Wrackteile der abgestürzten Maschine in einer Wohnsiedlung in Pakistan.
Wrackteile der abgestürzten Maschine in einer Wohnsiedlung in Pakistan.
Bild: imago images / Xinhua

"Bin rausgesprungen": Überlebender von Flugzeugabsturz berichtet von unglaublichem Glück

23.05.2020, 18:0623.05.2020, 18:07

Der tragische Flugzeugabsturz, der sich am Freitag in der pakistanischen Millionenstadt Karachi ereignete, tötete 97 der 99 Passagiere das Leben. Auch am Boden soll es Tote gegeben haben.

Einer der Überlebenden ist Mohammad Zubair. Er berichtete von dem unglaublichen Glück, das er hatte: "Ich habe meinen Sicherheitsgurt gelöst, Licht gesehen und bin in dessen Richtung gegangen. Dann bin ich rausgesprungen".

Zwar erlitt er Verbrennungen, doch sein Zustand ist nach Angaben des paksitanischen Gesundheitsministeriums stabil. In einem im Internet veröffentlichten Video-Bericht vom Krankenbett schildert er die Minuten nach dem Absturz.

"Nach dem Aufprall der Maschine kam ich wieder zu Bewusstsein und sah überall nur Flammen", berichtet der 24-Jährige. "Überall waren Schreie, jeder versuchte zu überleben." Dann habe er das Licht gesehen und sich in Bewegung gesetzt. Außer Zubair hat nach Behördenangaben nur der Präsident der Bank von Punjab, Zafar Masud, den Absturz überlebt.

Viele Opfer – auch am Boden

Alle anderen 89 Passagiere und die acht Besatzungsmitglieder kamen nach Behördenangaben ums Leben. Mindestens 19 von ihnen wurden bis Samstag identifiziert.

Der Airbus A320 der staatlichen Fluggesellschaft Pakistan International Airlines (PIA) befand sich im Landeanflug auf Karachi, als beide Triebwerke ausfielen. Der Pilot konnte noch einen Notruf absetzen, bevor die Maschine in einem Wohngebiet zerschellte.

Ein Flugzeug der pakistanischen Airline PIA stürzte am Freitag über der Millionenmetropole Karachi ab.
Ein Flugzeug der pakistanischen Airline PIA stürzte am Freitag über der Millionenmetropole Karachi ab.
Bild: imago images / Aviation-Stock

Bei dem Absturz wurden offenbar auch Menschen am Boden getötet. Mitarbeiter eines örtlichen Krankenhauses berichteten von Leichen, bei denen es sich nicht um Insassen der Maschine handele.

Nach Angaben des Flugzeugbauers Airbus war das verunglückte Flugzeug 2004 in Betrieb genommen und ab 2014 für Flüge der pakistanischen Airline eingesetzt worden. Die Maschine hatte demnach mehr als 47.000 Flugstunden hinter sich. Bei dem Flugkapitän soll es sich um einen erfahrenen Piloten gehandelt haben.

Nicht der erste Absturz in Pakistan

In Pakistan kommt es immer wieder zu Flugzeug- und Hubschrauberabstürzen. 2016 starben mehr als 40 Menschen, als eine PIA-Maschine im Norden des Landes nach einem Triebwerksschaden in Flammen aufging. Beim bisher schwersten Flugzeugunglück in der Geschichte des Landes kamen 152 Menschen im Jahr 2010 ums Leben, als ein Airbus A321 der privaten Fluggesellschaft Airblue beim Landeanflug auf Islamabad in hügeliges Gebiet stürzte. Ein Untersuchungsbericht machte einen Pilotenfehler für den Absturz verantwortlich.

Pakistan International Airlines gehörte bis in die 70er Jahre zu den international führenden Fluggesellschaften. Inzwischen leidet die Airline unter häufigen Flugstreichungen, Verspätungen und finanziellen Schwierigkeiten. Negativ-Schlagzeilen machte die Fluggesellschaft auch 2013, als ein PIA-Pilot in Großbritannien kurz vor dem Abflug betrunken aus dem Cockpit geholt wurde.

Pakistan will Hinterblieben entschädigen

Am Tag nach dem Flugzeugabsturz in Pakistan hat Luftverkehrsminister Ghulam Sarwar Khan zusätzliche Entschädigung für die Hinterbliebenen der Opfer angekündigt. Eine Million pakistanische Rupien (umgerechnet rund 5700 Euro) sollen Angehörige neben Versicherungsbeträgen jeweils für Verstorbene erhalten, sagte Khan während einer Pressekonferenz. Die beiden Überlebenden bekämen die Hälfte des Betrags. Auch die Anwohner der Absturzstelle, deren Häuser verwüstet wurden, sollen entschädigt werden.

Zudem kündigte Khan eine rasche Aufklärung der Absturzursache an. "Ich kann Ihnen versichern, dass gegen die für den Unfall Verantwortlichen nach einer freien und fairen Untersuchung vorgegangen wird", so Khan.

(vdv/mit Material von afp)

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