Der russische Außenminister Sergej Lawrow beim G20-Treffen auf der indonesischen Insel Bali.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow beim G20-Treffen auf der indonesischen Insel Bali.picture alliance / Britta Pedersen
International

Wegen Frage an Lawrow: ZDF-Reporter bei G20-Gipfel rausgeworfen

08.07.2022, 13:43

Am Donnerstag und Freitag haben sich alle G20-Außenminister und -ministerinnen auf der indonesischen Insel Bali versammelt, um sich auf den G20-Gipfel am 15. und 16. November vorzubereiten. Zu den eingeladenen Staatengruppen gehören neben den G7-Teilnehmern, auch aufsteigende, autoritär geführte Wirtschaftsmächte, wie China, Saudi-Arabien oder Russland.

Die Gespräche auf der Urlaubsinsel wurden von dem Ukraine-Krieg überschattet. Insbesondere die Anwesenheit des russischen Außenministers Sergej Lawrow sorgte für Zündstoff – sie gilt als Test dafür, ob Kremlchef Wladimir Putin am anstehenden G20-Gipfel teilnehmen sollte.

ZDF-Journalist fragt Lawrow: "Wann stoppen Sie den Krieg?"

Bei seiner Ankunft zum G20-Treffen im Luxushotel Mulia im Badeort Nusa Dua wurde Lawrow von den indonesischen Gastgebern höflich, aber verhalten begrüßt. Ganz anders reagierten Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und ihr Amtskollege aus den USA, Antony Blinken. Die beiden distanzierten sich von Gepflogenheiten, wie dem Sektempfang und gemeinsamen Fotos.

Weniger zurückhaltend reagierten ein paar der anwesenden deutsche Journalisten – zu ihnen gehörte auch der ZDF-Korrespondent Andreas Kynast. Beim Empfang des russischen Vertreters rief er diesem zu: "When do you stop the war?" Zu Deutsch: "Wann stoppen Sie den Krieg?"

Kynast soll nach eigenen Angaben kurz darauf von dem indonesischen Sicherheitspersonal aus der Empfangshalle "rausgeschmissen" worden sein. Weitere Einschränkungen gab es für den Journalisten augenscheinlich jedoch nicht. Ein zweiter deutscher Journalist fragte Lawrow auf Englisch: "Warum beenden Sie den Krieg nicht?"

Kynast-Aktion spaltet die Twitter-Community

Auf Twitter wurde der ZDF-Reporter vielerseits für seine direkte Frage gefeiert. "Gute Aktion - Respekt", kommentiere Phoenix-Reporter Hans-Werner Fittkau. "Stark! Weiter so! Journalist*innen sollten gerade die mit einem halbwegs sicheren Job viel brennendere Fragen stellen, Fragen, die Spitzen und Haken haben und heiß aus der Bevölkerung kommen", lobte ein anderer Twitter-Nutzer.

Kritische Stimmen warfen Kynast jedoch unjournalistisches Verhalten vor: "Sie scheinen die Rolle eines Journalisten mit der eines Aktivisten zu verwechseln", schrieb ein User. "Ich dachte Journalisten sollen neutral berichten was vor Ort passiert", bemängelte ein anderer.

Lawrow sorgt für Eklat bei G20-Treffen

Dass der russische Angriffskrieg auf die Ukraine im Gesprächszentrum des G20-Gipfels stand, schien Lawrow ganz und gar nicht zu gefallen – denn dieser verließ direkt nach seiner Rede den Saal und reiste vorzeitig ab. Auf Anfrage der Deutschen Presseagentur teilte die Sprecherin des russischen Außenministeriums mit, dass Lawrow bemängelt haben soll, dass auf dem Treffen von den westlichen Staaten mehr über Russland als über die weltweiten ökonomischen Probleme gesprochen würde.

Mit seinem verfrühten Abschied entzog sich der Außenminister auch der Antwort von Außenministerin Annalena Baerbock. Die Grünen-Politikerin war direkt nach Lawrow als nächste Rednerin vorgesehen. Vor den Gesprächen hatten Sie einigen Medien gegenüber verkündet, "sehr deutliche Worte" finden zu wollen.

(fw)

Laut WHO über 700 Attacken auf Infrastruktur seit Kriegsbeginn

Der Krieg in der Ukraine hat mit dem Einschlag einer Rakete in Polen eine neue Stufe der Eskalation erreicht. Die schlimmste Befürchtung – nämlich, dass es sich um eine russische Rakete handelt – konnte zunächst nicht bestätigt werden. Aktuell wird im Westen davon ausgegangen, dass es eine ukrainische Flugabwehrrakete war.

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