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Russland: Experte mit düsterer Prognose zu Zukunft nach Putin

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Ein Abgang Wladimir Putins von der Spitze Russlands war lange Zeit eine große Hoffnung zur Beendigung des Krieges in der Ukraine.Bild: imago images / Sergey Gunee
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Russlands Zukunft nach Putin: Experte mit düsterer Prognose

04.01.2024, 15:38
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Spätestens seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine wünschen sich Putin-Gegner:innen, dass der russische Präsident verschwindet. Nicht nur Analyst:innen hofften, dass ein Abgang Wladimir Putins von der Führung des russischen Staates auch ein Ende des Krieges in der Ukraine bedeuten könnte.

Doch wie wahrscheinlich ist das tatsächlich? Und wie hat sich das Land seit dem Krieg verändert? Ein Experte und Historiker hat in Russland einen Wandel beobachtet und gibt seine Einschätzung dazu.

Russlands Zukunft nach Putin: Experte mit düsterer Prognose

Putin schockierte die Welt, als seine Truppen am 24. Februar 2022 überraschend in die Ukraine einmarschierten. Diese Entscheidung sollte die politische Lage und Stabilität weltweit massiv beeinflussen. Nicht zuletzt deshalb keimte bald darauf die Hoffnung auf, dass Putin von der Bildfläche verschwindet. Egal wie.

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Seit dem 24. Februar 2022 herrscht in der Ukraine Krieg. Bild: imago images / ZUMA Wire

Doch der estnische Journalist und Historiker Andrei Hvostov glaubt, dass ein Ende des russischen Machthabers nicht mehr zwangsläufig auch ein Ende des Krieges bedeuten würde. "Die russische Gesellschaft hat sich so fest auf den Krieg eingestellt, dass sie auch dann nicht aus der Spur gerät, wenn ein neuer Fahrer das Ruder übernimmt", erklärte Hvostov in einem Auftritt im Morgenprogramm vom estnischen Vikerraadio (Mittwoch).

Experte gibt Einschätzung zu Situation in Russland

Mit Blick auf die jüngst verstärkten Raketenangriffe Russlands auf die Ukraine wies er darauf hin, dass Russland nun das tue, was es im Herbst versprochen habe. Gleichzeitig laufen laut Hvostov die Dinge für Russland ebenso schlecht wie für die Ukraine auch. "Den Russen geht es nicht besonders gut", sagte er. Und:

"Der Gegenangriff der Russen begann am 10. Oktober. Die Angriffe dauern seither an, und sie haben keine nennenswerten Erfolge erzielt. Militärexperten haben hier auf der Karte gemessen, dass sich die gesamte Frontlinie um neun Meter verschoben hat."

Diese Entwicklung zeige, dass der Krieg in eine Sackgasse geraten ist.

Zudem haben beide Seiten seit dem Beginn der russischen Invasion nach Angaben der US-Geheimdienste zahlreiche Opfer zu beklagen. Schätzungen belaufen sich auf 315.000 russische und 180.000 tote Menschen. "Die wahren Kriegsverluste zeigen sich erst, wenn der Krieg vorbei ist. Schließlich gibt es auch die Vermissten (MIAs). Das heißt, man weiß nicht, wo diese Männer sind", sagt der Journalist.

Nach der militärischen Todesbürokratie, so erklärt Hvostov, gelte eine Person als tot, wenn es eine Leiche oder ihre Erkennungsmarken gibt. Gibt es diese nicht, werden sie als MIAs gezählt. "Und die Russen haben vielleicht noch Zehntausende solcher MIAs", erklärte er. "Aber im Großen und Ganzen können wir sagen, dass die Verluste 1:2 oder 1:3 zugunsten der Ukraine ausfielen. Aber ich fürchte, dieses Verlustverhältnis wird Russland nicht in die Knie zwingen."

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Russland und die Ukraine haben zahlreiche Verluste im Krieg verzeichnet. Bild: dpa / AP / Vadim Ghirda

Aber: Betrachte man die Bevölkerungszahlen der Konfliktparteien, sieht das Verhältnis anders aus. Denn auf dem ukrainischen Territorium leben 31 Millionen und auf dem russischen 144 Millionen Menschen, was einem fünffachen Unterschied entspricht. Das Verlustverhältnis müsste also 1:5 sein, damit es ausgeglichen ist.

Russland: Alles auf Krieg getrimmt – auch ohne Putin an der Macht

Hvostov zufolge glauben einige Analyst:innen, dass Russland seinen Wunsch, einen langen Krieg zu führen, erfolgreich umgesetzt hat. "In einer Diktatur gibt es ein erhebliches Maß an Kommandowirtschaft, in der es möglich ist, plötzliche Schritte zu unternehmen", sagte er. "Aber andere Analysten haben darauf hingewiesen, dass die russische Wirtschaft im neuen Jahr irgendwo zu knacken beginnt."

Denn Russland habe die Marktwirtschaft bis zu einem gewissen Grad beibehalten. Der Kreml aber habe begonnen, sie einzuschränken. "Damit immer mehr russische Unternehmen zu den Erlösen aus dem Krieg beitragen." Er glaubt, dass die russische Wirtschaft deshalb irgendwann nicht mehr funktionieren könnte.

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Spannend dürfte es dem Experten zufolge werden, wie Russland mit den vermehrten Angriffen durch die Ukraine auf russisches Territorium umgeht. "Vor den Wahlen muss Putin mit einer positiven Botschaft an sein Volk herantreten, aber die Ukraine versucht, seine Agenda zu durchkreuzen", sagte Hvostov.

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"Was die Ukraine in Belgorod getan hat, war, die russische Gesellschaft wissen zu lassen, dass der Krieg vor ihrer Haustür angekommen ist." Um Russ:innen zu sagen: "Das, was ihr mit uns macht, wird auch mit euch passieren." Man wolle, dass die Menschen in Russland nicht mehr wegschauen können. Inwiefern das die Sicht auf den Krieg verändert, bleibe abzuwarten.

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