Joe Biden ist definitiv zurück im Rennen.
Joe Biden ist definitiv zurück im Rennen.
Bild: imago images / ZUMA Press / Scott Varley

Biden legt am "Super-Tuesday" spektakuläres Comeback hin

04.03.2020, 13:30

Der frühere US-Vizepräsident Joe Biden hat bei den Vorwahlen der oppositionellen Demokraten am "Super Tuesday" ein spektakuläres Comeback hingelegt.

  • Prognosen zufolge gewann der 77-jährige Vertreter der politischen Mitte an dem Superwahltag in mindestens neun der 14 Bundesstaaten, in denen abgestimmt wurde.
  • Sein linksgerichteter Konkurrent Bernie Sanders siegte demnach am Dienstag mindestens in drei Bundesstaaten.
  • Enttäuschend verliefen die Vorwahlen für den Medienmilliardär Michael Bloomberg.

Diese Staaten gewannen die Kandidaten:

Biden:

  • Alabama (52 Delegierte)
  • Arkansas (31 Delegierte)
  • Massachusetts (91 Delegierte)
  • Minnesota (75 Delegierte)
  • North Carolina (110 Delegierte)
  • Oklahoma (37 Delegierte)
  • Tennessee (64 Delegierte)
  • Virginia (99 Delegierte)
  • Texas (228 Delegierte)

Sanders:

  • Colorado (67 Delegierte)
  • Utah (29 Delegierte)
  • Vermont (16 Delegierte)

Bloomberg

  • US-Außengebiet Amerikanisch-Samoa (6 Delegierte)

Ein eindeutiges Ergebnis im Bundesstaat Kalifornien steht noch aus. Laut Berechnungen von US-Medien liegt Sanders in Kalifornien vorne.

Der Sender Fox News ging am Dienstagabend (Ortszeit) schon so weit, den 78-Jährigen zum Gewinner in dem Staat an der Westküste zu erklären. Die Sender CNN und CBS berichteten zurückhaltender über eine Führung Sanders.

In Maine (24 Delegierte) ist das Rennen noch zu knapp, um einen Sieger zu ernennen.

Worum geht es beim "Super Tuesday"?

Der Super-Dienstag ist im Präsidentschaftsrennen der Demokraten von zentraler Bedeutung. Vergeben werden rund ein Drittel der Delegierten, die bei einem Parteitag im Juli über den Herausforderer von Präsident Donald Trump entscheiden – 1357 von insgesamt 3979.

Allein in Kalifornien werden 415 Delegierte vergeben und damit mehr als in jedem anderen Bundesstaat. Verteilt werden die Delegierten anteilig unter den Bewerbern, die mehr als 15 Prozent der Stimmen erhalten.

So reagierte Biden auf die Ergebnisse:

Biden zeigte sich am Wahlabend glücklich über die Ergebnisse: "Das ist ein guter Abend", sagte er vor Anhängern. "Und es scheint, dass es sogar noch besser wird." Sein Comeback kommentierte Biden mit den Worten: "Sie haben mich noch nicht beerdigt, ich bin nicht tot. Ich bin zurück."

Der 77-Jährige hatte bei den ersten beiden Vorwahlen im Februar in Iowa und New Hampshire noch miserabel abgeschnitten, sich dann aber gefangen. Am vergangenen Samstag gewann er die Abstimmung in South Carolina. Danach bekam der einstige Stellvertreter von Präsident Barack Obama weiteren Aufwind: Kurz vor dem Super-Dienstag stellten sich die ausgeschiedenen Bewerber Pete Buttigieg, Amy Klobuchar und Beto O'Rourke hinter ihn. Damit vereinte sich das moderate Demokraten-Lager zunehmend hinter Biden – was sich jetzt auch an den Wahlurnen niederschlug.

"Super Tuesday" wird zum Zweikampf

Das interne Rennen der Demokraten hat sich mit dem "Super Tuesday" weiter zu einem Wettbewerb zwischen dem moderaten und dem linken Flügel zugespitzt. Viele Demokraten halten den 78-jährigen Sanders für zu links und fürchten, er hätte als Präsidentschaftskandidat keine Chance gegen Trump.

Der selbsternannte "demokratische Sozialist" zeigte sich am Wahlabend aber siegessicher: Er habe "absolutes Vertrauen" in seinen Sieg, sagte der Senator vor jubelnden Anhängern. Allerdings zerschlugen sich seine Hoffnungen, seinen Rivalen am Super-Dienstag davonziehen zu können.

Der 78-Jährige hatte die ersten vier Vorwahlen ausgelassen und war erst zum "Super Tuesday" in die Vorwahlen eingestiegen. Er hat hunderte Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen in den Wahlkampf gesteckt. Präsident Trump spottete im Kurzbotschaftendienst Twitter, Bloomberg sei "der größte Verlierer" des Wahltags.

Ebenfalls schwach schnitt die linksgerichtete Senatorin Elizabeth Warren ab. So konnte sie nicht in ihrem Heimatstaat Massachusetts gewinnen, den sie im Senat vertritt. Im Rennen war außerdem – ohne jede Aussicht auf Erfolg – die Abgeordnete Tulsi Gabbard.

Die Vorwahlen der Demokraten gehen noch bis Anfang Juni. Ihren Präsidentschaftskandidaten wird die Partei dann bei einem Parteitag im Juli offiziell nominieren. Für einen Sieg im ersten Wahlgang sind die Stimmen von 1991 Delegierten nötig. Die Präsidentschaftswahl findet am 3. November statt.

(ll/afp)

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