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In Italien kommt der #FreeNipplesDay – für Kapitänin Carola Rackete

26.07.2019, 15:19

Einen Tag ohne BH fordert eine neue Kampagne in Italien. "Wenn die politische Debatte zum x-ten Mal in den Hintergrund rückt und Argumente durch Demütigung und Zensur des weiblichen Körpers deligitimiert werden, dann muss etwas passieren", heißt es auf der Facebook-Seite #freenipplesday. Folgendes ist passiert:

  • Die Kampagne ruft am Samstag Frauen und explizit auch Männer dazu auf, unter dem Hashtag #freenipplesday auf BHs und Unterschwäsche zu verzichten.
  • Die Aktivistinnen und Aktivisten wollen mit dem Tag ihre Solidarität mit der Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete ausdrücken.
  • Rackete war offenbar ohne BH zu einem Gerichtstermin erschienen. Die Berlusconi-nahe und konservative Zeitung "Libero" hatte Rackete daraufhin "eine Schamlosigkeit ohne Grenzen" vorgeworfen.

Versuch der Delegitimierung von Carola Rackete

"Unser Protest ist aus ironischer und provokanter Absicht geboren worden, hat aber ein sehr ernstes Ziel", sagen die beiden Protest-Initiatorinnen Nicoletta Nobile und Giulia Trivero gegenüber "La Repubblica".

Sie sehen hinter dem Zeitungsartikel den direkten Versuch, Carola Rackete und die Debatte hinter der Kapitänin mit unlauteren Mitteln zu delegitimieren und über "belanglose Details" zu verdecken. "Diese lenken von den wichtigen Inhalten ab. Außerdem werden sie dazu genutzt, um Frauen zu demütigen und den weiblichen Körper zu dämonisieren."

Rackete war Kapitänin des Seenotrettungsschiffs "Sea-Watch 3". Nachdem sie tagelang mit Dutzenden Flüchtlingen auf dem Mittelmeer festsaß, steuerte sie mit ihrem Schiff, trotz Verbot, den Hafen von Lampedusa an. Daraufhin nahm sie die italienische Polizei zunächst fest. Auch scharfe Angriffe von Italiens rechtem Innenminister Matteo Salvini muss Rackete seitdem aushalten.

Auch die Angriffe wegen ihres BHs passen in dieses Bild, nur dass Rackete jetzt eine große Solidarität an Menschen sicher hinter sich weiß. Sie alle werden Ende Juli ihre Unterwäsche weglassen.

(mbi)

Unter Beschuss in umkämpften Gebieten
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Von Mannheim über Lwiw nach Dnipro und weiter nach Mykolajiw, Slowjansk, Lyssytschansk und Sjewjerodonezk. Ganz nah an die Frontlinie im Süden und im Osten der Ukraine. Das ist die Route von Patrick Münz und Okan Baskonyali. Watson-Politikredakteurin Joana Rettig begleitet die beiden auf ihrer Mission.

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