Der Schütze hinterließ ein Bild der Zerstörung, das selbst für die Polizei nur schwer zu verkraften war.
Der Schütze hinterließ ein Bild der Zerstörung, das selbst für die Polizei nur schwer zu verkraften war. Bild: Chicago Tribune / Brian Cassella

Mindestens 6 Tote bei Familienparade in Chicago: Täter gefasst

05.07.2022, 08:4805.07.2022, 17:00

Ermittler in den USA rätseln nach der Bluttat mit mindestens sechs Toten bei einer Nationalfeiertag-Parade über das Motiv des Täters. Ein junger Mann wird verdächtigt, mit einem "leistungsstarken Gewehr" vom Dach eines Geschäftsgebäudes aus wahllos auf eine feiernde Menschenmenge geschossen zu haben.

Dies teilten die Ermittler am Montag (Ortszeit) mit. Ereignet hatte sich die Tat in einem Vorort Chicagos im Bundesstaat Illinois. Mehrere im Internet veröffentlichte Musikvideos, die Szenen von Waffengewalt zeigen, werden dem Verdächtigen zugeschrieben. Er konnte Stunden nach der Tat festgenommen werden.

Mindestens sechs Menschen kamen bei der Attacke ums Leben, 25 wurden verletzt

Wie die Behörden mitteilten, wurde der in einem silberfarbenen Fahrzeug flüchtige und als "sehr gefährlich" eingestufte 22-Jährige dann von einem Polizisten gesehen. Er wurde nach einer kurzen Verfolgungsjagd am Montagabend gegen 18.30 Uhr Ortszeit festgenommen.

Nach der Tat lief die Suche nach dem Verdächtigen auf Hochtouren.
Nach der Tat lief die Suche nach dem Verdächtigen auf Hochtouren.Bild: AP / Nam Y. Huh

Die Schusswaffenattacke während der Feierlichkeiten zum US-Unabhängigkeitstag vom 4. Juli in Highland Park sorgte landesweit für Entsetzen. Bei der Attacke in dem wohlhabenden Vorort der Großstadt Chicago im Bundesstaat Illinois wurden mindestens sechs Menschen getötet.

Rund 25 Menschen im Alter zwischen acht und 85 Jahren wurden durch Kugeln verletzt. Der Schütze hatte nach Polizeiangaben mit einem Gewehr von einem Dach eines Geschäftes aus das Feuer auf die Menschenmenge eröffnet.

"Alles deutet darauf hin, dass er diskret und sehr schwer zu sehen war", sagte ein Sprecher der Sicherheitsbehörden, Christopher Covelli. Der Angreifer habe offenbar die Zuschauer der Parade gezielt ins Visier genommen.

Der mutmaßliche Täter hatte online gewalttätige Inhalte veröffentlicht

Stunden nach der Attacke gab die Polizei Crimos Identität bekannt und veröffentlichte ein Fahndungsfoto. Er wurde zunächst offiziell als "Person von Interesse" bezeichnet, gewissermaßen eine Vorstufe zu einem Verdächtigen. Crimo bezeichnet sich selbst als Musiker und präsentiert sich im Netz mit dem Künstlernamen "Awake the Rapper".

Auch die Anwesenheit von Kinder hielt den Angreifer offenbar nicht davon ab, ein Blutbad anzurichten.
Auch die Anwesenheit von Kinder hielt den Angreifer offenbar nicht davon ab, ein Blutbad anzurichten. Bild: AP / Nam Y. Huh

Er hatte laut US-Medien in der Vergangenheit auf Online-Plattformen gewalttätige Inhalte veröffentlicht. Darunter war laut der Zeitung "Chicago Tribune" ein Video mit Zeichnungen eines Schützen und von Menschen, die erschossen werden, sowie eine Stimme, die sagte: "Ich muss es einfach tun" und "Nichts kann mich stoppen, nicht einmal ich selbst".

Viele Menschen hielten die Schussgeräusche zunächst für ein Feuerwerk

Die Schüsse hatten laut Polizei um 10.14 Uhr begonnen und Panik in der Kleinstadt am Ufer des Michigan-Sees ausgelöst, wo sich hunderte Menschen versammelt hatten, um den "Independence Day" zu feiern. Viele Menschen hielten die Schüsse zunächst für Feuerwerk.

"Wir haben uns vorbereitet, die Straße entlangzumarschieren, als plötzlich Wellen von Menschen angefangen haben zu rennen", sagte die Augenzeugin und Parade-Teilnehmerin Emily Prazak der Nachrichtenagentur AFP. "Direkt bevor das passiert ist, haben wir das 'pop, pop, pop, pop, pop' gehört, und ich dachte, es ist Feuerwerk."

Schusswaffenangriffe häufen sich – Biden spricht von "Epidemie der Waffengewalt"

US-Präsident Joe Biden zeigte sich "schockiert über die sinnlose Waffengewalt". Er dankte den Einsatzkräften und erklärte, er bete für die Verletzten. Biden verwies außerdem auf eine kürzlich beschlossene leichte Verschärfung des Waffenrechts – ein Minimal-Kompromiss zwischen seinen Demokraten und den oppositionellen Republikanern – und betonte, es gebe noch "viel mehr Arbeit zu erledigen". "Ich werde den Kampf gegen die Epidemie der Waffengewalt nicht aufgeben", erklärte der Präsident.

Immer wieder kommt es zu Schusswaffenangriffen, bei denen wahllos auf Menschen geschossen wird.
Immer wieder kommt es zu Schusswaffenangriffen, bei denen wahllos auf Menschen geschossen wird. Bild: AP / Nam Y. Huh

In den USA hatte es in den vergangenen Wochen eine ganze Serie besonders blutiger Schusswaffenangriffe gegeben. Mitte Mai erschoss ein 18-Jähriger an einer Grundschule der texanischen Kleinstadt Uvalde 19 Kinder und zwei Lehrerinnen. Zehn Tage zuvor hatte ein 18-Jähriger in und vor einem Supermarkt in Buffalo im Bundesstaat New York aus rassistischen Motiven zehn Menschen erschossen.

Am Nationalfeiertag kam es auch in der Großstadt Philadelphia zu einem Schusswaffenvorfall. Dabei wurden laut US-Medien zwei Polizisten verletzt, die Hintergründe waren zunächst unklar.

(ast/afp)

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