McDonald's-Filiale in der Siedlung Ariel im besetzten Westjordanland blockierte. Die Entscheidung war einem Bericht der BBC zufolge nicht mit der Geschäftsführung in den USA koordiniert worden.

Bereits seit 1967 werden mehrere palästinensische Gebiete, darunter das Westjordanland, von Israel besetzt. Die dortigen israelischen Siedlungen werden von Deutschland und der Europäischen Union als völkerrechtswidrig angesehen.

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McDonald's soll in Israel künftig einen neuen Franchisenehmer bekommen. Bild: imago images / Jöran Steinsiek

Padan ist Gründer der Gruppe "Peace Now", die ebenfalls alle israelischen Siedlungen in den besetzten Gebieten ablehnt und sie als Hindernis für den Frieden bezeichnet. Heute ist er dem BBC-Bericht zufolge kein offizielles Mitglied mehr.

Mit der Solidarisierung gegenüber den israelischen Streitkräften im Gaza-Krieg hat Padan nun aber global gesehen offenbar zu viel Einfluss genommen. Für den Nahen Osten, China und Indien lag das Umsatzwachstum von McDonald's zuletzt weit unter den Markterwartungen.

Anfang des Jahres machte McDonald's-CEO Chris Kempczinski für die Verluste noch "Fehlinformationen" im Krieg verantwortlich. Man gehe von einem "bedeutsamen" Einfluss auf die eigenen Geschäftszahlen aus. Unter welchen Bedingungen man den israelischen Franchise-Ableger nun zurückgekauft hat, bleibt offen. Vollzogen werden soll die Übergabe in den kommenden Monaten.

McDonald's bedankte sich bei Alonyal für den erfolgreichen Aufbau der Marke in Israel. Von vielen Seiten hagelt es Kritik, dass sich vor allem Omri Padan durch den Verkauf der Restaurants bereichern dürfte.

Weitere Global Player von Boykott betroffen

Die Fast-Food-Kette ist jedoch nicht das einzige, das durch den Gaza-Krieg gegen einen schlechten Ruf ankämpft. Unter anderem wurde ein Protest gegen die Modekette Zara gestartet, weil diese kurz nach dem Überfall der Hamas eine zweideutige Fotokampagne gelauncht hatte.

Auch Starbucks kämpft aktuell gegen ein lädiertes Image aufgrund des Gaza-Kriegs. Einerseits sorgten pro-palästinensische Tweets der mit der Kaffeehaus-Kette in Verbindung stehenden Gewerkschaft Workers United für Aufregung auf Social Media. Auf der anderen Seite kam es mehrfach zu antisemitischem Vandalismus an Starbucks-Filialen, da der Geschäftsführer des Unternehmens jüdischer Herkunft sein soll.

Bei dem Angriff der radikal-islamistischen Terrorgruppe Hamas auf Israel kamen im Oktober mehr als 1000 Menschen ums Leben. Dutzende Geiseln sind noch immer in der Hand der Terroristen. Die als Reaktion gestarteten Angriffe Israels auf den Gaza-Streifen rufen international viel Kritik hervor. Mindestens 33.000 Palästinenser:innen sollen seit Oktober ums Leben gekommen sein. Die Angaben sind derzeit aber kaum nachprüfbar.

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