Wolodimir Selenski neben seiner Ehefrau Olena Zelenska am Wahlabend.
Wolodimir Selenski neben seiner Ehefrau Olena Zelenska am Wahlabend.Bild: imago stock&people

Präsidentenwahl in der Ukraine: Dieser Comedian tritt gegen den Amtsinhaber an

01.04.2019, 13:50

Klarer Erfolg für einen Politik-Neuling in der Ukraine: Der Komiker Wolodimir Selenski hat nach vorläufigen Angaben der Wahlkommission vom Montag die meisten Stimmen in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl geholt.

  • Nach Auszählung von mehr als der Hälfte der Stimmen kam der 41-Jährige auf 30,2 Prozent. Amtsinhaber Petro Poroschenko kam mit 16,7 Prozent auf den zweiten Platz, so dass sich beide am 21. April in einer Stichwahl gegenüber stehen.
  • Das Teilergebnis vom Montagmorgen bestätigte die ersten Prognosen vom Wahlabend. Die frühere Ministerpräsidentin Julia Timoschenko kam nach Angaben der Wahlkommission mit 13,7 Prozent auf Platz drei. Timoschenko hatte nach der Veröffentlichung der Prognosen am Sonntagabend das Ergebnis angezweifelt und von Manipulationen gesprochen.

Selenski hatte zwar bereits in den Umfragen vor der Wahl geführt, das Ausmaß seines Erfolges kam dennoch für viele Ukrainer überraschend. Experten sehen bei der Stichwahl nur noch geringe Chancen für den amtierenden Präsidenten Poroschenko: "Bei ihm ist keine Luft mehr nach oben. Er hat alle seine Trümpfe ausgespielt", sagte der politische Analyst Anatoli Oktysjuk aus Kiew. Selenskis Erfolg sei ein "Protest gegen alte Eliten und ein Ruf nach neuen Gesichtern".

Er gehe davon aus, dass Poroschenko sich im zweiten Wahlgang als den einzigen Kandidaten präsentieren werde, der dem Nachbarland Russland etwas entgegenzusetzen habe, sagte Oktysjuk weiter. Im Osten der Ukraine schwelt seit Jahren ein bewaffneter Konflikt zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten. Poroschenko hatte angesichts des Ergebnisses des ersten Durchgangs von einer "deutlichen Lektion" gesprochen.

Welche Aussichten hat der Herausforderer?
In politischer Erfahrung ist der amtierende Präsident seinem Herausforderer Selenski deutlich überlegen. Der Schauspieler hatte im Wahlkampf auf öffentliche Auftritte und Interviews weitgehend verzichtet und war stattdessen weiterhin mit seinem Comedy-Ensemble aufgetreten. Über Eckpunkte seines Programms ließ er in Online-Netzwerken abstimmen. Kritiker bemängeln, seine Positionen seien wenig konkret. Zudem wird Selenski vorgeworfen, hinter ihm stehe der umstrittene Geschäftsmann Igor Kolomojski, ein Erzfeind von Präsident Poroschenko. Selenski weist die Vorwürfe zurück. Sollte er die Stichwahl im April gewinnen, steht er künftig an der Spitze eines der ärmsten Länder Europas. Die dritte Staffel seiner TV-Serie "Diener des Volkes" hat gerade erst begonnen.

(fh/afp/dpa)

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